09. Februar 2000, 13:02 Uhr

Attackiert

Das Web im Fadenkreuz

Nach Yahoo hat es jetzt auch Amazon, eBay, CNN und ZDNet erwischt: Die Angriffe auf große US-Websites gehen ungebremst weiter. Ob die Attacken überhaupt gestoppt werden können, wissen die Experten noch nicht.

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Das Vorgehen ist immer das gleiche: Hunderte, wenn nicht tausende von Rechnern bombardieren einen Webserver gleichzeitig mit Anfragen. Der bricht unter der Last des anfallenden Datenvolumens zusammen. Reguläre Surfer, die die Seiten auf der Suche nach Informationen oder Waren ansteuern, kommen nicht mehr durch.

War es am Montagabend die populäre Seite von Yahoo, die aufgrund einer "Denial of Service Attack" , sind in den USA nun weitere populäre Seiten angegriffen worden. So waren die Angebote des Auktionshauses eBay und des Fernsehsenders CNN am Dienstag für rund zwei Stunden lahm gelegt. ZDNet wurde nach eigenen Angaben sogar für drei Stunden ausgeschaltet.

Beim Buchhändler Amazon konnten Kunden mehr als eine Stunde nicht einkaufen. Auch andere Seiten waren in den USA nur sehr langsam zu erreichen, so dass Beobachter von weiteren Angriffen ausgehen.

Auch wenn es noch keine Anzeichen gibt, dass die Attacken von ein und derselben Person oder Gruppe stammen, gehen Experten davon aus, dass die Angriffe zusammenhängen. "Wer auch immer das tut, er ist irgendwo da draußen, äußerst aktiv und auf der Suche nach neuen Zielen", sagte Elias Levy von der Sicherheitsfirma SecurityFocus.com.

Besonders beunruhigt sind Experten und Unternehmen, dass es gegen die Angriffe, zumindest bis jetzt, keine Handhabe gibt. "Wenn eine Firma wie Yahoo, die viel Geld in ihre Web-Infrastruktur gesteckt hat, so leicht blockiert werden kann, dann kann es jeden treffen", meint Levy.

Wie zuvor schon Yahoo hat auch eBay die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet. Die Untersuchungen befänden sich allerdings noch in der Anfangsphase, sagte eBay-Sprecherin Kristin Seuell. "Wir überprüfen, ob es einen gemeinsamen Nenner gibt."

Da die Angriffe von zahlreichen Rechnern gleichzeitig gestartet werden, ist es für die Fahnder schwer zu ermitteln, wer genau hinter den Angriffen steckt. Erst wenn feststeht, wo der zentrale Computer steht, der die Attacken koordiniert, könnte die Polizei den Tätern auf die Spur kommen. Bisher hat noch niemand die Verantwortung für die Angriffe übernommen.

Yahoo-Präsident Jeff Mallett war am Dienstag erst einmal froh, dass die Ausfälle tags zuvor keinen großen finanziellen Schaden verursacht hätten. Der Börsenkurs des Unternehmens, dessen Suchdienst monatlich 36 Millionen Mal in Anspruch genommen wird, kletterte sogar um mehr als fünf Prozent.

Mallett scheint daher mit weiteren Störfällen ganz gut leben zu können: "Sie gehören unglücklicherweise zum Alltag eines führenden Unternehmens in dieser Branche. Schlechte Menschen tun eben schlechte Sachen."


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