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Beeindruckende Bilderwelt: Die BBC baut England nach

Microsofts Software Photosynth synthetisiert aus tausenden Fotos eine hochauflösende dreidimensionale Großkollage. Die BBC nutzt die Technik jetzt für eine TV-Serie – und baut mit ihr berühmte britische Bauten nach. Das Bildmaterial schicken User via Flickr.

In einer Kooperation zwischen der britischen Rundfunk- und Fernsehanstalt BBC und Microsoft werden historische Stätten Großbritanniens im Netz als virtuelle 3D-Bilder nachgebaut. Geplant sind Nachbildungen der Ely Cathedral, des Burghley House, des Bath's Royal Crescent, des schottischen Parlamentsgebäudes und des Blackpool Tower Ballroom. Angefertigt werden die 3D-Fotos, die die BBC für ihre Serie "How We Built Britain" verwendet, mit Microsofts Software Photosynth.

Bald im Netz: Ein aus Nutzer-Bilder zusammengenähte Großbritannien-Panorama

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Das Programm, das Microsoft zusammen mit der Universität Washington entwickelte, gilt als die erste Software, die Bilder anhand von Perspektive und Lichteinfall semantisch miteinander verknüpfen kann. Erstmals sorgte Photosynth auf der "Technology, Entertainment, Design"-Konferenz (TED) für Furore. Microsoft-Forscher Blaise Aguera y Arcas demonstrierte damals einem staunenden Publikum, wie das Programm auf der Grundlage tausender Flickr-Fotos ein dreidimensionales virtuelles Abbild der Notre Dame de Paris errechnet.

Um mehrere Aufnahmen desselben Motivs übereinander zu legen, bestimmt Photosynth den Aufnahmewinkel jedes einzelnen Bildes. Dies geschieht durch eine Analyse von Überlappungspunkten der einzelnen Bilder. Zusätzlich werden mehrere Bilder vom gleichen Aufnahmepunkt übereinander gelegt.

Ein Metaversum aus vernähten Bildern

Die miteinander "vernähten" Bilder ergeben eine Art Metaversum: Der User kann sich darin mit der Maus in alle Richtungen drehen und wenden und stufenlos bis auf einzelne Details an Objekte heranzoomen – und das angeblich sogar bis weit über die Auflösung der Kamera hinweg. Beim Navigieren in der 3D-Kollage wechselt der User permanent von Aufnahme zu Aufnahme, merkt dies jedoch nicht, da die Software die Übergänge fließend gestaltet.

Die BBC setzt bei der Produktion ihrer 3D-Bilder auf interaktive Beteiligung. Jeder, der möchte, fotografiert für die BBC England ab. Gesammelt werden die Aufnahmen in einer Flickr-Gruppe . Das virtuelle England der BBC wird sodann mit diesen Aufnahmen um Details erweitert. Beispiel-Bilder der Technik finden sich bereits im Netz.

Voraussetzung: Windows XP oder Vista

Microsoft hält sich auf seiner Seite einen Showcase-Room der besonderen Art: ein ganzes hochauflösend digitalisiertes Kunstatelier. Man navigiert darin durch ein Bild, um Bilder zu betrachten – vorausgesetzt, man verfügt über eine leistungsstarke Grafik-Karte und Windows XP SP2 bzw. Vista.

Die Experimente geben einen Einblick in die Zukunft virtueller 3D-Welten: Kollaborativ entstandenen Bildarchiven wie Flickr eröffnen sich neue Chancen interaktiver Nutzung. Auch eine Kombination der 3D-Kollagen mit Microsofts Google-Earth-Klon Virtual Earth ist denkbar. Ob Google selbst an einem ähnlichen Programm werkelt, ist nicht bekannt. Sollte sich Microsofts semantischer Bild-Generator aber durchsetzen, wird Google nachziehen müssen.

Im Blog Spreeblick fasst ein User zusammen, warum: "Wenn das später wirklich mit beliebigen Flickr-Fotos auch so funktioniert, kann man seinen Enkeln den Mechanismus eines Fotoalbums nicht mehr glaubwürdig vermitteln."

ssu

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