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Apples Aufstieg: Die Rückkehr der Macs

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Ist Apples beeindruckender Markterfolg wirklich nur dem iPod geschuldet? Auch wenn die Bilanzen der Firma das zu zeigen scheinen, ist es nicht die ganze Wahrheit.

Apple-Fans hören so etwas nicht gern, doch vor zehn Jahren galt das von ihnen regelrecht vergötterte Unternehmen nicht nur mit Fug und Recht als Underdog im IT-Markt, sondern sogar als siech: Mit einem unschönen Ableben konnte jederzeit gerechnet werden. Es waren mieseste Bilanzzahlen und unaufhaltsam schwindende Marktanteile, die die Firma bewogen, ihren Mitbegründer Steve Jobs, der 1985 das Unternehmen angeekelt verließ, nachdem er einen internen Machtkampf verloren hatte, wieder an Bord zu rufen.

Seitdem hat sich das hässliche Entlein zu einem kapitalen Schwan entwickelt. Selbst wer erst 2003 mit Aktien bei Apple einstieg, konnte sein Geld seitdem satt vervierzehnfachen. Am Dienstag veröffentlichte Apple erwartungsgemäß positive Quartalszahlen, haute die Börsianer aber regelrecht um, weil alles noch viel rosiger aussieht, als selbst Euphoriker erhofft hatten. Apple brummt und boomt nicht, Apple fliegt.

Begonnen hatte die Erholung der traditionell innovativen Marke bereits vor Steve Jobs Wiedereinstieg bei Apple. 1998 markierte das Jahr, in dem die Buchhalter des Unternehmens endlich wieder die Tinte wechseln konnten: Rot war fürderhin weniger oft gefragt, Schwarz immer öfter. Es war der iMac, der die erste zarte Trendwende brachte. Ende der Neunziger überwogen darum noch die Unkenrufe über "his Steveness" Jobs: Der habe mit dem iMac nur geerntet, was andere gesät hätten, während sein erstes eigenes Projekt - der Cube - ganz famos floppte.

Seit Jobs ist Musik drin

Und doch war es Jobs, der Apple auf Schiene brachte. Der charismatische Verkäufer hatte sich in den Neunzigern immer mehr in Richtung Entertainment umorientiert (inzwischen ist er u.a. größter Einzelaktionär von Disney). Musik und Film waren es, die er als Chance für die schon immer hart am Lifestyle orientierte Marke Apple begriff: 2001 stieg Apple mit dem iPod zwar spät, aber außerordentlich erfolgreich in den Markt für Musik-Player ein.

Seitdem, so sehen das die meisten Analysten, gedeiht die einstige Computermarke Apple im Reich der iPods und Anverwandten.

Da ist eine Menge dran, aber es ist nicht die ganze Geschichte. Der Besitz eines iPod ist absolut kein zwingender Grund, den Windows-PC hinauszuwerfen. Und doch scheint genau das lawinenartig zu geschehen. Krebste Apple weit über zehn Jahre bei einem Anteil von zwei, allenfalls drei Prozent des Heimcomputermarktes herum, ist das Unternehmen inzwischen eine Größe, die diese Bezeichnung tatsächlich verdient.

Ein Indikator dafür ist der Blick in die Browserstatistiken von SPIEGEL ONLINE. Wie jede Webseite verfügt auch unsere über eine Logzählung, die bestimmte Informationen der besuchenden Rechner erfasst. Darunter, welche Browser und Betriebssysteme eingesetzt werden.

Log-Check: Apple kommt mächtig

Browserstatistiken sind dabei wenig genau: Opera-Browser maskieren sich gern als Internet Explorer, und längst nicht jeder Apple-Nutzer surft auch mit dem Apple-eigenen Safari-Browser. Doch selbst, wenn man sich diese Statistik ansieht, zeigt das schon eine ganze Menge. Binnen drei Jahren kletterten die Prozentzahlen von unter 3 Prozent auf gut 5,2 Prozent (beispielhaft gemessen am 22. Oktober. An Wochenenden liegt dieser Wert grundsätzlich höher, denn Apple-Rechner werden eher im privaten Kontext eingesetzt als im Arbeitsleben.

