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3D-Berlin bei Google Earth: Reichstags-Rundflug mit einem Klick

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Berlin gibt es jetzt doppelt: Die Hauptstadt steht als erster virtueller Stadtplan der Welt nahezu vollständig in Google Earth. Reichstag und Hauptbahnhof sind sogar von innen zu besichtigen. Auf das im Januar groß angekündigte Hamburg 3D warten Surfer bis heute.

Berlin in 3D – seit heute Vormittag ist die Hauptstadt in Google Earth zu besichtigen, samt Straßenschluchten und Fernsehturm. Den neuen Hauptbahnhof kann man sogar von innen besichtigen, auch der Reichstag und ein paar weitere Gebäude haben nicht nur abfotografierte Fassaden, sondern auch ein halbwegs realitätsnahes Innenleben.

Virtuelle Politiker laufen im Pixelparlament aber noch nicht herum, das wird wohl noch ein paar Jahre auf sich warten lassen - bis die virtuellen Stadtansichten mit begeh- und bewohnbaren Onlinewelten wie "Second Life" verschmolzen sind. Vermarkter träumen schon heute von Onlineshops, die am Ort ihrer realen Pendants herumstehen und auch virtuelle Städtereisende zum Einkauf einladen. In "Second Life" gibt es schon ein paar virtuelle Parlamentsgebäude, Botschaften und Wahlkampagnen – das alles wirkt wie eine Art Testlauf für die digitale Zweitversion der echten Welt, die Google, Microsoft und andere im Begriff sind zu bauen.

Wieder einmal hat sich Google mit Berlin einen Kooperationspartner gesichert, der kostenlos Inhalte für eines der eigenen Produkte zuliefert - nachdem erst gestern die Bayerische Staatsbibliothek in München eine Vereinbarung verkündet hat: Der gewaltige Bücherbestand wird digitalisiert.

Die Stadt Berlin hat, vertreten durch die Einrichtung Business Location Center Berlin-Brandenburg, ein 3D-Modell ihrer selbst in Auftrag gegeben. Umgesetzt hat das die Firma 3D Geo, die wiederum eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Institutes der Universität Potsdam ist. Dort wurde auch die Technologie entwickelt, die den Schritt von zwei zu drei virtuellen Dimensionen und die Verknüpfung realer Fassadenansichten mit simulierten Gebäudewürfelchen möglich macht. Die Daten lieferte das Berliner Katasteramt.

In Hamburgs hakt es noch

"Eine neue Dimension für innovatives Standortmarketing und Investorenansprache" verspricht sich Berlins Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Harald Wolf von dem Projekt. Die Berliner werden sich auch freuen, den Rivalen aus Hamburg ein Schnippchen geschlagen zu haben – die hatten schon im Januar eine dreidimensionale Stadtansicht für Google Earth angekündigt.

Am 17. Januar hatte Hamburg verkündet, sie sei die erste Stadt der Welt, die als 3D-Modell in Google Earth zu finden sei. Auf einer Pressekonferenz wurde ein virtueller Hubschrauberflug über die Hansestadt vorgeführt, die Zuschauer schwebten über Rathaus, Michel und Speicherstadt.

Google-Sprecher Stefan Keuchel lobte die realistischen Texturen der Fassaden, die von Schrägfotos der Gebäude aus der Luft stammen. "In wenigen Tagen oder Wochen" solle Hamburg 3D aber tatsächlich online gehen, versprach er. Offensichtlich hatte man da aber zu viel versprochen - bis heute ist das Programm nicht im Netz. Dass Hamburg 3D nach wie vor offline sei, hänge mit dem Schutz der Daten zusammen, erklärte Michael Schulze-Horsel von CyberCity SPIEGEL ONLINE. Man hätte das 3D-Modell der Innenstadt schon längst als Datei im kml-Format ins Internet stellen können, erklärte er. Dann wäre es jedoch frei kopierbar.

Die CyberCity AG vermarktet das dreidimensionale Abbild Hamburgs im Auftrag der Hansestadt kommerziell. "Wenn jemand ein 3D-Modell von Hamburg haben will, kann er zu uns kommen", sagte Schulze-Horsel. Deshalb müssten die Google-Earth-Daten geschützt sein. Aus diesem Grund werde Google das Modell der Stadt in seine eigene Software integrieren, so dass die dreidimensionalen Gebäude automatisch auftauchten, wenn man Hamburg mit Google Earth besuche. Dies erfordere jedoch noch einige Anpassungen, an denen derzeit gearbeitet werde. Wie lange das noch dauert, ist unklar.

Bauklötze und Baudenkmäler

Dass die Berliner die Hamburger abgehängt haben, hat nicht zuletzt technische Gründe: Berlin leistet sich nämlich für die gewaltigen Datenmengen, die so eine Stadtsimulation benötigt, einen eigenen Serverpark. Ob der den Ansturm, den die heutige Enthüllung auslösen wird, tatsächlich aushalten wird, bleibt abzuwarten.

Die Berliner 3D-Daten kommen von den Servern in der Hauptstadt und werden erst bei Bedarf mit in die Ansicht von Google Earth integriert. Über einen speziellen Link muss man Google Earth öffnen, um Berlin als Netz-Nachbau durchwandern zu können.

Rund 44.000 Gebäude aus der Innenstadt sind in einfacher Darstellung zu sehen, das heißt die Fassaden sind nicht die echten, sondern gewissermaßen kopierte Standardfronten. Auf einen wirklichen virtuellen Stadtrundgang samt kunsthistorischer Erklärung wird man also noch etwas warten müssen.

Etwa 550 besonders bedeutende Gebäude wurden mit Fotos der dazugehörigen Gebäudefassaden versehen. Weitere 50 Gebäude oder Gebäudekomplexe sind noch aufwendiger dargestellt: Neben den Fassaden solcher sogenannten Landmarks sind dann beispielsweise Erker oder Säulen herausgearbeitet. Fünf besonders prominente Gebäude – und das ist ein absolutes Novum - können sogar virtuell betreten und von innen besichtigt werden: Der Reichstag, der Hauptbahnhof, die DZ-Bank am Pariser Platz (ehemals DG-Bank), das Sony-Center und das Olympiastadion. Die nachmodellierten Gebäude in der unteren Landmarks-Fotostrecke stammen übrigens nicht von den Erschaffern des virtuellen Berlin, sondern von der CyberCity AG.

Der Wettlauf um die Relief-Weltkugel ist damit noch längst nicht abgeschlossen. Sowohl die Städte dieser Welt als auch die Netzgiganten werden weiter darum kämpfen, wer das ultimative Abbild zuerst hinausschiebt in die Welt. Vor ein paar Wochen erst hatte Microsoft ein paar Punkte gemacht, in dem man die eigene Virtual Earth um Schrägbilder von Flugzeugen ergänzte - in ausgewählten Städten. Auch Berlin und Hamburg werden wohl weiter ringen - zumindest in einem Punkt liegt die virtuelle Hansestadt allerdings vorn, obwohl sie noch gar nicht zugänglich ist: Das Wetter im Pixelhamburg ist eindeutig besser.

Nachtrag: Derzeit funktioniert das dreidimensionale Berlin im Netz eher schlecht als recht , die Anwendung ist äußerst träge. Wir raten Interessenten, mit dem virtuellen Stadtbummel noch etwas zu warten.

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Fotostrecke
3D-Welten: Berlin und Hamburg im Vergleich

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Landmarks: Markante Gebäude in 3D

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