Bill Gates Vom Wunderkind zum Milliardär

Mit 13 brachte er einer einfachen Rechenmaschine Basic bei. Mit 17 verkaufte er sein erstes Programm. Und mit 19 gründete er Microsoft. Jetzt entscheidet ein Gericht über Bill Gates' Lebenswerk.


Egal ob Firmenchef oder "Software-Architekt" - für Christian Wedell, ehemaliger Geschäftsführer des deutschen Ablegers des Softwareriesen, ist Bill Gates "nach wie vor Microsoft".

Und was kommt jetzt? Nach 25 Jahren als Microsoft-Chef will sich Bill Gates wieder mehr der Software-Entwicklung widmen
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Und was kommt jetzt? Nach 25 Jahren als Microsoft-Chef will sich Bill Gates wieder mehr der Software-Entwicklung widmen

Nicht ganz zu Unrecht: Auch wenn Gates Anfang Januar nach 25 Jahren den Chefsessel zugunsten seines Freundes Steve Ballmer geräumt hat, steht er doch wie kein anderer für das Unternehmen aus Redmond.

Und er gilt für viele noch immer als der heimliche Konzernchef: Denn ganz gleich, ob das Betriebssystem Windows 2000 präsentiert wird oder im Kartellrechtsverfahren Stellung genommen werden muss, Bill Gates ist immer in vorderster Front zu sehen.

Die exponierte Stellung hat den Sohn wohlhabender Eltern sein ganzes Leben begleitet. Schon als Halbwüchsiger lehrte er in heimischen Seattle einer einfachen Rechenmaschine die Computersprache Basic. Das brachte dem damals 13-Jährigen den Ruf eines Wunderkindes ein.

Mit 17 Jahren entwickelte er ein Programm für die Stundenpläne seiner Lakeside Schule und verkaufte es für 4200 Dollar. Damit bewies er, dass er schon als Teenager nicht nur Computer programmieren, sondern auch Geschäfte machen konnte.

Während seines Studiums in Harvard verbrachte Gates den größten Teil seiner Zeit mit Computerprogrammen und nächtelangen Pokerspielen. Bereits nach zwei Jahren verließ er die Universität und entwickelte Software für einen Kleincomputer. 1975 gründete er in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico zusammen mit seinem Schulfreund Paul Allen in einem Hotelzimmer die Firma Microsoft, die Computerprogramme entwickelte.

Fünf Jahre später erteilten die Manager des Computerherstellers IBM den jungen, nachlässig gekleideten Programmierern von Microsoft den Zuschlag für ihr PC-Betriebssystem "Microsoft Data Operating System" (MS-Dos), das Microsoft selbst für 50.000 Dollar von einem Programmier erworben und weiterentwickelt hatte. Bei den Verhandlungen setzten Gates und Allen das Recht durch, MS-Dos auch an andere Firmen vergeben zu dürfen.

Viele Computerhersteller machten von dieser Möglichkeit Gebrauch, um ihre PCs mit Hilfe von MS-Dos "IBM-kompatibel" zu machen. Als Folge der Vereinbarung mit IBM eroberte Microsoft auf dem Markt für Betriebssysteme eine beherrschende Stellung.

Im März 1986 ging das Unternehmen dann an die Börse. Ein Jahr später wurde der damals 31-jährige Gates der jüngste Mensch, der eine Milliarde Dollar verdiente. Heute hält der Microsoft-Gründer noch einen Anteil von 15 Prozent an dem Softwarekonzern. Gates' Vermögen wird auf 80 Milliarden Dollar geschätzt. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

In den neunziger Jahren entwickelte eine Reihe kleinerer Firmen Internet-Browser - Programme, die PC-Nutzern den Zugang zum World Wide Web ermöglichen. Microsoft kam mit seinem eigenen Browser "Microsoft Explorer" erst später auf den Markt, gewann jedoch bald einen größeren Marktanteil als sein Hauptkonkurrent Netscape.

Wettbewerber klagten daraufhin, Microsoft nutze seine Quasi-Monopolstellung bei den Betriebssystemen, um andere Märkte zu erobern. Diese Anklage stellte einen der wichtigsten Punkte im Kartellverfahren gegen Microsoft dar.

Alexander Stirn



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