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25 Jahre IBM-PC: Als die Dose unser Leben veränderte

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Braucht der ganz normale Mensch einen persönlichen Computer? Vor drei Jahrzehnten schien die Antwort klar: Natürlich nicht! Wozu auch? Dann kamen Jobs und Wozniak, Commodore und Atari, vor allem aber Gates und IBM - und unser aller Alltag begann sich von Grund auf zu verändern.

Mitte der achtziger Jahre irrlichterte ein Thema durch die journalistische Branchenpresse, heiß diskutiert von Gewerkschaftern wie Akademikern: Wie würde der drohende Einzug von Computertechnik das eigene Berufsbild verändern? Praktiker wie Theoretiker befürchteten Schlimmstes. Würden aus Redakteuren nun Redaktroniker? Sekretärinnen arbeitslos? Altgediente Profi-Schreiber als Informatik-Legastheniker aufs Abstellgleis entsorgt?

Präventiv wurden Ende des Jahrzehnts schon einmal die Ausbildungspläne aufgebohrt für die neuen Informatiker-Informationsbeschaffer. Nichts, menetekelten die Weitsichtigen, teils visionierend, teils halluzinierend, bleibe so, wie es einmal war.

Zum Glück hatten sie Recht - nur gingen die Veränderungen unserer Lebens- und Arbeitswelt viel weiter, als sich das vor 20 Jahren irgendjemand hätte vorstellen können. Und das natürlich nicht nur in der Medien- und Kommunikationsbranche, sondern überall. In Rückschau spricht man heute gar von einer Zeitenwende. Der Beginn der massenhaften Verbreitung von Rechnern markiert den endgültigen Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft.

Vergleichen Sie: Ihr Leben 1980 und heute

Man muss sich so etwas selbst einmal klar machen: Wir sind eine Generation, die eine Veränderung der Lebenswelt durch Einführung einer neuen Technik erlebt hat, wie es sie seit Erfindung des Automobils nicht mehr gegeben hatte. Im Vergleich zur Durchdringung des Alltags mit Digitaltechnik war selbst der Einzug des Fernsehens fast eine Bagatelle.

Angefangen hatte das alles Mitte der siebziger Jahre. Jahrzehntelang waren Computer klobige, meist als bedrohlich empfundene, schwer zu begreifende Kisten gewesen, mit denen nur wenige Menschen praktische Erfahrungen hatten. Im Film waren es zumeist wahnsinnige Wissenschaftler, die seelenlose Computertechnik zum Schaden der Menschheit missbrauchten. Im Arbeitsleben befürchtete man vor allem Rationalisierungen - also Jobverluste - durch die digitale Technik. In seinem Kultfilm "2001" trieb Stanley Kubrick solche Ängste auf die Spitze: Hier rationalisierte der durchgeknallte Superrechner HAL den größten Teil des menschlichen Personals gleich per Mord weg.

Mit dem Titel "Computer sind doof" traf die Band Spliff 1982 darum durchaus noch den Zeitgeist: Eingesetzt wurden die Dinger schließlich für alles, was irgendwie bedrohlich schien. Im Spliff-Song kommt es am Ende natürlich zur atomaren Weltvernichtung mit Rechnerhilfe.

Doch das Umdenken hatte bereits begonnen

Mitte der Siebziger entwickelten Steve Jobs und Steve Wozniak den Apple I und damit das Konzept eines "persönlichen" Computers. Die etablierte IT-Industrie - und hier namentlich IBM, das zu dieser Zeit über eine marktbeherrschende Stellung verfügte - lachte zunächst über die "Spielzeuge": Ihre Mainframe-Rechner leisteten schließlich echte Arbeit. Die kleinen Rechenknechte konnten da natürlich nicht mithalten.

Dafür ließen sie sich aber anders nutzen: zum Spielen zum Beispiel.

1972 hatte Atari das primitive Tennisspiel Pong veröffentlicht, einige Zeit vorher war mit dem Magnavox Odyssey das erste Telespiel für zu Hause auf den Markt gekommen. Mit einem Mal erschien der Gedanke, so etwas wie einen Computer im Haus zu haben, gar nicht mehr so unsinnig. Zumal sich mit den Dingern ja nicht nur Spielen ließ, sondern auch Briefe schreiben oder Wurzeln ziehen (was für ein Argument bei den Verhandlungen mit den Eltern!). Vier Jahre nach Veröffentlichung des Apple I konkurrierten bereits eine ganze Reihe von Bausatz-Rechnern um den entstehenden Markt - und jetzt wachte auch der Branchenriese IBM auf.

Der IBM-PC 5150
Verkauf 1981-1987
Preis (USA) ab 1600 Dollar
Prozessor Intel 8088
Taktfrequenz 4,77 MHz
Arbeitsspeicher 16 kb, später bis zu 640 kb
Speichermedien Bandkassetten, Floppy-Disks, später auch Festplatten
Grafik Monochrome 80x25, nur Text, alternativ CGA mit 2 oder 16 Farben, Auflösung 640x200 oder 320x200
Betriebssystem PC-DOS (Microsofts MS-DOS)
Der hatte die nötigen Einzelteile zur Konstruktion eines "PC" durchaus im Regal, bisher daran aber kein Interesse gezeigt. Mitte 1980 änderte sich das: Die Entwicklungsabteilung bekam den dringenden Auftrag, schnellstmöglich ein verkäufliches Modell zu kreieren. Der Prototyp stand nach wenigen Monaten. Die Arbeit, selbst ein Betriebssystem zu entwickeln, machte sich IBM gar nicht: Microsofts DOS zu lizenzieren schien der bequemere Weg. Schon Ende 1981 stand darum der fertige IBM 5150 in den Läden.

IBM hatte damit, ohne es zu ahnen, selbst den Niedergang seines Geschäfts mit Großrechnern eingeleitet. Weil das Unternehmen es anderen Firmen in einem Versuch, einen "Industrie-Standard" zu etablieren, erlaubte, die grundlegende Architektur des 5150 zu kopieren, verbreitete sich der "IBM-PC" im Doppel mit MS-DOS wie ein Lauffeuer - und verdrängte immer mehr Mainframe-Workstations aus den Büros. Seitdem werden die Rechner halb liebevoll, halb gehässig Dosen genannt.

Als IBM den Verkauf des 5150 sechs Jahre später einstellte, hatte die Firma zwar mehrere Hunderttausend davon abgesetzt und einen Industriestandard etabliert, der im Wesentlichen bis heute Bestand hat, dabei aber Microsoft groß und sich selbst kleiner gemacht - und dem PC in Berufs- wie Privatleben zum Durchbruch verholfen.

Weniger schillernd und populär als seine Konkurrenten C 64, Atari oder Amiga, aber erfolgreicher, weil er von Anfang an eben auch Arbeitstier für den Einsatz im Büro war; Apples 1984 veröffentlichtem Macintosh unterlegen, aber erfolgreicher, weil IBM im Gegensatz zu Apple das technische Konzept freigiebig lizenzierte, bleibt der 5150 so etwas wie Fords Modell T unter den Rechnern: nicht der erste seiner Art, aber das Modell, das die Massenverbreitung einleitete.

IBM feiert am 12. August den 25. Jahrestag des Verkaufsbeginns des 5150 und sieht darin den Beginn der PC-Ära. Darüber kann man streiten - Appleaner kommen da auf 30 Jahre - nicht aber darüber, dass der 5150 den Beginn der IBM-PC-Ära und damit eine Zeitenwende markiert. War es vorher ein relativ kleiner Kreis informierter Computer-Insider, die mit Digitaltechnik experimentierten, waren es am IBM-PC schon bald Millionen. 25 Jahre später ist der "IBM-PC" fraglos ein integraler Bestandteil unseres Lebens.

Und wie hat das alles bei Ihnen angefangen?

Schicken Sie uns Ihre frühen Computergeschichten und -erlebnisse, Ihre Fotos vom ersten Rechner, Ihre Anekdoten aus der digitalen Frühzeit! E-Mail an netzwelt@spiegel.de genügt, Betreff: "25 Jahre PC". Fotos bitte als JPG, Texte max. 4000 Zeichen. Wir sind gespannt: Die pfiffigsten Beiträge veröffentlichen wir im Laufe der nächsten Wochen an dieser Stelle.

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Die Anfänge der PC-Kultur: Der Ur-IBM-PC und seine Konkurrenten

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