20. November 2006, 15:34 Uhr

Heimkino-Technik

LCD, Plasma oder Beamer?

Von Holger Dambeck

Wer Ersatz für seinen in die Jahre gekommenen Röhrenfernseher sucht, steht vor einer schwierigen Entscheidung: Soll es ein Plasma-TV sein, ein LCD-Gerät oder lieber gleich ein Beamer? Alle drei Techniken haben ihre Tücken.

Schon seit Jahren trommelt die Heimelektronikbranche für HDTV. Aber das hochauflösende Fernsehen ist bislang ein Minderheitenprogramm geblieben - zumindest in Deutschland. Einzig Premiere strahlt drei Kanäle in HD aus. Daneben senden ProSieben und Sat.1 einzelne Filme in hoher Auflösung - jedoch ausschließlich über Satellit. Wann ARD und ZDF in das superscharfe Fernsehen einsteigen, ist noch ungewiss. Olympia 2008 könnte ein Startpunkt sein.

Trotzdem gilt HDTV in der Heimelektronikbranche längst als riesiger Erfolg, denn die großen Flachbildschirme verkaufen sich bestens. Bei Plasma-Geräten rechnen die Marktforscher von DisplaySearch für 2006 mit einem Wachstum von fast 40 Prozent, bei LCD-Fernsehern sollen es sogar 73 Prozent mehr werden als im Vorjahr. Unternehmen wie Loewe, Sharp oder Samsung melden beeindruckende Umsatz- und Gewinnsprünge - und zwar vor allem wegen des boomenden Geschäfts mit Flachbildschirmen.

In den Großmärkten haben die immer größeren Flachbildschirme längst die herkömmlichen Röhrengeräte an den Rand gedrängt. Auf fast allen der schicken Boliden prangt mittlerweile das Logo "HD ready". Das sollte es auch, denn ansonsten wird das Gerät HDTV oder hochauflösende DVDs nicht anzeigen können, sofern die Inhalte kopiergeschützt sind.

Röhre nicht wegwerfen

Als Konsument steht man trotzdem reichlich ratlos vor den flachen Fernsehern. Welche Technik ist die bessere? Die auch von Computer- und Notebookbildschirmen bekannten LC-Displays (LCD)? Oder die etwas älteren Plasmas? Statt eines Flachbildschirms könnte man auch einen Beamer kaufen.

Wer mit einem Beamer liebäugelt - in keiner Geräteklasse bekommt man für so wenig Geld so viel Bilddiagonale -, sollte seinen alten Fernseher nicht gleich auf den Sperrmüll werfen. "Ein Beamer ist nicht als Fernsehersatz zu empfehlen, eher als Zusatzgerät", sagt Christoph de Leuw, Monitorexperte vom Magazin "AudioVideoFoto Bild".

"Beamerlampen sind teuer und leiden unter häufigem Ein- und Ausschalten", ergänzt Ulrike Kuhlmann vom Computermagazin "c't". Eine Beamer-Stunde koste je nach Lebensdauer der Lampe und deren Preis zwischen 50 Cent und 2 Euro. Interessant seien Beamer für alle, die viel DVDs schauten und im Fernsehen vor allem Filme.

Besonders günstig sind mittlerweile LCD-Beamer geworden. Noch höhere Lichtstärken und Kontraste erreichen DLP-Beamer, die mit Tausenden kleinen Spiegeln arbeiten. DLP-Geräte sind dafür aber deutlich teurer. Zudem stört sich mancher Zuschauer am Regenbogeneffekt. Dabei sieht man die Grundfarben als farbige Schlieren um Konturen im Bild.

Abdunkeln ist Pflicht

Ein womöglich entscheidender Nachteil von Beamern ist, dass sie nur im Dunkeln ein wirklich gutes Bild liefern. "Wer bei Tageslicht mit dem Beamer Filme anschauen will, braucht ein Profigerät", erklärt de Leuw. Und die verlangten nicht selten einen Drehstromanschluss. Wer seine Wohnung nicht mit Rollos oder schweren Vorhängen ausstatten will, für den kommt eigentlich nur ein Flachbildschirm in Frage.

Plasma oder LCD - die Entscheidung ähnele ein wenig der Wahl zwischen Pest und Cholera, sagt de Leuw nur halb im Scherz. Denn beide Displaytechniken haben Nachteile, auch wenn die Technik insgesamt große Sprünge gemacht hat. Die große Schwäche von Flüssigkristallschirmen ist die Darstellung von Schwarz: Sie kommen kaum über ein dunkles Grau hinaus, weil die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms immer an ist.

