Bildbearbeitung Wie aus Fotos HDR-Kunstwerke werden

HDR-Fotografie bringt eindrucksvolle Ergebnisse: Bilder, die aussehen wie gemalt, oder wie hyperreale Filmkulissen, gestochen scharf und stets leicht unwirklich. Fachmann Thomas Lauter erklärt, wie man aus normalen Fotos HDR-Kunstwerke macht - und was man dabei beachten muss.


HDR steht für "High Dynamic Range" - dabei werden mehrere Aufnahmen des gleichen Motivs miteinander verrechnet, um eindrucksvolle Effekte zu erzeugen. Bildbearbeitungsspezialist Thomas Lauter beschreibt im folgenden Artikel die wichtigsten Arbeitsschritte und Werkzeuge unter Photoshop - und mit Hilfe der freien Software HDRShop.

Zu finden sind diese Möglichkeiten aber auch in anderen Programmen, nur sind sie dort mitunter etwas anders benannt oder in anderen Menüs zu finden. Hier sämtliche Varianten aufzählen zu wollen, würde den Rahmen jedes Artikels sprengen: Lauter konzentriert sich darum auf das Programm, das in diesem Bereich die Standards vorgegeben hat. Die meisten Entwickler von Foto-Software orientieren sich in der Benennung ihrer Programmfunktionen an Photoshop. Lauters Tipps sind darum mit wenig Aufwand auch auf die meisten anderen Programme übertragbar.

Einige sehr spektakuläre Beispiele dafür, was SPIEGEL-ONLINE-Leser mit der HDR-Technik gezaubert haben, finden Sie hier.

cis/pat

1. Unzulänglichkeiten des Objektivs ausgleichen

Weniger Linsen, einfachere Materialien und weniger Aufwand bei der Vergütung der Optik äußern sich im Preis aber auch in geringerer Schärfe, sichtbarer Vignettierung oder Chromatischer Aberration.

Leider treten diese Phänomene gerade bei den typischen HDR-Lichtsituationen besonders stark in Erscheinung. Dagegen hilft folgender Trick: halten Sie die Blendenöffnung klein und wählen Sie dafür die Belichtungszeit länger. Durch die kleinere Öffnung fallen die Lichtstrahlen "ordentlicher" auf den Sensor und die Abbildungsleistung der Linse verbessert sich etwas.

Tipp: Greifen Sie zu einem hochwertigen Objektiv falls es Ihr Budget erlaubt. Lassen Sie sich nicht von großen Brennweitenbereichen beeindrucken. Wenn Ihnen die Fotografie am Herzen liegt, werden Sie an einer hochwertigen Optik bestimmt mehr Freude haben, als an einem vermeintlichen Zoom-Wunder.

2. Erschütterungen und Bewegungen der Kamera vermeiden

Die meisten HDR-Programme können die Aufnahmen automatisch ausrichten. Trotzdem ist es am besten, Erschütterungen und Bewegungen von Anfang an zu vermeiden. Dazu dient in erster Linie ein stabiles Stativ mit festem Stand. Ziehen Sie alle Schrauben am Stativ und die Stativschraube an der Kamera fest an.

Achtung: bei einem einfachen Body kann das Gewinde bei zu großer Kraftanwendung Schaden nehmen. Bei sehr schweren, großen Objektiven kann sich die Kamera während der Belichtungsreihe unmerklich nach vorne neigen – was gerade bei langen Brennweiten sehr unangenehm ist.

3. Kamera vom Laptop fernsteuern

Eine Auslösung per Kabel oder Fernbedienung hilft dabei, Bewegungen der Kamera im Moment der Aufnahme zu vermeiden. Eine Vorauslösung des Spiegels verringert kleine Vibrationen in der Kamera.

Die Luxusvariante einer Fernauslösung ist die Kamerasteuerung über USB. Spezielle Programme (z.B. DSLR Remote Pro für Canon Kameras) erlauben es, alle Funktionen der Kamera vom Laptop aus zu bedienen. Die Bilder können auf der Kamera oder am Computer gespeichert werden. Der Vorteil für den HDR-Fotografen ist einerseits, dass die Kamera während der Belichtungsreihe nicht berührt werden muss. Andererseits können beliebige Belichtungsreihen programmiert werden. Die Bracketing-Funktion der Kameras reicht in der Regel nicht für echte HDR-Aufnahmen aus. Per Computersteuerung sind innerhalb kürzester Zeit Belichtungsreihen über den kompletten Dynamikumfang möglich. Zwischen den Belichtungen vergeht nur soviel Zeit wie nötig ist, um das Bild zu speichern bzw. per USB zu übertragen.

4. Belichtungsreihen mit der einfachen Kompaktkamera

Kompaktkameras sind auf einfache Bedienbarkeit ausgelegt. In den meisten Fällen entscheidet die Kamera über die passenden Einstellungen. Die Automatik kennt aber nur den Mittelweg – eine gezielte Über- oder Unterbelichtung wie bei der HDR-Fotografie passt nicht ins Schema.

Wie bringt man eine Hosentaschen-Kamera dazu, nach der Pfeife des Fotografen zu tanzen? Die meisten Kameras bieten die Möglichkeit, eine manuelle Belichtungskorrektur um +/- zwei Blendenstufen vorzunehmen. Manchmal muss man sich dafür aber durch das Menü wühlen. Studieren Sie das Handbuch Ihrer Kamera, wahrscheinlich finden Sie eine Möglichkeit, auch die Kompaktkamera für spontane HDR-Experimente zu gebrauchen.

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