Blu-ray schlägt HD-DVD Kunden beenden Formatkrieg per Brieftasche

Es ist, als hätten die Verbraucher nur auf eine Entscheidung gewartet: Den Kampf um das DVD-Nachfolgeformat scheinen die Kunden derzeit an der Ladenkasse zu entscheiden. Der Verkauf von HD-DVD-Filmen und -Playern brach in der letzten Woche abrupt ein. Das Format wird zur Mini-Nische.


Wenn den Zahlen des US-Marktforschungsunternehmens NPD-Group zu glauben ist, dürfte der Kampf um das Nachfolgeformat für die DVD entschieden sein. Bereits eine Woche nach der Ankündigung des Medienkonzerns Warner, das Lager wechseln und künftig den Blu-ray-Standard mit Filmveröffentlichungen bedienen zu wollen, brachen die Verkaufszahlen für HD-DVD-Player angeblich dramatisch ein.

HD-Filmverkäufe in der zweiten Januarwoche: 85 Prozent Blu-ray (Zahlen: Nielsen)
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HD-Filmverkäufe in der zweiten Januarwoche: 85 Prozent Blu-ray (Zahlen: Nielsen)

Die Statistiken könnte man mit "Vor und nach dem Abschuss" beschreiben: In der ersten Januarwoche waren noch über 48 Prozent aller in den USA verkauften Player HD-DVD-Geräte. In der zweiten Januarwoche - Warner hatte seinen Ausstieg Ende der ersten Woche des Jahres verkündet - entschieden sich nur noch 7,47 Prozent der Kunden für einen solchen Player - und 92,53 Prozent für einen Blu-ray-Player. Deutlicher geht es kaum.

Der Ruck in Richtung Blu-ray fiel so heftig aus, dass er sich auch sofort auf den gesamten Marktanteil auswirkte: Der sank von 39,81 Prozent auf 30,59 Prozent - innerhalb einer Woche.

Spektakulärer Einbruch: In der zweiten Januarwoche kollabierten die Verkaufszahlen für HD-DVD-Player
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Das Schlaglicht auf die Verkäufe einer einzigen Woche wäre für das HD-DVD-Lager weniger bitter, wenn es nicht mit Zahlen korrelieren würde, die Nielsen VideoScan bereits letzte Woche veröffentlichte: Demnach waren 85 Prozent aller in den USA in der zweiten Januarwoche verkauften HD-Filme auf Blu-ray-Discs verewigt. In den Top 10 fand sich keine einzige HD-DVD mehr.

Ende letzten Jahres konnte das HD-DVD-Lager noch einen Anteil von 37 Prozent des Gesamtmarktes verkaufter Filme vermelden. Die Situation auf diesem Markt wird sich voraussichtlich nicht bessern: Sechs der großen Hollywood-Studios unterstützen mittlerweile Blu-ray, nur Universal und Paramount wollen HD-DVD noch die Treue halten. Warner wird es aufgrund vertraglicher Bindungen noch bis Ende Mai unterstützen.

Sofortige Verschiebung der Gesamt-Marktanteile: Blu-ray startet durch
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Strittig ist, ob der abrupte Einbruch der HD-DVD-Filmverkäufe wirklich bereits darauf zurückzuführen ist, dass die Kundschaft den Formatkrieg als entschieden empfindet. Mögliche Ursache wäre auch eine Sonderverkaufsaktion des Versand-Riesen Amazon, der in Amerika im betreffenden Zeitraum zwei Blu-ray-Discs zum Preis von einer auf den Markt warf. Doch auch Zahlen aus Japan scheinen den Aufwärtstrend der Blu-ray zu bestätigen: Dort stieg der Marktanteil der Blu-ray, begünstigt durch Sonys starke Marktposition und die relativ breite Verteilung der PS3, die ein Blu-ray-Laufwerk enthält, auf satte 90 Prozent.

pat

Korrektur: Im obigen Bericht war im zweiten Absatz anfangs eine für Blu-ray geltende Zahl mit einer für HD-DVD geltenden Zahl vertauscht. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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