Bildaussetzer Premiere ruckelt

Zuschauer des Abosenders klagen seit etwa zwei Wochen über gestörte Fernsehbilder. Ein Premiere-Sprecher bestätigte die Probleme und begründete sie mit einer Anpassung der Verschlüsselung. Das Problem solle bald behoben sein.

Von


Premiere-Kanal "Blue Movie": Harte Pornografie auf Abruf

Premiere-Kanal "Blue Movie": Harte Pornografie auf Abruf

Es zuckt und wackelt nicht nur auf den Premiere-Erotikkanälen, bei denen das Ruckeln quasi zum Geschäft gehört. Seit etwa zwei Wochen klagen auch Spielfilmzuschauer über häufige Ruckler, die so schon seit längerem nicht mehr aufgetreten sind. Kunden berichten außerdem von eingefrorenen Bildern und untypischen Klötzchen.

"Das letzte mal, als es diese massiven Ruckler gab, war, als Premiere finanziell so gut wie tot war und alle von der Insolvenz sprachen", witzelte ein Zuschauer in einem Internetforum. "Ob es diesmal auch wieder mit Geldproblemen zusammenhängt?"

Anrufern bei der Premiere-Hotline wurde erklärt, die Störungen lägen an ihrem Empfangsgerät. Doch die Ruckler sind hausgemacht, wie ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte. "Es gab mehrere Fehler. Sie haben mit der Umstellung der Verschlüsselung zu tun", sagte Michael Jachan.

Im letzten Jahr hatte Premiere eine neue Verschlüsselung eingeführt, um Schwarzsehern das Wasser abzugraben. Vor zwei Wochen habe es eine weitere, kleinere Änderung gegeben. "Im Zuge dessen ist vor Ostern ein Fehler aufgefallen und behoben worden", erklärte Jachan.

Doch danach wurde ein weiterer Fehler identifiziert, dieser sei mittlerweile ebenfalls korrigiert. Seit heute sollten die Kanäle deshalb ohne Störungen laufen. "Ich schaue das Programm schon den ganzen Tag und habe keine Fehlermeldungen mehr bekommen", sagte der Premiere-Sprecher. Falls erneut Fehler auftauchen sollten, will man bei Premiere schnell an ihrer Beseitigung arbeiten.

In Internetforen wurde bereits spekuliert, die erneute Änderung bei der Verschlüsselung habe mit der Möglichkeit zu tun, dass mehrere Zuschauer eine einzige Premiere-Karte gemeinsam nutzen und die Entschlüsselungsinformationen über Internet austauschen. Diese neue Schwarzsehvariante erfordert freilich mehr technisches Know-how sowie einen Webserver und ist somit deutlich aufwendiger als die früher eingesetzten Premiereboxen mit manipulierter Software.

Sprecher Jachan will die jüngste Codeänderung nicht in Zusammenhang mit illegalen Techniken sehen. "Wir haben die Intervalle verkürzt, in denen die Verschlüsselungscodes ausgesendet werden. Dies war ohnehin vorgesehen." Dass kürzere Intervalle das Mitsehen über Internet erschweren, liegt allerdings auf der Hand.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.