• Drucken
  • Senden
  • Feedback
29.02.2000
 

Der "Schaltjahr-Fehler" schlägt zu

Computerausfälle in Japan und Neuseeland

Nach der an Hysterie grenzenden Aufregung vor dem Datumswechsel schien das Y2K-Problem ausgestanden: Abgesehen von kleineren Störfällen gelang den Computern der Welt der Wechsel ins neue Jahrtausend nahezu reibungslos. Eher schüchtern warfen nur hartnäckige Mahner ein, das dicke Ende könne zum 29. Februar noch kommen. Jetzt melden Japan und Neuseeland erste Störfälle.

Die Millennium-Wanze: Durch Präventivmaßnahmen ausgerottet?
AP

Die Millennium-Wanze: Durch Präventivmaßnahmen ausgerottet?

Am frühen Dienstagmorgen ging es los: 1200 der insgesamt 25.000 Geldautomaten, die in japanischen Postfilialen aufgestellt sind, versagten den Dienst. Die Techniker brauchten nur wenige Stunden, die Fehler zu beheben. Gegen Mittag funktionierte alles wieder reibungslos. Betroffen waren auch die Rechnersysteme in 43 Büros des Meteorologischen Institutes. Die Wettervorhersage entfiel wegen Fehlfunktionen. In einem japanischen Atomkraftwerk gab die elektronische Stechuhr den Dienst auf. Die Diagnose in allen Fällen: Der "Schaltjahr-Fehler" hatte zugeschlagen.

Ähnliches hatten die Agenturen gegen 11 Uhr aus Neuseeland zu berichten. Hier waren bis zu 4000 Geldautomaten betroffen. "Die Banken melden kleinere Probleme, die aus Rechner-Fehlfunktionen beim Datumswechsel vom 28. auf den 29. Februar resultieren", ließ Basil Logan, Kopf der neuseeländischen Y2K-Kommission, verlauten. Die hatte ihre Arbeit in Hinblick auf mögliche "verspätete" Computerprobleme zum 29. Februar noch nicht eingestellt.

Im Gegensatz zu Deutschland: Der Krisenstab des Innenministeriums stellte seine Arbeit ein, nachdem die von vielen befürchtete Katastrophe zum Jahreswechsel ausgeblieben war.

Eine Katastrophe erwartet auch niemand mehr. Michael Dickopf, Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, ist derzeit auf der Cebit. "Ich bin hier von Rechnern und Anwendungen umgeben", sagte Dickopf am Dienstagmittag, "und alles läuft".

Fast schon eine nostalgische Erinnerung: Zum Jahreswechsel gab es noch Krisenzentren. Zuletzt wachte nur noch das Amt für Reaktorsicherheit
Zur Großansicht
DPA

Fast schon eine nostalgische Erinnerung: Zum Jahreswechsel gab es noch Krisenzentren. Zuletzt wachte nur noch das Amt für Reaktorsicherheit

Einen Krisenstab habe das Innenministerium für den 29. Februar nicht mehr ins Leben gerufen. Dickopf: "Niemand erwartet dramatische Probleme, weil mit der Aufrüstung der Systeme für den Wechsel ins neue Jahrtausend ja auch die möglichen Ursachen für den Schaltjahr-Fehler ausgemerzt wurden. Das Problem des Bug ist weitestgehend gelöst."

Im Verkehrsministerium, meint Dickopf, gebe es noch eine Arbeitsgruppe, die unter anderem ein Auge auf die Funktion der Rechner im Flugbereich halte. Beim Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen war am Dienstagmittag niemand für eine Stellungnahme bereit.

"Es gab keine Probleme, alles ist völlig ruhig", sagt hingegen einer, von dem man das gern hört: Rudolf Herlitze ist einer der Sprecher im Bundesumweltministerium. Dort gab es tatsächlich noch einen Krisenstab. "Unsere Abteilung Reaktorsicherheit hat einen Stab gebildet, der die Situation zum Datenwechsel vom 28. auf den 29. Februar beobachtete", sagt Herlitze. Diese Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern des Bundesamtes für Strahlenschutz und der "IT-Gruppe" innerhalb des Bundesumweltministeriums gibt Entwarnung: "Wenn etwas in diesem Bereich passiert wäre, dann müssten wir das inzwischen wissen."

Eine Wiederholung der Vorgänge zum Jahreswechsel also. Kleinere Fehler können auftreten, größere Störfälle scheinen auszubleiben. Auch Russland und China, zum Jahreswechsel als "Risikoländer" gesehen, meldeten keinerlei Probleme. Wie schon zu Neujahr sagen Computerexperten allenfalls "kleinere Ärgernisse" voraus. Sony warnt, ältere Videokameras könnten Fehlfunktionen zeigen, Microsoft-Excel-Nutzer müssten ebenfalls Probleme erwarten, falls sie ihr Produkt nicht updateten. Klingt fast wie ein verkaufsfördernder Effekt.

Frank Patalong

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Tech

© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP