3D-Videobrille Cinemizer Update für das Nasenkino

Ein Kino zum Mitnehmen, mit großen Bildern, das sollte die Videobrille Cinemizer bieten. Nachdem die erste Version mit Kinderkrankheiten kämpfte, soll ein neues Modell jetzt die Versprechen einlösen. Matthias Kremp hat ein Vorserienmodell ausprobiert.


In seiner ersten Version war das "mobile Kino im Brillenformat" durchgefallen. Zu unscharf, zu matte Farben, wenig überzeugende Kopfhörer und vor allem: Nach etwa zehn Minuten Filmgenuss mit der Brille stellte sich ein Übelkeitsgefühl ein, zumindest bei mir.

All diese Makel sollen beim Cinemizer Plus ausgemerzt sein, verspricht Zeiss-Marketing-Manager Andreas Klavehn beim Gespräch auf der Macworld in San Francisco. Nur für das Übelkeitsgefühl will er keine Gewähr übernehmen, das sei nicht objektiv nachvollziehbar und deshalb auch nicht mit technischen Mitteln auszumerzen.

Vor allem die Schwächen bei der Bildqualität habe man behoben, erklärt Klavehn. Viel tun musste der deutsche Cinemizer-Hersteller Zeiss dafür zunächst einmal nicht. Denn für die mangelnde Bildqualität, die beim Test des ersten Cinemizers nervte, war nicht der Hersteller selbst verantwortlich, wie sich später herausstellte.

Ein Update hat das Bild zermatscht

"Das war Pech", erklärt Klavehn. Genau einen Tag, nachdem der Cinemizer im Januar 2008 in San Francisco vorgestellt worden war, veröffentlichte Apple ein Software-Update für den iPod Touch und das iPhone. Das veränderte unter anderem die Art, wie die Apple-Geräte Videos an externe Wiedergabegeräte wie den Cinemizer weitergaben. Das Resultat war, dass die Videobrille zu schwache Signale zugeliefert bekam, daraus schlaffe Bilder erzeugte. Bis zur Veröffentlichung der Updates war das nicht vorauszusehen, sagt Klavehn. Zudem habe Zeiss das Problem nicht selber beheben können, sondern auf eine Lösung von Apple warten müssen.

Seit Apple das Problem in einer neuen Version der iPhone- und iPod-Software gelöst hat, ist für Nutzer der Cinemizer-Brillen quasi die Sonne aufgegangen: Kontrast, Schärfe, Farbigkeit sollen jetzt viel besser sein als zuvor. Davon, dass Klavehn damit nicht übertreibt, konnte ich mich anhand eines Vorserienmodells des neuen Cinemizer Plus am Rande der Macworld-Expo überzeugen.

Abschaltbuchse für die Kopfhörer

Tatsächlich wirken Filme, mit der Videobrille betrachtet, jetzt viel lebendiger, Farben kräftiger. Jetzt macht das Videogucken mit dem Cinemizer endlich Spaß. Vor allem aber ist die Brille komfortabler geworden. Den Nasenhalter des alten Modells hat der Hersteller jetzt durch ein viel weicheres, flexibleres Modell ersetzt. Das schmiegt sich regelrecht an die Form meines Riechkolbens an, statt einfach darauf zu drücken, wie es beim Vorgänger der Fall war.

Nicht besser geworden sind dafür die integrierten Kopfhörer. Auch beim überarbeiteten Modell lässt sich nicht verhindern, dass Außenstehende mithören können, was die Mini-Lautsprecher von sich geben. Darüber kann man jetzt aber hinwegsehen, weil in die Steuereinheit des Cinemizers ein Kopfhöreranschluss eingebaut wurde. Sobald man beispielsweise In-Ohr-Kopfhörer einstöpselt, verstummen die Kopfhörer des Cinemizers, und man kann wieder dem Soundtrack lauschen - ohne seine Sitznachbarn zu stören.

Hightech mit Neidfaktor

Das kann vor allem dann richtig Spaß machen, wenn man sich 3D-Filme oder Spiele besorgt. Die wirken mit der Zeiss-Videobrille richtig plastisch. Ein Demofilm mit einer rasanten Fahrt durch ein unterirdisches Labyrinth ließ mich unwillkürlich meinen Kopf entsprechend den im Film gezeigten Bewegungen neigen. Allzu viele und vor allem hochwertige 3D-Filme gibt es dafür aber noch nicht. Sollten die eines Tages kommen, wäre 3D das Highlight des Cinemizer Plus.

Ob man sich mit einer solchen Videobrille tatsächlich einen abendfüllenden Film anschauen möchte, ist freilich eine ganz andere Frage. Auch wenn die Brille jetzt angenehmer auf der Nase ruht, bessere Bilder liefert, bleibt sie doch relativ wuchtig, kann vor allem des Kabels wegen nach einiger Zeit stören. Wem das nichts ausmacht und wer Lust auf Hightech hat, wird damit aber sicher seien Spaß haben. Das umso mehr, wenn man den Cinemizer in der Bahn oder dem Flugzeug benutzt. Neidische Blicke und neugierige Fragen sind einem sicher.

Vor allem natürlich die nach dem Preis. Zeiss-Mann Klavehn sagt, der Cinemizer Plus werde genauso teuer wie sein Vorgänger sein, also etwa 370 Euro kosten. Billig ist das nicht, dem Fun-Faktor aber durchaus angemessen. Ein wenig Geduld müssen Freunde des Nasen-Kinos aber noch aufbringen. Erst ab März wird das neue Modell in den Läden stehen.

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