25. Oktober 2000, 16:11 Uhr

US-Studie

Die Internet- Gesellschaft

Die University of California gibt mit einer Studie Antworten auf die Frage, ob die Vernetzung den Menschen in seinem sozialen Umfeld verändert. Dass dabei nichts Negatives herauskam, freut auch die Auftraggeber: IT- und Medienunternehmen von AOL bis Sony.

Los Angeles - Das Internet führe entgegen oft geäußerter Bedenken nicht zur sozialen Vereinsamung. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die University of California Los Angeles (UCLA) veröffentlicht hat. Demnach habe das Internet bisher keine grundlegenden Auswirkungen auf das amerikanische Gesellschaftsleben gehabt. Finanziert wurde die Studie unter anderem von America Online, Microsoft, The Walt Disney Company und Sony.

Meinungen und Online-Gewohnheiten von 2096 Amerikanern wurden in der Auftragsstudie ausgewertet. Und Jeffrey Cole, Leiter des Projektes, will weiterfragen. Er hofft, die Studie über die nächsten 10 bis 20 Jahre weiterlaufen lassen zu können. Denn seiner Ansicht nach werde das Internet langfristige Auswirkungen haben, die die Nutzer heute noch gar nicht erkennen. "Das Internet ändert alles - von unseren Werten bis hin zu Kommunikationsmustern und dem Konsumverhalten."

Bisher nutzen rund zwei Drittel der Amerikaner das Internet. Die meisten davon, knapp 82 Prozent, schätzen die Möglichkeit der schnellen und unkomplizierten Kommunikation via E-Mail. Nur ein Viertel der Befragten fühlt sich auf Grund der Online-Aktivitäten von Freunden und Verwandten manchmal vernachlässigt. Hingegen ist die Mehrheit der Internet-Nutzer davon überzeugt, dass sich das neue Medium sogar positiv auswirkt, wenn es darum geht, Freundschaften zu schließen oder mit der Familie zu kommunizieren. Auch sollen Leute via Internet den Kontakt zu Freunden im Ausland eher pflegen, so Lee Rainie, Direktor des "Pew Internet & American Life"-Projektes, das zu einem ähnlichen Ergebnis kommt wie die Studie der University of California.

Die größte Sorge der Teilnehmer der kalifornischen Umfrage galt dem Datenschutz im Netz. Etwa zwei Drittel der Internet-Nutzer sind überzeugt, dass diejenigen, die online sind, den Schutz ihrer Privatsphäre aufs Spiel setzen. Vor einer Überwachung durch die Regierung hat hingegen kaum jemand Angst. Laut Cole haben die meisten "Angst, dass Unternehmen ausspionieren, was sie tun".

Auf die Schulnoten von Kindern und Jugendlichen hat das Internet nach Ansicht der meisten Befragten keinen Einfluss. 70 Prozent gaben an, dass die Leistungen der Schüler durch die Online-Nutzung weder besser noch schlechter würden.


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH