Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Bewegung auf dem Browsermarkt: Konkurrenz für Microsoft

Firefox, Mozillas kleiner Bruder und derzeit viel versprechendster Konkurrent zu Microsofts Internet Explorer, wird erwachsen: Am Mittwoch morgen wurde der "Release Candidate 1" der "Version 1.0" veröffentlicht - denn alle frühen Erfolge feierte Firefox mit Betaversionen. Kommt das Monopol des Internet Explorer nun ins Wanken?

Feuer unterm Hintern: Die Mozilla-Entwicklergemeinde gilt als Microsofts schärfste Konkurrenz

Feuer unterm Hintern: Die Mozilla-Entwicklergemeinde gilt als Microsofts schärfste Konkurrenz

Die Entwicklung einer Software ist ein langwieriger Prozess, und stets durchläuft er die gleichen Stufen: Auf die Alphaversionen, zumeist frühe Testversionen voller Lücken und Fehler, folgen die Betaversionen, mit denen die Software öffentlich getestet wird, um sie weiter zu verbessern. Erst mit der Version 1.0 übernehmen Entwickler Gewähr für ihr Produkt.

Die Open-Source-Entwickler der Mozilla-Community schicken ihrer Version 1.0 laut Plan zwei "Release Candidates" ("RC 1" und "RC 2") voraus. Das Produkt, das in der Nacht von Dienstag zu Mittwoch veröffentlicht wurde, ist also zur öffentlichen Begutachtung und Kritik gedacht: Erst, wenn sich Firefox 1.0 in einer letzten, vierwöchigen Test- und "Bugfix"-phase bewährt, wird das Produkt als "fertig" gelten.

Firefox, dessen erste Betaversion im September 2002 erschien, ist schon jetzt der wohl meistgelobte und erfolgreichste Konkurrent zu Microsofts allgegenwärtigen Internet Explorer ("IE").

Platzhirsch IE: Erfolgreich trotz Probleme

Der hat im Laufe dieses Jahres sein Fett gründlich wegbekommen: Amerikanische Sicherheitsbehörden warnen wegen ständiger Sicherheitsprobleme vor seinem Einsatz, empfehlen stattdessen Firefox, Opera und andere Browser. Am Wochenende wagte sich in Deutschland BSI-Sprecher Michael Dickopf mit einer ähnlichen Empfehlung vor. IT-Experten halten so etwas durchaus für fragwürdig, denn einen wasserdichten Browser gibt es nicht - und Open Source Software ist entgegen der Legende durchaus nicht per se sicherer als "kommerzielle".

Dafür, und das zeigt Firefox, ist sie mitunter einfach besser.

Bereits mit frühen Testversionen heimste Firefox Preise ein, weil er mit komfortablen Funktionen wie Tab-Browsing oder Popup-Killer Dinge bot, die Microsoft immer noch für die nächste Generation des IE verspricht. Zudem ist die Software, die ohne eingebauten Mail-Client daherkommt, vergleichsweise schlank und beschleunigt das "Surfen" merklich.

Dem entsprechend hoch sind die Erwartungen der Fans an den kleinen Bruder des Netscape-Nachfolgers Mozilla. Was so gut ist, denken sie, müsste doch in der Lage sein, dem Internet Explorer endlich Marktanteile abzugraben.

So wird das wohl auch sein, wenn auch nicht viele.

Denn Windows-User erweisen sich als überraschend "konservativ": Sie kaufen ihre Software im Pack und zeigen wenig Bereitschaft, zusätzliche Programme zur Bewältigung von Alltagsaufgaben wie Web-Surfen zu installieren. Insofern ist Microsofts Strategie, Browser und Betriebssystem zu verbinden, voll aufgegangen. Selbst, wenn ein Alternativprodukt ihm merkliche Vorteile bringt, siegt beim Kunden zumeist das "Gewohnheitstier": Wozu einen Browser installieren, wenn doch schon einer "eingebaut" ist?

Die Browser-Opposition

Experten schätzen zumindest, dass die alten Fans von Netscape und Mozilla sechs bis acht Prozent der Surferschaft ausmachen und bereit wären, den "IE" von ihrer Festplatte zu verbannen (wenn das denn noch möglich wäre). Solche Nutzer alternativer Browser sind oft Überzeugungstäter. In ihrer Sicht ist der übermächtige IE aus Prinzip schlecht, schlimm, böse, weil er aus Redmond kommt. Ihre Opposition gegen den IE hat also fast etwas ideologisches - und selten hat sich eine Ideologie nutzbringender ausgewirkt: Ohne diese Fraktion herrschte längst eine 100-Prozent Monokultur.

"Take back the Web": Firefox wirbt mit dem Slogan, das Web zurück zu erobern

"Take back the Web": Firefox wirbt mit dem Slogan, das Web zurück zu erobern

In den letzten Jahren jedoch häuften sich die sachlichen Argumente für einen Browserwechsel. Die steigende Qualität der Alternativbrowser im Verbund mit dem langen technischen Stillstand bei der Weiterentwicklung des Internet Explorer haben den IE zur störanfälligen Klapperkiste unter lauter Neu- und Jahreswagen werden lassen.

Aktuelle Probleme löst Microsoft nicht etwa mit einer Überholung des Produktes, sondern mit immer neuen Sicherheitsflicken. Anhaltende Sicherheitsprobleme und die bisher einmalige Fähigkeit des Internet Explorer, einen Rechner schon durch bloßes Surfen mit Viren zu verseuchen, dürfte Browser-Alternativen mittelfristig die Chance geben, mehr als 10 Prozent des Browsermarktes zurück zu erobern - es sei denn, die lang angekündigte neue IE-Generation erweist sich als größerer Knaller als bisher erwartet.

Vote
Surfwerkzeuge

Hand aufs Herz und ganz ehrlich: Womit bewegen Sie sich durchs Web?

Gut wäre das für alle, und nicht zuletzt für Microsoft: Die Monopolstellung des IT-Riesen auf diversen Gebieten ist Crackern und Virenschreibern ein Dorn im Auge. Auch da liegt einer der Gründe, warum Microsoft mit so viel Sicherheitsproblemen zu kämpfen hat: Was hacken kann, stürzt sich mit Vorliebe auf die Produkte aus Redmond. Dass satt 90 Prozent aller Virenattacken die Kombination Windows-IE-Outlook betreffen, spiegelt letztlich doch nur die Marktrealitäten.

Insofern ist es kontraproduktiv, Browser wie Firefox immer nur mit dem Thema "Sicherheit" zu bewerben. Auch Mozilla und Firefox, Opera und Safari wiesen schon klaffende Sicherheitslecks auf, weitere wird man im Laufe der Zeit entdecken. Die Prognose, dass die Probleme mit Hacks und Viren analog zum steigenden Marktanteil wachsen würden, ist dabei wohl kaum gewagt.

So erklärt sich auch das Plus an Sicherheit bei Software wie Firefox, Mozilla oder Opera, bei Apples Mac OS oder Linux nicht zuletzt aus deren "Kleinheit": Virenschreiber sind Großwildjäger.

Vote
Macht Firefox dem IE Feuer?

Microsofts Internet Explorer hält Schätzungen zufolge 89 bis 94 Prozent des Browsermarktes, doch die Kritik am IE wächst. Zugleich starten Browser-Alternativen durch, die dem User teils mehr bieten: Kommt nun Bewegung in den Markt? Wie viel Potenzial haben die Alternativen wirklich?

Weit mehr zieht da das Argument, dass Browser-Alternativen (noch) mehr bieten als der IE (was sich mit der nächsten Release allerdings ändern könnte). Firefox ist derzeit der kleinste und schnellste Browser auf dem Markt - und er kann alles, was die Großen können (außer E-Mail zu verschicken) und deutlich mehr als der Internet Explorer. Spaß macht das fixe Surfbrett und ja, es mag für Bewegung im Markt sorgen, denn es ist auch ein Produkt mit einem sexy Image. Mein Tipp: 10-12 Prozent Marktanteil bis Ende 2005, 17-20 Prozent für die Alternativbrowser insgesamt. Probieren Sie's aus, bevor Sie sich eine Meinung bilden: Browser kosten ja nichts (siehe Linkliste).

Frank Patalong

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: