Appaяatschik Der Walkman im Telefon

Gegen Apples iPod sah Walkman-Erfinder Sony lange Zeit sehr alt aus. Mit einem neuen Handy, das den Markennamen des legendären Kassettengeräts trägt, wollen die Japaner jetzt Boden gut machen. Der Apparatschik hat vorab schon mal Probe gehört.


Walkman-Handy W800i: Angriff auf den iPod

Walkman-Handy W800i: Angriff auf den iPod

Sonys erster Walkman sieht nach heutigen Maßstäben ziemlich klobig aus. Im Juli 1979, als der tragbare Minikassettenrekorder in Japan auf den Markt kam, galt er jedoch als Meisterwerk in Sachen Miniaturisierung. 330 Millionen Stück hat Sony bis heute verkauft.

Der Markenname Walkman ist den meisten Menschen zwar noch geläufig. Doch wer heutzutage an portable Abspielgeräte für Musik denkt, denkt in der Regel an Apples iPod. Seit Unternehmenschef Steve Jobs das Gerät im Oktober 2001 vorstellte, hat Sony auf dem Gebiet nicht mehr viel zu melden.

Wiedergeburt als Telefon

Boden gut machen will Sony, beziehungsweise die Mobilfunktochter SonyEricsson, mit einer neuen Handy-Produktlinie, die den Walkman-Markennamen trägt. Das erste dieser Geräte, das heute Abend in London mit viel Tamtam vorgestellt wird, ist das W800i, ein Zwitter aus Telefon und MP3-Player.

Als Handy ist das Gerät sehr ordentlich. Es verfügt über alle gängigen Funktionen wie Kontakte, Kalender und E-Mail und erinnert von Form und Menüführung stark an andere SonyEricsson-Geräte wie das T610 oder das K750i. Außerdem besitzt es eine Kamera mit Zoom und guter Auflösung (zwei Megapixel).

Sony Walkman TPS-L2: Ruhmreiche Vergangenheit
DPA

Sony Walkman TPS-L2: Ruhmreiche Vergangenheit

Im Mittelpunkt steht jedoch eindeutig die Walkman-Funktion. Das Handy wird mit einer 512 Megabyte fassenden Speicherkarte ausgeliefert. Die reicht für einige hundert Songs. Mit mehreren Spezialtasten an den Seiten und über dem Tastenblock lässt sich sehr komfortabel manövrieren. Über die intuitive Menüführung ein bestimmtes Lied zu finden, funktioniert von Anfang an reibungslos.

iTunes für Arme

Etwas mehr anlegen können hätte SonyEricsson allerdings bei der mitgelieferten Musiksoftware Disc2Phone. Mit dem PC-Programm lässt sich Musik von CD extrahieren, in MP3s umwandeln und per Datenkabel auf das Handy übertragen. Das funktioniert ohne Probleme, weitere Funktionen bietet die Software aber nicht.

Vor allem gegenüber Apples hervorragender Musiksoftware iTunes sieht die Walkman-Anwendung sehr blass aus. Sie kann keine Wiedergabelisten erstellen; sie synchronisiert das W800i nicht mit der Songdatenbank auf dem PC; sie bietet keinerlei Suchfunktion; sie ordnet Musik zwar nach Interpreten und Alben, aber nicht nach Musikrichtungen.

Entsprechend mühsam ist es, eine größere Musiksammlung auf dem Walkman-Handy zu verwalten. Wer die mitgelieferte Memory-Stick-Speicherkarte gegen eine größere austauscht, kann immerhin 500 Lieder auf seinem Gerät speichern. Vor allem "smarte" Wiedergabelisten, wie sie bei Jukebox-Software normalerweise Standard sind, wären folglich eine gute Idee gewesen. Doch solche automatisch erstellten Playlists à la "alle meine Rap-Hiphop-Stücke einordnen, außer Ice-T" kann das W800i nicht liefern. Stattdessen muss alles über die Telefontastatur einzeln angelegt werden.

Als Zweit-Walkman okay

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Von diesen Schwächen abgesehen ist das W800i vom Gesamteindruck das beste Musikhandy, das dem Apparatschik bisher untergekommen ist. Auch der Sound der mitgelieferten Kopfhörer ist sehr ordentlich. Wer allerdings seine gesamte Musiksammlung mit sich herumschleppen möchte und auf eine gute Song-Verwaltung Wert legt, der ist mit einem iPod eindeutig besser bedient (für die 529 Euro, die das W800i ohne Vertrag kosten soll, bekommt man ein 08/15-Telefon und einen iPod mini).

Als Ersatz- oder Zweit-Player ist das W800i hingegen eine feine Sache. Zwar muss der Nutzer beim Befüllen des Walkman-Handys ein paar Sachen händisch erledigen - aber das geht immer noch bedeutend schneller als anno 1980. Da dauerte das Aufnehmen eines guten mixed tape für den Walkman mindestens drei Stunden.

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