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Angriff auf Google und Yahoo: Microsoft vermarktet Online-Werbung selbst

Um sich ein größeres Stück vom wachsenden Online-Werbemarkt zu sichern, geht Microsoft jetzt eigene Wege. Nicht mehr Yahoos Dienst Overture, sondern Microsofts eigender Adcenter vermarktet künftig die Werbung auf der Webseite der Microsoft-Suchmaschine.

Bislang sind die Bemühungen des weltgrößten Softwarekonzerns um eine erfolgreiche Suchmaschine nicht von Erfolg gekrönt. Im Gegenteil: Der Anteil von MSN Search am gesamten Suchmarkt ist im März sogar von 14 auf 11 Prozent gesunken, während Google 49 Prozent und Yahoo 22 Prozent hielten.

Microsoft-CEO Ballmer: "Werbe-Community extrem wichtig"
REUTERS

Microsoft-CEO Ballmer: "Werbe-Community extrem wichtig"

Es geht aber längst nicht mehr nur um die Frage, wer die beste Suchmaschine hat. Ohnehin nutzen Google, Yahoo und Microsoft ähnliche Algorithmen zum Gewichtung der Ergebnisse. Das Duell der Suchmaschinen ist in Wahrheit ein Kampf um Werbekunden, denn mit Anzeigen und bezahlten Links lässt sich sehr viel Geld verdienen. Allein in den USA soll der Werbemarkt mittlerweile 15 Milliarden Dollar umfassen.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte vor einer Woche bei einer Diskussion in Berlin unumwunden eingeräumt, dass sein Unternehmen die Dynamik der Online-Werbung bislang sträflich unterschätzt hat. Die eigentliche Innovation der Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page liege nicht in der Technik der Internetsuche. "Die beiden haben als erste die Macht der Online-Werbung erkannt. Das Geschäftsmodell von Google stellt die eigentliche Innovation dar."

Die Herausforderung durch Google nicht rechtzeitig erkannt zu haben, müsse er sich auch persönlich vorhalten. "Ich war wütend auf mich selbst, so wie ich wütend auf unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung war", sagte Ballmer.

Tschüß Overture!

Jetzt will Microsoft mit einem eigenen Dienst für Online-Werbung längst verlorenes Terrain zurückerobern. Der Microsoft-Service Adcenter habe die Vermarktung der eigenen Suchmaschinenseite komplett übernommen, teilte das Unternehmen gestern mit. Bisher hatte Adcenter nur in kleinem Umfang Anzeigen geschaltet - der Großteil der Vermarktung lief über Yahoos Dienst Overture.

"Die Werbe-Community ist extrem wichtig für uns", sagte Ballmer, "weil wir uns von einem Software-Unternehmen zum weltgrößten, attraktivsten Anbieter von Online-Inhalten über MSN, Windows Live und Adcenter entwickeln." Angesichts des derzeit noch geringen Marktanteils der Microsoftsuchmaschine ein selbstbewusstes Statement.

Der neue Microsoft-Dienst soll Werbekunden erlauben, Kampagnen noch besser zu überwachen, und gleichzeitig präzisere Daten über die Zielgruppen liefern. Es wird darüber spekuliert, dass Adcenter nicht nur Anzeigen auf Suchseiten vermarktet, sondern auch auf anderen Internetangeboten wie Windows Live E-Mail oder Office Live. Auch der Verkauf von Werbung in Spielen, etwa für die Konsole Xbox, oder auf Mobiltelefonen, ist prinzipiell über Adcenter denkbar.

Kopfprämie für Explorer-Nutzer

Beim Platzhirschen Google reagiert man inzwischen mit einer gewissen Nervosität auf die neuen Aktivitäten von Microsoft. So befürchten Google-Manager, dass der neue Browser Internet Explorer 7 die Nutzer künftig direkt auf die die Microsoft-eigene Suchmaschine MSN leitet. Das Unternehmen habe seine Sorge über die mögliche Wettbewerbseinschränkung auch in Gesprächen mit dem US-Justizministerium und der EU-Kommission deutlich gemacht, berichtet die "New York Times". Microsoft wies die Vorwürfe zurück. Auch mit der neuen Browser-Version könne der Nutzer seine Suchmaschine künftig frei wählen, hieß es in einer Erklärung.

Um die nach wie vor bestehende Vormacht des Internet Explorers zu brechen, bezahlt Google seit November Werbepartnern sogar Geld. Eine Kopfprämie von bis zu einen US-Dollar wird gezahlt, wenn Surfer zum Wechsel vom Explorer zu Firefox (mit eingebauter Google-Toolbar) bewegt werden. An dem AdSense-Programm können im Prinzip alle Website-Betreiber teilnehmen - sie müssen sich zuvor nur bei Google anmelden.

hda

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