18. Juli 2009, 19:58 Uhr

Tauchfotos

Diese Kamera-Zwerge knipsen unter Wasser

Von Christian Rottenegger

Bisher war die Auswahl an wasserfesten Kompaktkameras mager. Nun bringen auch Hersteller wie Canon, Panasonic und Fuji ihre ersten Outdoor-Modelle. Das Fachmagazin "Colorfoto" hat fünf Modelle getestet.

Lange war Olympus mehr oder weniger Alleinherrscher im Reich der wasserfesten Outdoor-Kameras, die Gegnerschaft zu schwach, um wirklich gefährlich zu werden. Doch in den vergangenen Monaten zeichnet sich eine Wende ab: Canon, Panasonic und Fuji haben ihre ersten robusten Kompakten für den Tauch- und Strandurlaub ins Rennen geschickt.

Auch unbekannte Kameramarken sehen mittlerweile im Outdoor-Bereich einen Nischenmarkt, in dem sie leichter Fuß fassen können, so beispielsweise Hyundai. Für Olympus wird die Luft dünner - trotz des Erfahrungsvorsprungs. Was können die Neuen? Gelingt ihnen eine Bildqualität, die sich trotz der wasserfesten Konstruktion mit der von Standardkompakten messen kann?

Zumindest in einem Punkt bleibt Olympus nach wie vor führend: Die Tough-8000 ist die einzige Testkandidatin, die nach Spezifikation bis 10 m unter Wasser dicht, bis 2 m Fallhöhe stoßfest und bis -100 Celsius frostsicher ist - der robusteste, hier getestete Allrounder also (eine Übersicht der von den Herstellern angegebenen Belastungsgrenzen zeigt die Tabelle unten).

Auf die Tough-8000 folgt Canons D10, beide Kameras sind geeignet für alle möglichen Extremsituationen, nicht nur für ambitionierte Taucher, sondern auch für Höhenbergsteiger oder Familien mit Kleinkindern.

Fuji schlägt eine andere Richtung ein, beschränkt sich auf 3 m Tauchtiefe, verzichtet auf Zusagen, was die Stoß- und Frostfestigkeit betrifft, verleiht der Z33WP dafür aber mit einem besonders kompakten, leichten und bunten Design ein jugendlich schickes Aussehen.

Bildqualität, Handhabung, Autofokus - "Colorfoto" testet fünf wasserfeste Kameras.

Hyundai S800

Wer von Hyundai hört, denkt in aller Regel an Autos. Mittlerweile laufen aber unter diesem Namen auch zwölf Kompaktkameras, darunter zwei wasserfeste. Stellvertretend testen wir die S800, die Tauchgänge bis 10 m, Stürze aus bis zu einem Meter Höhe und frostige Temperaturen bis -50 C aushalten soll.

Mit einem Preis von 150 Euro gehört sie zu den günstigsten wasserfesten Kameras, die es derzeit gibt. Nach einem Blick auf die Ausstattung wird klar, dass der Hersteller dafür an zentralen Punkten spart: Beispielsweise kommt ein nicht mehr ganz zeitgemäß winziger 1/2,5-Zoll-Sensor und ein kleiner, gering auflösender 2,5-Zoll-Monitor zum Einsatz. Blendenöffnung, Verschlusszeit und derlei regelt die S800 grundsätzlich selbst. Immerhin erlaubt sie einen manuellen Weißabgleich und bietet Einstelloptionen für Schärfe und Farbsättigung.

In Sachen Handhabung sieht die Hyundai nicht besonders gut aus. Sei es der extrem unkomfortable Druckpunkt der Bedienelemente, die Vorschau, die bei schwachem Umgebungslicht erheblich rauscht und zu dunkel ausfällt, oder das langsame, unpräzise Zoom - die S800 verliert gegenüber der Konkurrenz an Punkten. Bei schwierigen Lichtverhältnissen findet der Autofokus partout keine Schärfe. Und dass die Hyundai erst 1,4 s nach Betätigen des Auslösers fotografiert, macht Aufnahmen bewegter Motive besonders schwer.

Bildqualität: Die Hyundai beschränkt sich auf 8 Megapixel, die dadurch etwas größer sind als die der vier Gegnerinnen - gute Voraussetzungen für ein vergleichsweise rauscharmes Bild. Leider kann die S800 diesen Vorteil nicht nutzen: Unser Messlabor stellte 2,2 VN bei ISO 100 und 4,5 VN bei ISO 400 fest, beides erheblich über Durchschnitt und in Form von Bildfehlern deutlich zu sehen. Andererseits manifestieren sich die 8 Megapixel in einer schwachen Auflösung, die zu den Bildrändern merklich, teilweise auf unter 700 LP/BH abfällt. Auch der gemessene Dynamikumfang von 7 bis 7,5 Blenden könnte besser sein. Positiv: Obwohl innenliegende Objektive oft erhebliche Abbildungsfehler verursachen, schattet die S800 die Bildränder nur minimal ab.

Fazit: Die günstigste wasser-, stoß- und frostfeste Kompakte im Test. Klar, dass man da Kompromisse bei Bildqualität und Verarbeitung eingehen muss. Trotzdem hätten sich die "Colorfoto"-Tester eine bessere Bildqualität gewünscht.

Canon Powershot D10

Wer bisher eine wasserfeste Outdoor-Kamera brauchte, musste sich in der Regel mit einer schwächeren Bildqualität zufriedengeben - die robuste Konstruktion forderte schlicht und einfach ihren Tribut.

Dass das nicht sein muss, beweist jetzt Canon mit der D10, seiner ersten Taucherkamera und der ersten wasser-, stoß- und frostfesten Kompakten überhaupt, die im "Colorfoto"-Test eine gute Bildqualität im Vergleich zu gehobenen Standardkompakten lieferte. Aber beginnen wir zunächst von vorn, beim eingeschränkten Funktionsumfang einer typischen Automatikkamera, beim unauffälligen 3-fach-Zoom mit Bildstabilisator, beim 1/2,3-Zoll-CCD mit 12 Megapixeln und beim vergleichsweise kleinen, dafür mit 2 mm dicker Beschichtung geschützten 2,5-Zoll-Monitor.

Dank Lupenansicht lässt sich die Schärfe während des manuellen Fokussierens recht gut beurteilen. Der Fotograf kann sich aber auch getrost auf den Autofokus verlassen, der mit einer Trefferquote von 100 % aus dem Test hervorging. Die D10 ist die schwerste Wasserfeste im Test und liegt etwas instabil in der Hand, weshalb sie sich nur bedingt zum einhändigen Fotografieren eignet.

Auch die definierbare Funktionstaste lässt sich nur schwer mit dem rechten Daumen erreichen. Die wichtigen Aufnahme-Optionen befinden sich im Schnellzugriffsmenü, die allgemeinen bzw. seltener benötigten Einstellungen im Hauptmenü. Das Zoomen erfolgt über zwei separate Tasten, woran sich die Tester erst einmal gewöhnen mussten, insbesondere wegen des etwas ungünstigen Druckpunkts.

Bildqualität: Die Bilder wirken scharf, natürlich und farblich ausgewogen. Die D10 löst mit bis zu 1477 LP/BH sehr hoch auf und unterschreitet lediglich bei ISO 400 und an den Bildrändern die 1000 LP/BH. Der Dynamikumfang ist gut, das Bildrauschen bei ISO 100 kaum sichtbar. In den ISO-400-Aufnahmen steigt der Visual Noise auf 2,4 VN, womit die D10 im übergreifenden Vergleich noch immer recht gut dasteht. Wie bei vielen Canon-Kompakten leidet allerdings die Textur unter der kamerainternen Nachbearbeitung, vor allem bei höheren Empfindlichkeiten. Außerdem fallen an kontrastreichen Konturen deutlich Farbsäume auf.

Fazit: Ob das eiförmige, zweifarbige Design der wasserfesten Canon nun gelungen ist oder nicht, dar-über lässt sich streiten. Über ihre Leistung nicht: Die D10 erreicht trotz aller Schwierigkeiten, die eine wasser-, stoß- und frostsichere Konstruktion mit sich bringt, eine gute Bildqualität. Sie übertrifft damit sogar so manche gehobene Standard kompakte: Kauftipp "wasserfest".

