Abhörsicheres Handy Mr. President bekommt ein BarackBerry

Seine alten Handys und Blackberrys darf Barack Obama wohl nicht behalten, doch es gibt Hoffnung für den bekennenden Kommunikations-Abhängigen im Weißen Haus: Das "BarackBerry" - unverwüstlich, abhörsicher, verschlüsselt Sprache wie Textnachrichten und ähnelt einem Blackberry.


Hartes Smartphone Sectera: Gehört zur Ausrüstung von Militär und Geheimdiensten
General Dynamics

Hartes Smartphone Sectera: Gehört zur Ausrüstung von Militär und Geheimdiensten

Dem frisch gekürten US-Präsidenten Barack Obama ist im Verlauf der vergangenen zwei Jahre ein Kunststück gelungen, das wohl ohne Beispiel ist: Trotz des Wirbels um seine Person, trotz endlos ausgedehntem Wahlkampf, hat er es geschafft, den Kontakt zur normalen Welt zu halten. Obama, bestätigten unzählige Zuarbeiter, Unterstützer und andere Kontaktpersonen, ließ bis zuletzt nicht kommunizieren, sondern kommunizierte selbst. Über Web, Handy, E-Mail - auf jedem zur Verfügung stehenden Weg.

Aus der Perspektive der fleißigen Helferlein, die den Machtapparat des Weißen Hauses am Laufen halten, ist Obamas Lust an der Kommunikation mehr als nur ein Worst-Case-Szenario. Es ist ein sicherheitspolitisches Risiko erster Güte:

  • fremde Mächte könnten via Handy den Aufenthaltsort des Präsidenten bestimmen
  • böswillige Blogger könnten Obamas informelle Nachrichten zu PR-Desastern auswalzen
  • kriminelle oder feindliche Cracker das Handy zur Wanze machen
  • seine E-Mails könnten abgefangen werden
  • oder zum Einfallstor für Spyware werden

Das alles wäre schlimm genug, aber darüber hinaus gibt es US-Gesetze, die dazu verpflichten, jeden geäußerten Piep eines Präsidenten zu dokumentieren und zu archivieren. Bill Clinton übte deshalb in dieser Hinsicht Abstinenz, und auch George W. Bush hatte sich das E-Mailen und Simsen verbieten lassen: Zu groß erschien Beratern das Risiko, dass irgendwann einmal Details aus gedankenlos abgefeuerten E-Mails in Klagen, Amtsenthebungsverfahren oder Untersuchungen des Kongresses zu Beweisstücken werden könnten.

Mit Obama haben die Nachrichtendienste, Sicherheitsbeauftragten, Berater und Strategen allerdings ein Problem: Er will unbedingt weiter kommunizieren. Seit Monaten gab es darum eine Debatte darüber, ob man das einem US-Präsidenten tatsächlich verbieten könne und Obama ein digitales Zölibat verordnen.

Hoffnung für den Hoffnungsträger

Der, so scheint es nun, hat sich durchgesetzt. Obamas neues Handy, sein Blackberry-Ersatz für die nächsten Jahre, heißt aktuellen US-Medienberichten zufolge Sectera Edge und ist ein Smartphone aus den Waffenschmieden des US-Rüstungskonzerns General Dynamics.

Das Ding wurde als "rugged Smartphone" entworfen und entwickelt, als extrem stabiles Gerät zum Einsatz unter erschwerten Bedingungen, zum Beispiel beim Militär. Mit ihm könnte Obama durch den Garten des Weißen Hauses robben, wenn er wollte. Er könnte es vom Dach werfen, in die Wanne fallen lassen, vor allem aber kann er damit telefonieren und E-Mailen, ohne dass man ihn dabei abhören kann: Seit März 2008 besitzt das Sectera den Segen der mächtigen Elektronik-Lauscher der National Security Agency NSA.

Wenn jemand weiß, wie man elektronische Kommunikation knackt, Leute belauscht, über alle Grenzen hinweg die Datenkommunikation überwacht, dann die Cracks aus Fort Meade. Der auf Überwachung und Ausspähung der weltweiten elektronischen Kommunikation spezialisierte Dienst gilt als größter und bestausgestatteter Geheimdienst der USA. Wenn die NSA sagt, ein Gerät sei auch zur Übermittlung geheimdienstlicher Daten zu gebrauchen, dann ist das ein Ritterschlag. Den erhielt das Sectera in Form einer NSA-Zertifizierung.

Technisch basiert der Flachmann auf einem Palm Treo 750, wurde aber kräftig aufgebohrt. Das Smartphone kann E-Mails und Web, bedient etliche Netztypen inklusive HSDPA, UMTS und Edge, verfügt über W-Lan und einige weniger übliche Features.

Sectera-Edge: Nicht mehr ganz das, was Palm als Treo 750 verkauft wird
General Dynamics

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So liegt die mögliche Betriebstemperatur zwischen -23 und +75 Grad - und wenn die Raumtemperatur mal auf -55 Grad fällt, bringt das den Akku auch nicht um. Der hält 35 Stunden im Standby und auch ein Dauergespräch über drei Stunden aus, wenn es sein muss. Verschlüsselte Kommunikation frisst mehr Ressourcen, verkürzt die Akkulaufzeiten um ein Drittel und verdoppelt die benötigten Speicher-Volumina. Einzelnen Berichten zufolge soll das Modell für Obama aber mit einem Akku mit erhöhter Kapazität ausgeliefert werden.

Angeblich verfügt die Barack-Version außerdem über ein auf dem freien Markt völlig unbekanntes Produkt, das Neid erzeugen könnte: einen von der NSA virensicher gemachten Internet Explorer. Denn die Software im Inneren kommt von Microsoft.

Das Windows-basierte Betriebssystem synchronisiert sich mit dem Laptop, vor allem aber verfügt es über eine ganz und gar nicht handelsübliche Applikation: Ein- und ausgehende Kommunikation jeder Art wird in Echtzeit verschlüsselt.

Als einziges Produkt seiner Art kann das Sectera auf Knopfdruck zwischen offener und verschlüsselter Kommunikation wechseln. Der Verschlüsselungsgrad ist nicht bekannt, entspricht aber der höchsten Zertifizierungsklasse der NSA: Das bedeutet eine Freigabe fürs Übermitteln von als geheim qualifizierten Informationen.

Billig ist der Spaß natürlich nicht. Derzeit wird das auf den Spitznamen "BarackBerry" getaufte Gerät für satte 3350 Dollar gehandelt.

pat

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