Auszeichnung "Time" kürt iPhone zur Erfindung des Jahres

Das "Time"-Magazin ist bekannt für seine Bestenlisten: Außer der Person des Jahres ehren die Amerikaner auch das Gadget und die Erfindung des Jahres. Diese Auszeichnung gewann diesmal der Hauptverdächtige - Apples prestigeträchtiges iPhone. Darüber kann man streiten.


Ist das iPhone eine Erfindung? Folgt man der Firmen-PR von Apple, dann erfindet das Unternehmen jedes Mal, wenn es ein Produkt auf den Markt wirft, das Rad neu. Völlig anders und natürlich besser als die anderen zu sein, das ist Apples werblicher Standard-Claim - und oftmals ist da ja auch durchaus etwas dran. Der iPod, ein Spätstarter unter den MP3-Playern, erfand das Konzept quasi neu. Der iTunes-Shop machte den Online-Einkauf von Musik und später Filmen bequem und erschwinglich. Das iPhone definierte den Begriff Smartphone neu, machte daraus ein vor allem emotional höchst wirksames Objekt der Begierde.

Natürlich hat Apple damit das Handy nicht neu erfunden, wissen auch die Redakteure von "Time", und zeichneten das iPhone trotz alledem als Erfindung des Jahres aus. Denn obwohl Apple da eigentlich nichts erfunden hätte, habe das Unternehmen im iPhone existierende Erfindungen teils erstmals sinnvoll zusammengeführt. So habe Apple beispielsweise den Touchscreen des Telefönchens nicht erfunden, erklärte "Time"-Tech-Redakteur Lev Grossman der Nachrichtenagentur AP, aber es habe "etwas damit anzufangen gewusst". Nicht das Gerät, seine Features und Technik sei darum ausgezeichnet worden, sondern die Art und Weise, wie diese eingesetzt und "die Leute zum Reden" bringen würden.

Ein Blick in die Geschichte der Erfindungs- und Gadget-Auszeichnungen von "Time" zeigt, dass die Redakteure des US-Nachrichtenmagazins solche kontroversen Entscheidungen nie gescheut haben (siehe Bildergalerie). Grossman sieht selbst, dass das Jahr auch im technologischen Sektor weit relevantere Neuigkeiten gebracht hat: "Intels 45-Nanometer-Fertigungstechnik, das ist eine wichtige Sache, aber es ist trotzdem weit weniger glamourös als das iPhone." Glamour als Entscheidungskriterium für eine Auszeichnung, die technische oder wissenschaftliche Entwicklungen würdigen soll?

Der Bericht über die Erfindungen des Jahres, der in der kommenden "Time"-Ausgabe erscheint, wird wohl auch Intels 45-nm-Technik und andere Innovationen würdigen. Auf dem Titelbild aber prangt das iPhone - und das sieht natürlich erheblich cooler aus. Frei von solchem Kalkül ist die Redaktion wohl nicht, doch Grossman beeilt sich zu versichern, dass Glamour und Hippness nicht das entscheidene Kriterium gewesen seien - und veröffentlichte vorab in der Online-Ausgabe von "Time" eine umfängliche Rechtfertigung der Wahl.

pat/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.