Dort aber kommen immer mehr zum Einsatz. Am Samstag, dem 20. Oktober, waren 11,36 Prozent aller Rechner, die auf SPIEGEL ONLINE zugriffen, Apple-Modelle. Wochentags liegt dieser Wert bei 8 Prozent (am 22. Oktober: 8,23 Prozent). Das sind beeindruckende Zahlen.

Die Macs: Aufstieg aus eigener Kraft?

Und sie sind allein durch den Erfolg des iPod definitiv nicht zu erklären. Die Statistiken weisen vielmehr darauf hin, dass die Trendwende in einem engen Zusammenhang mit der Einführung von Mac OS X steht. Zur gleichen Zeit geriet Microsoft immer öfter negativ ins Gerede: weil Viren und Trojaner Millionenschäden verursachten, weit über 95 Prozent aller Schadprogramme aber nur Windows-Systeme betrafen; weil Alternativ-Programme wie Firefox (aktueller Marktanteil bei den Besuchern von SPIEGEL ONLINE: Wochentags ca. 43 Prozent, Wochenende 57 Prozent) begannen, die lange von Microsoft gesetzten Standards zu untergraben. Alternativen zu nutzen hörte auf, mutig zu wirken, sondern wurde schick.

Apple-Produkte waren immer schon mit einem höheren Prestigewert verbunden, als die pragmatischen Kisten der Wintel-Welt (ein Kunstwort aus "Windows" und "Intel").

Einen Apple zu nutzen, war ein wenig so, als führe man einen englischen oder italienischen Sportwagen statt eines Opel. Definitiv schick, aber teurer und irgendwie auch ein bisschen unvernünftig. Inzwischen gilt der Mac als Volvo der PC-Welten. Den leistet man sich nur zu gern, sobald man kann - und steht ganz und gar nicht mehr als schwärmerischer Überzeugungstäter da.

Apple hat auf diese Trends reagiert, indem es die eigene Plattform ein wenig näher an die PC-Welt rückte, ohne Eigenheiten aufzugeben. Schon Mac OS X war letztlich so eine Annäherung. Das Unix-Derivat markierte den Abschied von Apples proprietären Betriebssystemen, die für zahllose Inkompatiblitäten zwischen den PC-Welten sorgten. Seitdem flutscht es besser zwischen Mac- und PC-Welt. Seit Intel-Chips in den Rechnern pulsen, haben es die Entwickler noch ein Stückchen leichter, für Kompatibilität zu sorgen.

Und die Moral von der Geschicht? Duck dich, Microsoft!

Sieht man die Sache so selektiv, könnte man Apples Schritt, das Wort "Computer" aus dem Firmenmantel zu tilgen, also für einen Fehler halten. Um 34 Prozent stieg die Zahl der verkauften Mac-Rechner gegenüber dem Vorjahr, während die Steigerung bei den iPods nur 17 Prozent betrug. Nur verkauft Apple von denen natürlich ungleich mehr als von den Rechnern - und verdient aufgrund der hohen Fertigungszahlen auch mehr daran.

Trotzdem: Mit diesem Unternehmen und seinen Rechnern ist in den letzten Jahren mehr passiert als nur die Veröffentlichung einer MP3-Player-Produktserie. Es mag sein, dass Apples PC-Marktanteil heute niedriger wäre, hätte es den iPod nicht gegeben. Als sicher dürfte aber auch gelten, dass er höher gelegen hätte als 1997. Dass Apple sich ab Einführung des iMac ein gutes Stück weit selbst neu erfunden hatte, wurde vom berauschenden Erfolg des iPod zeitweilig überdeckt.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Microsoft seinen magischen Marktanteil von über 90 Prozent verliert, der das Unternehmen so lang als völlig unangreifbaren Monolithen erscheinen ließ. Das könnte sich schneller ändern, als man noch vor wenigen Jahren für möglich hielt.

Und gut möglich, dass Tech-Chronisten dafür in zehn Jahren neben dem iPod und Mac OS X ausgerechnet auch ein Microsoft-Produkt als ursächlich nennen werden: Vista, das dem Apple-System Mac OS X visuell so nahe neue Windows. Denn nach Jahren, in denen Windows XP als stabiles System für Microsoft Imagepunkte sammelte, scheint sich Microsoft mit dem instabilen Betriebssystem verspekuliert zu haben.

Das Original, lästern Apple-Fans, sei eben besser.

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