Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Amazons Suchmaschine A9: Google mit Make-up

Von

Die meisten Internet-Nutzer sind glücklich mit Google verheiratet. Dabei ist Amazons neue Suchmaschine A9 dem Platzhirsch vor allem in punkto Benutzerfreundlichkeit und Optik weit überlegen. Zeit, über einen Seitensprung nachzudenken.

A9-Seite: Getuntes Google mit Spoilern

A9-Seite: Getuntes Google mit Spoilern

Benutzt eigentlich jemand etwas anderes als Google? Marktforschern zufolge hat die beliebte Suchmaschine einen Marktanteil von 50 Prozent. Irgendwer muss folglich auch andere Angebote nutzen. Nur wer? Neulich, bei einem Volontärsseminar zum Thema Internet-Recherche, war unter 22 Kollegen genau einer dabei, der Google ab und zu untreu ist.

Dabei gäbe es reichlich Alternativen. Zum Beispiel Yahoo!, MSN Search, Teoma, AllTheweb.com, Hotbot, Altavista oder Wisenut. Einige der genannten liefern Ergebnisse, die denen von Google weit unterlegen sind. Andere erreichen fast die gleiche Trefferqualität. Aber nur fast. Nach Meinung der meisten Experten sind Googles Algorithmen, jene geheimen Zauberformeln der Websuche, nach wie vor die besten.

Dennoch hat der Primus Chart zeigen eine Schwachstelle. Seine Benutzeroberfläche ist eine Frechheit - ein Google-Schriftzug, ein Eingabefenster, sonst nichts. Unter designerischen Gesichtspunkten ist das Fehlen jeglichen Schnickschnacks zu begrüßen. Unter dem Aspekt der Benutzerfreundlichkeit indes nicht. Kaum etwas lässt sich automatisieren, einstellen oder wiederfinden.

Dutzende von Spezialsuchen

Einen interessanten Gegenentwurf zur puristischen Google-Oberfläche bietet Amazons Suchmaschine A9. Sie versucht jenen das Leben einfacher zu machen, die viel im Web recherchieren und stöbern. Um A9 richtig nutzen zu können, benötigt der Surfer zunächst einen Amazon-Kunden-Login Chart zeigen. Falls der bereits vorhanden ist, erkennt A9 ihn automatisch.

Fotostrecke

4  Bilder
Suchmaschine A9: Google mit Spoilern

Die Ergebnisse der normalen Websuche bezieht A9 von Google, weswegen es an der Qualität der Treffer eigentlich nichts zu meckern gibt. Anders als Google bietet A9 auf seiner Hauptseite allerdings zahlreiche Spezialsuchen an, die sich in sehr übersichtlicher Weise nebeneinander anzeigen lassen. Wem etwa die Google-Treffer zu "Apple iPod" nicht ausreichen, lassen sich mit zwei Klicks die Zusatzsuchen für Wikipedia oder die "New York Times" aktivieren. A9 durchsucht auf Wunsch auch Blogs, Filme, Gelbe Seiten, die Bilddatenbank Flickr oder die Homepage der Nasa. Über 200 Spezialsuchen stehen zur Auswahl.

A9 speichert die gesamte Suchhistorie des eingeloggten Nutzers ab - bei Google gibt es einen derartigen Service bislang nur in einer Testversion der Google Labs. Wer vor einer Woche eine interessante Seite gefunden hatte, sich aber nicht mehr erinnern kann, über welche genaue Suchabfrage er den Treffer aufstöberte, muss lediglich in A9 History schauen. Dieses Archiv der eigenen Abfragen lässt sich übrigens ebenfalls durchsuchen.

Post-it-Zettel fürs Web

Auch interessant ist die Möglichkeit, sich Notizen zu einzelnen Webseiten zu machen (Voraussetzung ist die A9-Toolbar, die sich in Internet Explorer, Mozilla und Firefox installieren lässt). Dazu öffnet man im Browser eine schmale Leiste. Einträge in dieses sogenannte Diary (Tagebuch) werden von A9 gespeichert und erscheinen automatisch, wenn die Seite später wieder aufgerufen wird. Alternativ kann der eingeloggte User sich seine gesammelten Notizen auch auf der A9-Seite anzeigen lassen.

A9 bietet außerdem die Möglichkeit, Bookmarks im Web zu speichern. Das hat den Vorteil, dass auch an einem fremden Rechner die eigenen Web-Favoriten zur Verfügung stehen. Ähnliches bieten auch Furl oder Yahoo an, aber nicht in Kombination mit einer Suchmaschine. A9 kann selbstverständlich auch das eigene Bookmark-Archiv durchsuchen. Der Import vorhandener Linksammlungen aus Firefox bedurfte nur eines Klicks und funktionierte reibungslos.

Bewertungen à la Amazon

Bei Amazon findet der Kunde zu den Büchern Leserezensionen, eine Bewertung (ein bis fünf Sterne) sowie die meist nützliche, manchmal kuriose Information "Kunden, die dieses Buch gekauft haben, haben auch diese Bücher gekauft". Über die A9-Toolbar kann man solch ein Profil auch für Webseiten abrufen. Wer sich auf der Nasa-Seite herumtreibt, surft laut A9-Site-Info häufig bei der National Science Foundation und der Canadian Space Agency vorbei.

Bisher scheint die Zahl der A9-Nutzer allerdings noch zu klein zu sei, um durchgehend sinnvolle Bewertungen hervorzubringen. Spaß macht die Funktion trotzdem. Wer SPIEGEL ONLINE liest, surft angeblich auch häufig zu InsideChina sowie der "Rhein Zeitung". Leser von "Tagesschau.de" haben laut A9 ein Faible für die "Basler Zeitung". Und wer auf die ARD-Homepage geht, den treibt es auch zur GEZ.

Gläserner Surfer

Alles wunderbar. Der einzige Knackpunkt von A9 ist der Datenschutz. Weil sich der Nutzer namentlich identifizieren muss, um das Angebot in vollem Umfang nutzen zu können, werden sämtliche Abfragen und Webstreifzüge von Amazon personenbezogen gespeichert. Der Online-Händler verknüpft die Daten dann mit der Einkaufshistorie, um ein möglichst exaktes Kundenprofil zu erstellen. Zudem erhalten Firmen, die für Amazon Marktforschung oder Datenanalysen durchführen, Zugang zu den Daten.

Ob man das möchte, will genau überlegt sein. Mit all den personenbezogenen Daten lässt sich ein ziemlich komplettes Nutzerprofil erstellen. Andere Suchmaschinenbetreiber sammeln allerdings ebenfalls eifrig Informationen über das Surfverhalten ihrer Nutzer. Und wer bereits seit Jahren einen Großteil seiner Einkäufe bei Amazon tätigt, hat sich datenmäßig ohnehin bereits entleibt. Eine - leider nicht ganz so komfortable - Alternative für Zweifler ist die Anti-Big-Brother-Version von A9. Die liest keine Cookies aus - und die Surfdaten landen nicht in Amazons Marketingabteilung.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: