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Apparatschik: Die Findenix-Maschine

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Mit großem Tamtam bewirbt die Deutsche Telekom zurzeit ihre neue Online-Auskunft. DasTelefonbuch.de will mit mehr Übersichtlichkeit und neuen Features punkten - dummerweise weist die Suchfunktion der selbsternannten "Findemaschine" etliche Macken auf.

Telefonbuch-Werbung mit Klara Finden: Romero lässt grüßen

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Robert T-Online ist von den Toten auferstanden. Fünf Jahre nach dem Börsengang ihrer Internettochter wirbt die Deutsche Telekom Chart zeigen wieder mit einer - diesmal weiblichen - Computerkunstfigur. Klara Finden, die "Info-Expertin" soll der neu gestalteten Online-Auskunft ein menschliches Antlitz verleihen.

Mir persönlich macht der Photoshop-Klon eher Angst. Während Robert lediglich ein wenig nervte, weil er sein Ritalin nicht genommen hatte, treibt einem Klara die kalte Furcht ins Herz. Meine erste Assoziation war keineswegs "sympathische Service-Schönheit" (Pressetext). Auf mich wirkt Creepy Klara eher wie eine Statistin aus George Romeros "Dawn of the Dead": Ihr Blick ist ausdruckslos, ihr rechter Arm reckt sich starr nach vorne.

Auch die neue Webpräsenz der Telefonauskunft kommt leider nicht ohne Gruseleffekte aus.

Kleine Karten, tote Links

Die Telekom hat gegenüber der alten Version zahlreiche Funktionen hinzugefügt oder verändert. Die Trefferanzeige ist deutlich übersichtlicher geworden. Auch die Einzelanzeige wirkt wesentlich aufgeräumter und bietet etliche Zusatzfeatures. So lassen sich Datensätze per Mausklick beispielsweise ins eigene Outlook-Adressbuch schaufeln. Seltsam ist hingegen, dass noch mehrere andere Optionen (Versand per Fax, SMS, E-Mail) zwar angezeigt werden, aber nicht funktionieren.

Eine schöne Idee ist der Button "Auf der Karte anzeigen", wie es ihn in den Gelben Seiten schon seit einiger Zeit gibt. Die Umsetzung lässt allerdings zu wünschen übrig. Die Karte ist so klein geraten, dass kaum etwas zu erkennen ist. Nur im starken Zoom (600m Umkreis) lassen sich Beschriftungen entziffern. Dafür zeigt die Karte dann aber auch nur vier, fünf Sträßchen an.

Ebenfalls neu ist das Glossar. Die Rubrik enthält eine Auflistung wichtiger Nummern wie den Störungsdienst oder den Giftnotruf. Beim genauerer Betrachtung entpuppt sich das Glossar jedoch als äußerst unvollständig. Unter "Auto" steht beispielsweise weder der Pannendienst des ADAC, noch der des AvD - sondern ausschließlich die Kurzwahl der T-Mobile-Pannenhilfe. Wer ein Vodafone-Handy besitzt, hat also Pech gehabt.

Suche Pizza, finde Smörrebröd

Online-Telefonbuch: Baustelle im Web

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Kernstück der Seite ist die Suchfunktion. Die Telekom hat sich den Begriff Findemaschine als Marke eintragen lassen und wirbt mit Slogans wie "Lieber punktgenau als ewig lange suchen". Im Test wies die Suchabfrage jedoch allerlei Merkwürdigkeiten auf.

DasTelefonbuch bietet eine Basissuche mit zwei Eingabefeldern (Name, Stadt) sowie einen Profimodus, in dem sich auch Postleitzahlen und Straßennamen suchen lassen. Mitunter liefert dieselbe Abfrage in Basis- und Profimodus jedoch unterschiedliche Resultate. Eine Suche nach meinem Hamburger Freund Jakob Streich* führte im Profimodus zu 16 Treffern. Alle hatten den Nachnamen Streich, keiner den Vornamen Jakob. Eine Abfrage im Basismodus lieferte hingegen nur einen Treffer - und zwar die gesuchte Person.

Ähnlich wunderlich sind die Resultate des Umkreisfinders. Diese Suchfunktion soll eigentlich Personen oder Geschäfte in vorher definierter Entfernung zum eigenen Standort aufspüren. Beim Versuch, in einem Kilometer Umkreis der SPIEGEL-ONLINE-Redaktion eine Pizzeria zu finden, fand die Findemaschine (in dieser Reihenfolge):

  • das Fischrestaurant Kontor
  • das Fischrestaurant Deichgraf
  • den Smörrebröd-Spezialisten Danske Hereford
  • das Museumsrestaurant Destille
  • nochmals das Museumsrestaurant Destille.
Unter den ersten zehn Treffern fand sich lediglich ein Italiener, obwohl es in der Umgebung mehrere gibt. Einen kann ich vom Fenster aus sogar sehen.

Unterhalb der als "Toptreffer" gekennzeichneten Liste steht seltsamerweise eine zweite, nicht gekennzeichnete Ergebnisliste, deren Resultate etwas besser sind. Man findet sie nur, wen man die Seite ganz herunterscrollt. Wie unterscheiden sich die beiden Listen? Und wie kommen die Treffer zustande? Nach Angaben der Telefonbuch-Servicegesellschaft verwendet die Webseite keine Such-Algorithmen, sondern arbeitet mit einer einfachen Datenbankabfrage.

Verzerrt oder einfach mies?

Werbefigur Robert T-Online: Nervig, aber nicht gruselig

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Die wunderliche Sortierung kann eigentlich nur zwei Gründe haben. Entweder ist die von DasTelefonbuch verwendete Datenbank ziemlich krautig oder die Trefferliste wird nicht allein nach Relevanzkriterien erstellt. Einige Suchmaschinen bessern ihre Kasse auf, indem sie Firmen gegen Bezahlung eine bessere Platzierung zusichern oder ihnen garantieren, dass sie bei der Suche nach bestimmten Schlüsselbegriffen auf jeden Fall in der Trefferliste erscheinen - auch wenn das für den Suchenden keinen Sinn macht.

Möglicherweise hat die Telekom einfach keine ausreichend breite Datenbasis. Philipp von Stülpnagel vom Suchmaschinenoptimierer Sumo weist darauf hin, dass es relativ schwierig ist, aus den informationsarmen Telefonbuchdatensätzen gute Treffer zu generieren. "Die enthalten nur Name, Nummer, Adresse und Geschäftszweck. Google oder Yahoo durchsuchen hingegen komplette Webseiten, darin sind natürlich viel mehr Informationen enthalten."

Insgesamt überzeugt das neue Online-Telefonbuch nicht. Es weist einfach zu viele Macken auf. Schade, dass bei einer derart elementaren Referenzseite (16 Millionen Besucher im Monat) die Trefferqualität derart schlecht ist. Schade auch, dass die Telekom mit dem Begriff Findemaschine etwas verspricht, das sie nicht einhalten kann.

*(Name geändert)

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