Apple-Intel-Deal Das geheime Doppelleben von Mac OS X

Schon seit Jahren testet Apple sein Betriebssystem auf Intel-Chips, bekannte Firmenchef Steve Jobs gestern Abend in San Francisco. Der nun offiziell bekannt gegebene Wechsel zu Intel überraschte viele Experten. Ein Amerikaner muss nun sogar seinen Hut aufessen.

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CEO Jobs: Die besten PCs bauen
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CEO Jobs: Die besten PCs bauen

"Kommt schon Leute, ich weiß dass Euch solche Ideen gut unterhalten", sagte der "Cnet"-Leser Adam Detzner vorab über den kolportierten Wechsel von Apple zu Intel-Prozessoren. Aber das werde nicht passieren. "Falls doch, esse ich meinen Hut." Genau das muss Detzner jetzt tun, wenn er zu seinem Wort steht. Denn Steve Jobs verkündete gestern Abend tatsächlich die Abkehr von IBMs PowerPC-Chips.

Apple werde Mitte nächsten Jahres die ersten Macs mit Intel-Prozessoren bestücken und bis Ende 2007 alle seine Computer auf die neuen Chips umgestellt haben, erklärte Jobs. "Wir verfolgen das Ziel, unseren Kunden die besten Personalcomputer der Welt zu bieten." Die Keynote auf der Developer Conference in San Francisco überraschte viele, die nicht so recht glauben wollten, was US-Medien seit Freitag angekündigt hatten: In Macintosh-Rechnern werden bald Intel-Chips stecken.

"Wenn man vorausblickt, dann hat Intel die bei weitem überzeugendste Prozessor-Roadmap", sagte der Apple-Firmengründer. "Wir sind davon überzeugt, dass uns die Technologie von Intel dabei helfen wird, die besten Personalcomputer für die nächsten zehn Jahre zu bauen."

Der Apple-CEO bekannte, dass das Unternehmen schon länger mit Intel-Hardware experimentiert: "Mac OS X hat in den letzten fünf Jahren ein geheimes Doppelleben geführt." Alle Versionen des Betriebssystems seien von Anfang an so entwickelt worden, dass sie auf Intel- und PowerPC-Plattform laufen könnten. Jobs führte den Teilnehmern des Kongresses auch gleich einen Intel-Rechner vor, auf dem Tiger, die aktuelle Version von Mac OS X, installiert war.

Haben sich lieb: Steve Jobs und Paul Otellini von Intel
REUTERS

Haben sich lieb: Steve Jobs und Paul Otellini von Intel

Intel-Chef Paul Otellini revanchierte sich für die Lobeshymne von Steve Jobs auf seine Chips mit dickem Gegenlob: "Wir freuen uns, den innovativsten Personalcomputer-Hersteller der Welt als Kunden zu haben", erklärt er. Apple habe dazu beigetragen, die PC-Industrie zu begründen und sei in all den Jahren für seine frischen Ideen und neuen Ansätze bekannt gewesen.

Der ebenfalls anwesende Adobe-Chef begrüßte die Entscheidung von Apple und erklärte, Adobe wolle den Wechsel unterstützen. "Die einzige Frage, die ich an dich, Steve, habe, lautet: Warum hat das so lange gedauert?"

Im Publikum hatte mancher so seine Probleme, die neue Partnerschaft zu akzeptieren. "Das ist so, als wenn zwei deiner besten Freunde beschließen zu heiraten und man weiß nicht, was das bedeutet. Man fühlt sich in einem Konflikt", sagte der Konferenzteilnehmer Matthew Woolrums dem IT-Onlinemagazin "Cnet".

Analysten sind sich noch uneins, ob sie die Intel-Apple-Ehe nun gut finden sollen oder nicht. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Apple dank niedrigerer Chip-Preise von Intel seine Computer künftig günstiger anbieten kann. Eingefleischte Macianer könnten auf den Wechsel jedoch mit einem Kaufboykott reagieren. "Viele von Apples unverbesserlichen Loyalisten verstehen sich selbst und den Mac als Jedi-Ritter gegen das Reich des Bösen - Microsoft und Intel", sagte Shaw Wu, Analyst der American Technology Research in San Francisco.

Nach Einschätzung des Computermagazins "c't" ist der Zeitpunkt für einen Umstieg sehr gut gewählt. Der derzeit laufende Wechsel von 32 auf 64 Bit Verarbeitungsbreite erfordere ohnehin, dass alle Treiber neu erstellt werden müssten. Zudem stünden weitere Umbrüche wie die Prozessor-Doppelkerne an, die auch Apple sehr interessieren dürften.

Der Jubel mancher PC-Benutzer, dass man künftig auf der Intel-Plattform frei zwischen Windows, Mac OS und Linux wählen könne, scheint indes verfrüht. Apples Vice President Phil-Schiller sagte "Cnet", es gebe keine Pläne, Windows auf Intel-Macs zu unterstützen. Apple plant offenbar weiterhin, seine Rechner mit spezieller Hardware auszuliefern, nur der Prozessor stammt von Intel. Der Hardwareverkauf soll weiterhin eine wichtige Einnahmequelle bleiben. "Wir werden nicht erlauben, dass Mac OS X auf anderer Hardware läuft als auf Apple Mac", erklärte Schiller.

Eigentlich schade. Denn es wäre spannend, wie das Duell Mac OS gegen Windows ausgehen würde, wenn beide Systeme auf der gleichen Hardware installiert werden könnten.

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