Außerdem neigen viele, vor allem ältere LCD-Fernseher zu Wischeffekten. Bei extrem schnellen Bewegungen, etwa während einer Fußballübertragung oder bei Laufschrift, ist kaum noch etwas zu erkennen. Dieses Problem kennen Plasma-Geräte nicht, dafür aber den sogenannten False-Contour-Effect, bei dem man farbige Ringe an Konturen sieht.

Das größte Problem von Plasma-Fernsehern ist das Einbrennen - beispielsweise von Senderlogos. "Das ist irreversibel, so etwas gibt es bei LCDs nicht", erklärt "c't-"Displayexpertin Kuhlmann. Zwar gebe es Reinigungszyklen, bei denen der Monitor einige Minuten auf weiß geschaltet werde. "In Wirklichkeit wird dabei der Phosphor ganzflächig ausgebrannt und damit nur der gesamte Bildschirm dunkler."

Kuhlmann rät deshalb von Plasma-Geräten ab, auch wenn diese die Farben brillanter darstellen und bei Sportübertragungen nach wie vor besser abschneiden. Die LCD-Hersteller hätten mittlerweile verschiedene Techniken entwickelt, die Nachteile ihrer Panels gegenüber Plasma auszugleichen. Sie versuchten etwa durch das schnelle An- und Ausschalten der Hintergrundbeleuchtung oder auch durch kurzzeitiges Einblenden von schwarzen Bildinhalten klassische Röhrentechnik zu imitieren. Scanning Backlight heißt diese Technik bei Philips; Sharp und BenQ nennen sie Black Data Insertion.

Kuhlmanns Kollege de Leuw von "AudiVideoFoto Bild" will sich nicht eindeutig auf eine Paneltechnik festlegen. "LCDs haben mächtig aufgeholt", bestätigt er. Mit ihrem helleren Display machten sie bei hellem Licht auch die bessere Figur. Doch Plasma habe die natürlicheren Farben und schaffe echtes Schwarz.

Der Stromverbrauch taugt übrigens nur bedingt als Argument gegen Plasma-Geräte. Auch wenn ihre Nennleistung bei gleicher Bildschirmdiagonale höher ist als bei LCD-TVs, so hängt ihr tatsächlicher Stromverbrauch stark vom Filminhalt ab. Bei eher düsteren Streifen mit viel Schwarz sinkt die Leistung, während bei LCD-Fernsehern der Stromverbrauch konstant ist. Je nach Film kann so Mal das Plasma-Gerät, Mal der LCD-TV günstiger sein, wie das Fachmagazin "video" jüngst in einem Test herausgefunden hat.

SED soll's richten

Am Markt haben sich die LCD-Fernseher mittlerweile klar gegen die Plasma-Geräte durchgesetzt. Was aber vor allem daran liegt, dass es Plasma-Displays erst ab einer gewissen Größe (meist 40 Zoll) und ab einem gewissen Preis gibt. LCD-Displays kann man hingegen auch kleiner bekommen und entsprechend günstiger. Auch bei gleicher Monitorgröße sind LCDs mittlerweile etwas preiswerter als Plasmas.

Quantensprünge beim TV-Erlebnis sollte man an von einem neuen Gerät allerdings nicht erwarten, auch wenn es deutlich mehr als 1000 Euro kostet. In der Regel sieht Standardfernsehen darauf schlecht aus, vor allem wenn man zu nah davor sitzt. Kompressionsartefakte beim digitalen Antennenfernsehen DVB-T, die eine Röhre noch großzügig weichzeichnet, werden auf einem 40-Zoll-Schirm gnadenlos sichtbar. "Eine Rauschunterdrückung in der kleinsten Stufe kann ganz segensreich sein", erklärt de Leuw. Doch sonst helfen die tollen neuen Bildverbesserungstechniken wenig.

Wer nicht unbedingt einen HD-Fernseher braucht, etwa zum Spielen mit der Xbox 360, kann durchaus noch eine ganze Weile bei der klassischen Röhre bleiben. Und auf neue Bildschirmtechniken wie Surface-conduction Electron-emitter Display (SED) hoffen, welche die Unzulänglichkeiten von Plasma oder LCD überwinden sollen.


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