Fuji Z33WP

Beinahe zeitgleich mit Panasonic steigt auch Fuji in das Geschäft mit wasserfesten Kameras ein. Allerdings setzt Fuji andere Schwerpunkte: Die Z33WP kostet mit 160 Euro nur wenig mehr als die Hyundai und fällt durch ein schickes, besonders leichtes und schlankes Gehäuse in geradezu schrillen Farben auf. Andererseits beschränkt sich Fuji auf eine Tauchtiefe von 3 m und verzichtet auf Stoß- und Kältebeständigkeit. Trotzdem: Für den Schnorchelurlaub bietet die Z33WP einen echten Mehrwert.

Die Ausstattung umfasst einen 1/2,3-Zoll-Sensor mit 10 Megapixeln, ein 2,7-Zoll-Display mit 76667 RGB-Pixeln und ein einfaches 3-fach-Zoomobjektiv mit 35 bis 105 mm äquivalenter Kleinbildbrennweite - damit hält sie sich weitestgehend an den derzeitigen Mittelklassestandard. Wie die Hyundai verzichtet die Z33WP auf einen optischen bzw. mechanischen Bildstabilisator. Dass sie insgesamt die wenigsten Ausstattungspunkte dieses Testfelds erhält, liegt auch an den fehlenden Einstelloptionen für Belichtungsmessfeld, Schärfe und Farbsättigung.

Was den Bedienkomfort betrifft, schneidet die wasserfeste Fuji dagegen erheblich besser ab als die S800. Die gummierten Tasten bieten einen angenehmen Druckpunkt, das Menü reagiert schnell, die Vorschau stimmt auch bei schwachem Umgebungslicht einigermaßen mit dem Foto überein. Für Videoaufnahmen sieht Fuji eine separate Taste vor, und die Einschaltverzögerung geht mit 0,39 bis 0,6 s in Ordnung. Allerdings funktionierte der Autofokus bei schwierigen Lichtverhältnissen nur jedes zweite Mal.

Bildqualität: Trotz ihres 10-Megapixel-Sensors erreicht die Fuji nicht einmal in der Bildmitte und bei geringer Empfindlichkeit die 1000 LP/BH, bei ISO 400 sogar teils nur 637 LP/BH - das liegt selbst unter dem üblichen 8-Megapixel-Niveau. Dazu kommt ein erhebliches Bildrauschen, welches das der Hyundai übertrifft und ab ISO 400 kritische Ausmaße annimmt. Der maximal darstellbare Kontrast sinkt von passablen 8,0 Blenden bei ISO 100 auf mäßige 6,5 Blenden bei ISO 400. Im Standard- und Telebereich tritt zudem eine deutlich Randabschattung um 1,1 Blenden auf. Dafür liegt die Verzeichnung mit maximal 0,2 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt.

Fazit: Die Fuji Z33WP zählt zu den kleinsten, leichtesten und günstigsten wasserfesten Kameras am Markt. Wegen der unterdurchschnittlichen Bildqualität vergeben wir keinen Kauftipp.

Olympus µ Tough-8000

Als Veteran am Outdoor-Kameramarkt kann Olympus auf mehrere Jahre Erfahrung zurückgreifen. Der Vorsprung zeigt sich vor allem an durchdachten Details. Beispielsweise lassen sich an der Tough-8000 die für Unterwasseraufnahmen wichtigen Features wie Blitz und Makromodus zuschalten, ohne dazu eine Taste zu berühren: Der Fotograf klopft links, rechts oder oben an das Gehäuse, und die Kamera reagiert. Durch Berühren des Monitors wechselt man unter Wasser komfortabel in den Wiedergabemodus. Zudem ist die Tough- 8000 besonders robust: Olympus gibt die maximale Tauchtiefe mit 10 m, die Tiefsttemperatur mit -100 C und die mögliche Sturzhöhe mit 2 m an. Ebenfalls nützlich: die weitwinklige Anfangsbrennweite, der mechanische Bildstabilisator und die Makrofunktion, die Aufnahmen aus 2 cm Abstand ermöglicht. Der Autofokus arbeitet bei schwachem Umgebungslicht ähnlich unzuverlässig wie der von Fujis Z33WP und relativ langsam, wodurch die Olympus erst nach 0,88 s im Weitwinkel und 0,68 s im Tele auslöst.

Bildqualität: Obwohl schwächer als bei Hyundai und Fuji fällt das Farb- und Luminanzrauschen der Olympus teils deutlich auf und überlagert die Textur. Die Auflösung könnte angesichts des 12-Megapixel-Sensors höher sein, steht aber in diesem Testfeld noch relativ gut da. Gleiches gilt für den Dynamikumfang.

Fazit: Die Olympus ist die robusteste Kamera im Test. Bei der Bildqualität muss sie sich mit einem Platz im Mittelfeld begnügen, bietet jedoch die beste Bedienung.

Panasonic Lumix DMC-FT1

Panasonics erste wasser-, staub- und stoßfeste Kompakte, die Lumix DMC-FT1, soll Tauchgänge bis 3 m Tiefe und Stürze aus 1,5 m Höhe unbeschadet überstehen. Dazu verstärkt Panasonic das Kameragehäuse mit stoßfestem Material, lagert das Objektiv gedämpft und setzt Gummidichtungen, verstärktes Glas und Kohlenstoffharze zum Schutz vor eindringendem Wasser ein. Um das weitwinklige Objektiv möglichst robust konstruieren zu können, hat man den Strahlengang um 90 Grad abgewinkelt.

Die FT1 ist die einzige wasserfeste Testkandidatin mit 4,6-fach-Zoom. Außerdem verfügt sie über einen optischen Bildstabilisator und bringt eine ambitionierte Videofunktion mit: Sie nimmt bis zu 15-minütige HD-Videos mit 1280 x 720 Pixeln bei 30 B/s auf und verwendet entweder das übliche Motion-JPEG oder AVCHD-Lite (Advanced Video Codec High Definition), hinter dem der effektive H.264-Codec steht. Außerdem gibt es einen separaten Button zur Filmaufnahme und eine HDMI-Schnittstelle zum Anschluss an den HD-Fernseher.

Dank Subjekterkennung kann die Lumix FT1 bewegte Motive im Bild scharf halten. Schön wären noch einige zusätzliche manuelle Einstellmöglichkeiten. Die FT1 ist zwar mit 26 mm Bautiefe und 183 g die größte und schwerste Testkandidatin, überzeugt aber mit einer guten Vorschau, einem relativ fein gestuften Zoom, einem komfortablen Moduswahlrad und Tasten mit angenehmem Druckpunkt. Last, but not least: Der Autofokus griff im Test kein einziges Mal daneben - auch bei dunklen Lichtverhältnissen. Und die Auslöseverzögerung geht mit rund einer halben Sekunde in Ordnung.

Bildqualität: Bisher konnten sich wasserfeste Kameras in der Regel nicht mit ordentlichen Standardkompakten messen - was unter anderem den Schutzvorkehrungen für Objektiv & Co. geschuldet war. Vor diesem Hintergrund freut es umso mehr, dass sich die Panasonic FT1 wie die Canon D10 durchaus dem Vergleich mit besseren Normalkameras stellen kann: Farb- und Luminanzrauschen fallen bei ISO 100 nur dem geschulten Betrachter auf. Im ISO-400-Test sind sie immerhin noch schwächer als bei der Hyundai, der Fuji und der Olympus. Außerdem löst die Panasonic vor allem im Weitwinkel recht hoch auf.

Fazit: Eine der wenigen wasser-, staub- und stoßfesten Kompakten im Test, deren Autofokus absolut treffsicher funktioniert und deren Bildqualität keine größeren Schwächen aufweist. Das reicht für den Kauftipp Outdoor!

Fazit

Eines zeigt dieser Test ganz deutlich: Die Konstruktion wasser- und stoßfester Outdoor-Kameras stellt die Entwickler vor eine besonders schwere Aufgabe und gelingt nur wenigen. Besonders problematisch: der Autofokus, der bei vielen Modellen nur bei guten Lichtverhältnissen funktioniert, und die Bildqualität, die oft unter starkem Rauschen leidet. Nur zwei der fünf getesteten Kameras zeigen keine der beiden Schwächen: die Canon D10, eine der belastbarsten Testkandidatinnen, und die Panasonic DMC-FT1, die eine interessante Videofunktion mitbringt.

Tabelle - die detaillierten Testergebnisse im Überblick


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