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Böser Steve, guter Steve: Brachial-Ballmer besiegt braven Jobs

Der Kampf Microsoft gegen Apple ist entschieden - und zwar zugunsten des Software-Giganten, findet Christian Stöcker. Denn Konzernchef Steve Ballmer, seine Programme und seine Testosteronschübe sind was für Männer. Apple dagegen ist wie betreutes Computing für ängstliche ältere Damen.

Auf der Eröffnungsveranstaltung der Cebit gestern Abend gab sich Steve Ballmer visionär, geradezu staatsmännisch. Er sprach vom Klimaschutz, von einer goldenen Zukunft für Menschen und Computer - ohne zu schreien oder mit Stühlen zu werfen. Eingeweihte waren verblüfft.

Steve Ballmer: Kahler Bombenkopf, schiere Ekstase
Getty Images

Steve Ballmer: Kahler Bombenkopf, schiere Ekstase

Vielleicht lag es am legendär mäßigenden Einfluss der Kanzlerin. Abends aber, als Tom Buhrow ihn für die Tagesthemen auf die 900 Millionen Euro ansprach, die Microsoft seit kurzem der EU schuldet, wurde wieder deutlich, was Ballmer eigentlich ist.

Das Urviech der Branche. Der leibhaftige Rock'n Roll. Der Beelzebub des IT-Geschäftes.

Wie er Buhrow so unter kopfstoßbereiten Augenwülsten hervor mit bohrendem Blick anstarrte - man bekam Angst, er würde, Glatze voraus, aus dem Bildschirm hervorbrechen und den Anchorman mit der sanften Stimme auf einen Happs verschlucken.

Jetzt, nachdem sich Bill Gates in den Kreis philantropischer Lichtgestalten zurückgezogen hat, wird erst richtig deutlich: Ballmer ist die wahre Seele von Microsoft, das stählerne Herz eines Unternehmens, das schnörkellose Software für echte Kerle herstellt. Für Männer, die jeden Registry-Eintrag von Hand festzurren, die noch selbst unter die Motorhaube ihres Gigahertz-Boliden kriechen, um ölverschmiert und laut fluchend eine neue Grafikkarte ein- oder die durchgeschmorte Festplatte auszubauen.

Bei einem Mac geht das nicht. Den bringt man zum Mac-Doktor, wenn mal was kaputtgeht, zärtlich und ängstlich, so wie ältere Damen ihre weißen Pudel zum Tierarzt tragen. Microsoft-Rechner sind Redneck-Rechner, Computer mit Ecken und Kanten, lauten Lüftern und mannhaft zu bewältigenden Systemabstürzen.

Und Ballmer ist ihr Prophet.

Auf der Testosteron-Ebene ist der Wettkampf entschieden

Wie anämisch, wie blutleer dagegen der Konkurrent Apple, wie mager, leise und verzärtelt Ballmers Widerpart Steve Jobs! Hier der gute Steve, da der böse Steve, hier schwarzer Rolli, da durchgeschwitztes Hemd, hier Reclam-Bärtchen, da kahler Bombenkopf, hier Hamlet-Gestik, dort schiere Ekstase.

Im Ring gäbe man Jobs gegen Ballmer keine drei Minuten - außer er holte sich den alten Kumpel Steve Wozniak zu Hilfe. Ballmer & Gates vs. Jobs & Woz - ein Tag-Team-"Celebrity Deathmatch", das man gerne sähe. Aber Woz ist weg - und Gates jetzt auch schon fast. Auf der Testosteron-Ebene scheint der Kampf der kommerziellen Betriebssysteme damit so gut wie entschieden.

Für Apple-Produkte gilt übrigens Ähnliches wie für den Chef: Im Grunde sind Macs Rentnerrechner, betreutes Computing gewissermaßen. Keine Viren, kaum Systemcrashs, automatische Festplattenbereinigung - mit einem Apple zu arbeiten, ist wie Nordic Walking. Eine Idee langsamer als sonst und mit teuren Krücken, die dafür sorgen, dass man nicht umfällt.

Ein Arbeitstag an einem Windows-Rechner ist dagegen ein Tanz auf dem Vulkan, ein Ritt auf einem wilden, ungezähmten Bullen, mit der Wut des bösen Steve im Bauch.

Die AC/DC-Augen des Microsoft-Chefs

Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit Linux. Freie Betriebssysteme dürfen bei diesem Spiel nicht mitmachen. Was kein Geld kostet und von irgendwelchen Langhaarigen in ihrer Freizeit erarbeitet wird, ist zum Stock-Car-Rennen der Giganten nicht zugelassen.

Microsoft hat mit Ballmer jetzt endlich den richtigen Mann an der Spitze, das ist spätestens seit gestern Abend deutlich. Einen, der sich das Internet eben kauft, wenn er es anders nicht kriegen kann, einen, der brüllt und Möbel schmeißt, wenn die anderen seine Leute abwerben.

