Von Jochen A. Siegle
Neue Allianz: Steve Jobs mit einem IBM-Chip-Wafer. "Big Blue" baut die Prozessoren der neuen G5-Rechner
Die Gerüchte der letzten Wochen und die kurzzeitig am vergangenen Donnerstag - versehentlich oder aus Marketing-Kalkül - auf der Apple-Website geposteten Daten zum neuen Hochleistungs-Apfel stimmen also doch: Es gibt endlich einen neuen PowerMac. "G5" heißt der, ist Apple-like schick designed und in Alu gehüllt, wie die Vorgängermodelle mit Henkeln ausgestattet und basiert als erster Personal Computer auf 64-Bit-Prozessor-Architektur.
Die wiederum stammt nicht, wie vor der WWDC gemunkelt wurde, von Intel, AMD oder dem bisherigen Apple-Prozessor-Ausrüster Motorola, sondern von IBM und soll die mit bis zu zwei Gigahertz getakteten neuen PowerMacs gemäß unabhängigen Benchmark-Tests deutlich schneller antreiben können als "alles, was sich für Geld in der Wintel-Welt kaufen lässt", so Jobs.
Bei aller Euphorie über die Leistung des G5 sind verschiedene Analysten diesbezüglich jedoch skeptisch; schließlich ließen sich die Leistungstests, die Apple vorlegt, "nicht immer in realitätsnahe Performance-Bedingungen übertragen", kritisiert etwa Martin Reynolds von der Gartner-Gruppe.
Jobs besteht dennoch darauf, dass "der G5 der schnellste PC der Welt" ist. Zur Live-Demonstration lässt der Apple-Impressario dafür das 2-GHz-G5-Spitzenmodell gegen einen 3-GHz-Pentium-Rechner des Computer-Discounters Dell antreten - und das gleich mit mehreren Applikationen: Ob komplexe PhotoShop-Anwendungen, Berechnungen mit Mathematica oder 3-D-Rendering, die Dell-Kiste sieht auf der Bühne ziemlich alt aus. Im kommenden Jahr soll's dann noch schneller gehen: Bis in zwölf Monaten will die IBM-Apple-Allianz die ersten 3-Gigaherz-PowerMacs vorstellen.
Kenner vor offenem Rechner: Schnellster PC der Welt?
Ab August sind drei G5-Modelle zu haben, die je nach Konfiguration und Taktfrequenz (1,6 GHz, 1,8 GHz oder 2 GHz mit Dual-Prozessor) mit 2000, 2400 oder 3000 US-Dollar zu Buche schlagen - und damit Jobs zufolge im Verhältnis zu vergleichbar ausgestatteten Windows-Rechnern auch noch deutlich günstiger sind.
Der Panther jagt das "Longhorn"
Wie erwartet demonstrierte der Apple-Boss auch die neueste Version des Mac-Betriebssystems OS X. Dieses trägt die Nummer 10.3 und nennt sich in der Tradition der Vorgänger Cheetah, Puma und Jaguar nun ebenfalls nach einem Raubtier: Panther. Die neueste Katze, mit der man sich nicht zuletzt ja gegen das für 2004 angekündigte Microsoft-"Longhorn" rüstet, soll noch mehr Krallen haben als der Jaguar: 100 neue Features verspricht Jobs für das Betriebssystem (Original-Ton: "A kick-ass OS"), das entgegen früheren Ankündigungen erst Ende des Jahres auf den Markt kommen und 129 US-Dollar kosten soll.
Selbst eingefleischten Mac-Enthusiasten kann es kaum schmecken, erneut für ein OS-X-Upgrade zur Kasse gebeten zu werden. Da können auch verschiedene pfiffige neue Funktionen wenig versöhnlich stimmen; darunter neben verbesserten
Vertieft: Apple-Affinados begutachten neue Software
Weiteres Highlight des Panther-Systems: Das Video- und Audio-Instant-Messaging-System "iChat AV". Auch wenn sich Bewegtbild-Chats in der dominierenden Windows-Welt bislang kaum durchsetzen konnten, wird dieser Dienst Jobs zufolge "unsere Kommunikation vollständig verändern". Live-Video-Chats mit Ex-US-Vizepräsident Al Gore in Los Angeles sowie einem Jobs-Kumpel in Paris sollen das unterstreichen.
Zu "iChat AV" stellt Apple mit "iSight" auch gleich die passende Hardware bereit: Das "Auge und Ohr" für die audiovisuelle iChat-Welt, die auch über AOLs AIM erreichbar sein soll, gibt es ab sofort für 149 US-Dollar zu kaufen.
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