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Abgekupferte Referate: Vorsicht - Bissiger Plagiate-Spürhund!

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Wer heutzutage noch einen Text selber schreibt, ist schön doof. Das Internet steckt voller Inspirationen, ein bisschen hier, ein bisschen da kopiert - fertig ist das Referat. Doch Vorsicht: Eine neue 100-Euro-Software überführt Plagiate auf Knopfdruck.

Plagiarism-Finder: Liefert Links zu vermutlichen Quellen

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Text entlehnen, übernehmen, klauen, abschreiben oder ganz dreist kopieren - das Schmücken mit fremden Federn kennt vielerlei Facetten. Bei einer Studie unter 20.000 US-amerikanischen Schülern räumten im Jahr 2003 immerhin 37 Prozent der Befragten ein, beim Verfassen von Texten und Referaten mindestens ein Mal Sequenzen aus dem Internet kopiert zu haben. Im Jahr 1999 waren es noch zehn Prozent. Weil jedoch nur 20 Prozent der Lehrer in den USA überhaupt Plagiate-Aufspür-Programme einsetzen, kommen die meisten Kopierer ungeschoren davon.

Wie groß das Problem tatsächlich ist, lässt sich nur schwer einschätzen. Die Hersteller professioneller Anti-Plagiate-Software neigen verständlicherweise zu Übertreibungen - man will ja den Absatz der eigenen Produkte fördern. Als jüngst ein AP-Reporter wissen wollte, wer eigentlich alles die Dienste von MyDropBox, einem amerikanischen Plagiate-Finde-Service, nutzt, bekam er von dessen Erfinder Max Litvin nur eine ausweichende Antwort. Die meisten, so Litvin, wollten nicht, dass bekannt wird, dass sie Plagiate-Suchprogramme einsetzen. Kein Kontakt zu Nutzern von MyDropBox also - vielleicht weil es noch gar nicht so viele gibt?

Die kalifornische Firma iParadigm prahlt immerhin mit 2.500 amerikanischen High Schools, die mithilfe des Programms Turnitin kleine und große Betrüger ausfindig machen. Sowohl Turnitin als auch MyDropBox arbeiten Internet-basiert - man muss die zu überprüfenden Texte dem jeweiligen Anbieter über dessen Website zukommen lassen. Dieser checkt sie mit eigenen Datenbanken und schickt die Ergebnisse am nächsten Tag zurück. Das Ganze ist nicht billig: Pro Schule kassiert etwa iParadigm 500 Dollar Jahresgebühr zuzüglich 60 Cent pro Schüler und Arbeit. Unternehmen zahlen 1000 Dollar Pauschale plus zehn Dollar je Text.

Für die mittelarmen deutschen Schulen, deren Wände mitunter von den Eltern mit selbst bezahlter Farbe gestrichen werden, kommt so etwas kaum in Frage. Dann schon eher das neue Programm "Plagiarism-Finder", das seit wenigen Tagen für 100 Euro angeboten wird. Es läuft auf Windows-PCs und benötigt eine möglichst schnelle Internetverbindung.

Das Programm durchkämmt auf Wunsch gleich einen ganzen Klassensatz von Referaten und greift dabei intern auf die altbewährte Suchmaschine Google zurück. Der Plagiarism-Finder zerlegt den Text in Gruppen von sieben aufeinander folgenden Wörtern und sucht nach jeder dieser Wortgruppen im Internet. Je öfter das Programm fündig wird, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen abgekupferten Text handelt.

Die Suche lässt sich feintunen. Wer jedoch nach zu kurzen Wortgruppen fahndet, bekommt schnell zu viele "falsche" Treffer, weil Wortgruppen wie "Am Anfang stand das Problem" irgendwann auf jeder größeren Website auftauchen. Im Report listet das Programm gefundene Quellen auf - als Link direkt im Text und als Liste darunter. Der Hersteller Mediaphor empfiehlt jedoch immer, die Treffer nochmals manuell nachzuprüfen.

Das Programm zielt übrigens einzig und allein auf faule Schummler, die Textsequenzen unverändert übernehmen. Wer mit viel Sorgfalt komplett umformuliert, fällt durch das Erkennungsraster. "Unsere Zielgruppe sind Lehrer und Professoren", erklärt Mediaphor-Chef Gunter Wielage im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Wielage weiß, dass sein Programm mit professionellen Diensten wie Turnitin nicht mithalten kann. Diese durchsuchen nicht nur das Internet sondern auch Datenbanken von Zeitungen und Zeitschriften, die per Google meist nicht durchkämmt werden können.

Doch für einfache Plagiate bei Hausarbeiten dürfte der Plagiarism-Finder allemal reichen. Lehrern könnte das Programm eine Menge Handarbeit mit Suchmaschinen ersparen. Bislang mussten Sie verdächtige Sätze einzeln suchen. Allenfalls auffällige Rechtschreibfehler, die aus dem Netz mitkopiert wurden, halfen bei der schnellen Fahndung nach dem Original. Auch ein unerwarteter Stilwechsel galt als Indiz für kopierte Passagen. Mit "Plagiarism-Finder" braucht der Lehrer die Arbeiten im Grunde nicht einmal mehr zu lesen - so schnell, wie die Hausarbeit "geschrieben" wurde, wird sie auch als Schummelei erkannt.

Profidienst Mydropbox: Durchkämmt auch kostenpflichtige Archive

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Wem die 100 Euro für das Programm zu viel sind, der kann zu der 20-Dollar-Software Eve2 des amerikanischen Herstellers Canexus greifen. Die Oberfläche ist allerdings nur englischsprachig. Auch die Einstellmöglichkeiten sind eingeschränkter als bei dem Mediaphor-Programm.

Clevere Schüler bewaffnen sich jedenfalls schon mal mit dem Synonymwörterbuch, um kopierte Textbausteine flott in selbst verfasste Text umzufrisieren. Vielleicht entwickelt ja bald auch jemand ein Umformulierprogramm, das die mühsame Arbeit automatisch erledigt. Das wäre eine echte Herausforderung, denn mit intelligenter Spracherkennung tun sich Computer nach wie vor schwer.

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