Als Buhrow Ballmer völlig zu Recht fragte, ob Microsofts "Surface"-Computer eigentlich gar nichts Neues sei, sondern bloß ein Tisch mit Touchpad, da lachte Ballmer ein bisschen. Diabolisch natürlich. Dann starrte er mit seinen AC/DC-Augen in die Kamera, lächelte wie ein Haifisch mit Lust auf ein bisschen Buhrow und behauptete dann, ganz ernsthaft: "Das ist wirklich eine Revolution."

Rock'n Roll.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
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1. Netter Artikel
Foul Breitner 04.03.2008
Freut mich, daß mal gerade raus geschrieben wird, ohne sich in seinen Fremdwörterkenntnissen zu aalen.
2. Microsoft vs Apple
quadratlatsche 04.03.2008
Leider immer noch ziemlich aktuell... Wenn Gerneral Motors eine Technologie wie Microsoft entwickelt haette, dann wuerden wir heute alle Autos mit folgenden Eigenschaften fahren: - Ihr Auto wuerde ohne erkennbaren Grund zweimal am Tag einen Unfall haben. - Jedesmal, wenn die Linien auf der Strasse neu gezeichnet werden wuerden, muesste man ein neues Auto kaufen. - Gelegentlich wuerde ein Auto ohne erkennbaren Grund auf der Autobahn einfach ausgehen und man wuerde das einfach akzeptieren, neu starten und weiterfahren. - Wenn man bestimmte Manoever durchfuehrt, wie z.B. eine Linkskurve, wuerde das Auto einfach ausgehen und sich weigern, neu zu starten. Man muesste dann den Motor erneut installieren. - Man kann nur alleine in dem Auto sitzen, es sei denn, man kauft "Car95" oder "CarNT". Aber dann muesste man jeden Sitz einzeln bezahlen. Macintosh wuerde Autos herstellen, die mit Sonnenenergie fahren, zuverlaessig laufen, fuenfmal so schnell und zweimal so leicht zu fahren sind, aber sie laufen nur auf 5% der Strassen. ;-) - Die rl-Kontroll-Leuchte, die Warnlampen fuer Temperatur und Batterie wuerden durch eine "Genereller Auto-Fehler" Warnlampe ersetzt. - Neue Sitze wuerden erfordern, dass alle die selbe Gesaess-Groesse haben. - Das Airbag-System wuerde fragen "Sind sie sicher?" bevor es ausloest. - Gelegentlich wuerde das Auto Sie ohne jeden erkennbaren Grund aussperren. Sie koennen nur wieder mit einem Trick aufschliessen, und zwar muesste man gleichzeitig den Tuergriff ziehen, den Schluessel drehen und mit einer Hand an die Radioantenne fassen. - General Motors wuerde Sie zwingen, mit jedem Auto einen Deluxe Kartensatz der Firma Rand McNally (seit neuestem eine GM Tochter) mit zu kaufen, auch wenn Sie diesen Kartensatz nicht brauchen oder moechten. Wenn Sie diese Option nicht warnehmen, wuerde das Auto sofort 50% langsamer werden (oder schlimmer). Darueberhinaus wuerde GM deswegen ein Ziel von Untersuchungen der Justiz. - Immer dann, wenn ein neues Auto von GM vorgestellt werde wuerde, muessten alle Autofahrer das Autofahren neu erlernen, weil keiner der Bedienhebel genau so funktionieren wuerde, wie in den alten Autos. - Man muesste den "Start"-Knopf druecken, um den Motor auszuschalten.
3. in der tat netter artikel, aber ...
forever_techno, 04.03.2008
... ein bisschen biegt er sich die Realität zurecht. Wer hat schon Zeit und - wohlgemerkt - Lust darauf, sich den lieben langen Tag mit "Redneck-Rechnern, Computern mit Ecken und Kanten, lauten Lüftern und mannhaft zu bewältigenden Systemabstürzen" herumzuplagen, bitte schön, wenn es doch auch entspannt und ohne Probleme am Mac geht? Nee, dann bin ich lieber brav und setze mich freiwillig dem Ruf aus, ein alter Rentner zu sein (was ich by the way noch lange nicht bin, auch weil mein Computer - rein optisch betrachtet - ziemlich jung, frisch und hip wirkt).
4. Danke!
darron02 04.03.2008
Super Artikel. ("...Appetit auf ein bisschen Buhrow") Den bekommen alle meine tatsächlich völlig (Computer)-ahnunglosen Freunde, die einen Mac benutzen...Lange nicht mehr so gelacht!
5. Jetzt weiß ich endlich,
kalle_s 04.03.2008
... warum ich immer noch Windows nutze: weil ich ein ganzer Kerl bin. Diese reinweiße Pseudo-Tech-Zeugs ist doch nur was für Luschen! Und Steve Ballmer hat allemal einen größeren Unterhaltungswert als Steve Jobs. Danke für den unterhaltsamen Artikel, habe sehr geschmunzelt. So schlecht ist die Microsoft-Technik ja auch gar nicht. Die meisten Windows-Abstürze oder erfolgreichen Virenattacken sind schlicht und einfach auf PEBKAC zurückzuführen. Schlecht ist nur der Mißbrauch der Marktmacht; die EU-Strafe kam schon nicht ganz zu Unrecht.
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