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Book on Demand: "Wir drucken weniger Schund als andere"

Für einige hundert Euro kann sich jeder Möchtegern-Schriftsteller den Traum vom eigenen Buch verwirklichen. BoD-Chef Pascal Zimmer erklärt im Interview, warum Hobby-Autoren ein gutes Geschäft sind und weshalb selbst große Verlage an Print on Demand nicht vorbeikommen.

Pascal Zimmer: Chef der Book on Demand GmbH (BoD)
SPIEGEL ONLINE

Pascal Zimmer: Chef der Book on Demand GmbH (BoD)

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In den neunziger Jahren galt Publishing-on-Demand als Innovation des Verlagswesens schlechthin. Heute redet kaum noch jemand darüber. Was haben Sie falsch gemacht?

Zimmer: Falsch gemacht haben wir gar nichts. Alle Verlage beschäftigen sich nach wie vor mit diesem Thema, gerade in der heutigen Situation, wo sie finanziellen Druck haben wegen hoher Lagerbestände und hoher Remissionsquoten. Dass heißt, viele Bücher kommen unverkauft wieder aus den Buchläden zurück. Aber es ist durchaus so, dass in den Boomzeiten des Internets Publishing-on-Demand aufgeblasen worden ist, dass man ganz große Erwartungen hatte. Die hatten wir nie. Wir glaubten jedoch immer, dass es ein gutes Geschäft ist mit einem bedeutenden Volumen, aber niemals, dass es den klassischen Druck ersetzen wird.

SPIEGEL ONLINE: Wieso ist das für Verlage ein Thema? Die veröffentlichen Bücher in Zehntausender Auflage in nicht nur ein paar Hundert.

Publishing on Demand: Auf Wunsch auch gebundene Bücher

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Zimmer: Die Auflagen in den meisten Verlagen sind gar nicht so hoch, sie gehen immer weiter zurück. Man hat ein sehr breites Programm, bei mittleren und kleineren Verlagen mit Auflagen von 2000 Stück. Und jetzt gibt es einen entscheidenden Vorteil: Der Verlag kann sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren, in dem er wenige Renner hat und gleichzeitig ein breites Verlagsprogramm machen on Demand - ohne hohe Kapitalbindung, ohne das Risiko, ein teures Lager zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Verlage wie dtv oder Fischer machen bis heute aber noch kein Book-on-Demand.

Zimmer: Wir reden mit allen großen Verlagshäusern. Ein großer Verlag, der bereits on Demand druckt, ist beispielsweise Campus. Er nutzt dies bei Büchern mit geringerer Auflagen, um die Rechte an Titeln zu behalten oder, um eine Veröffentlichung überhaupt zu ermöglichen.

SPIEGEL ONLINE: Die bei Ihnen gedruckten Werke scheinen vor allem von Möchtegern-Literaten und Hobby-Autoren zu stammen. Drucken Sie nicht eigentlich eher nur Schund?

Zimmer: Wir drucken nur dann, wenn ein Buch wirklich verkauft wird - ganz im Unterschied zum klassischen Verfahren. Ich würde genau das Gegenteil behaupten: Wir drucken weniger Schund. Wenn ein Buch wirklich schlecht ist, dann verkauft es sich auch einfach nicht. Es gibt in der Tat sehr viele Autoren, die das Schreiben als Hobby betreiben. Die machen das sehr gern und haben ihren Leserkreis in der Familie. Denen soll das gegönnt sein. Warum sollen die nicht ein Buch machen können? Es gibt auch eine Reihe namhafter Autoren, die bisher bei großen Verlagen waren und jetzt bei uns Kunde sind, wie Renan Demirkan, Maja Langsdorff oder Else Buschheuer. Die können bei uns dann ein Buch machen, so wie sie es haben wollen, was bei großen Verlag selten klappt.

SPIEGEL ONLINE: Wieviele Autoren haben Sie und wie viele Bücher wurden bisher bei Book-on-Demand insgesamt gedruckt?

Zimmer: Wir haben für 3000 Autoren und insgesamt 10.000 Titel abgewickelt. Darunter sind rund 20 namhafte Autoren, die auch in der Presse bekannt sind - und das ist gar nicht so wenig, wenn man die ganzen wissenschaftlichen Titel und Sachbücher berücksichtigt.

SPIEGEL ONLINE: Was war der Bestseller bei BoD?

BoD-Produktion in Norderstedt: Druck binnen 24 Stunden

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Zimmer: Bestseller war das Buch "Hagakure", ein Ehrenkodex für Samurai-Kämpfer, der auch im Film "Ghostdog" zitiert wird. Von diesem Buch wurden seit Veröffentlichung im Jahr 2000 rund 27.000 Exemplare verkauft. Das ist noch heute ein sehr gutgängiges Buch, obwohl es inzwischen auch parallel bei Piper als Taschenbuch angeboten wird.

SPIEGEL ONLINE: Welche Art von Büchern ist für Publishing-on-Demand besonders gut geeignet? Sachbuch, Roman, Autobiografie? Wie wird es zum Erfolg?

Zimmer: Sachbücher haben generell einen Vorteil: Ich kann sie im Internet recherchieren und Sie haben eine größere Chance, aufgerufen und bestellt zu werden. Ob sich ein Buch gut verkauft, hängt natürlich davon ab, ob ich genug Interessenten ansprechen kann. Das ist zum Beispiel bei unserem Bestseller "Hagakure" gelungen. Da gab es den Film "Ghostdog" - Zielgruppe sind alle, die den Film gesehen haben. Der Autor und der Verlag haben dann eine Homepage gemacht und diese Interessenten auf sich gezogen und im Nu war das Buch auf der Amazon-Bestsellerliste.

SPIEGEL ONLINE: Ein On-Demand-Taschenbuch - Schwarz-Weiß mit 200 Seiten - muss im Laden 15 Euro kosten, damit dem Autor pro Exemplar 2,50 Euro Honorar bleiben. Sind Ihre Preise nicht immer noch zu hoch?

Zimmer: Unsere Stückpreise sind natürlich höher, als wenn ich 10.000 Bücher herkömmlich produzieren lassen würde. Aber wir sind in der Zwischenzeit technisch auf einem Stand, wo sich die Herstellungskosten eignen, Bücher im Buchhandel zu verkaufen. Gleichzeitig muss man berücksichtigen, dass die Käufer dieser Bücher aus Nischenbereichen durchaus bereit sind, einen etwas höheren Ladenpreis zu bezahlen. Bei einem ganz exotischen Buch über ein spezielles wissenschaftliches Thema kommt es auf ein, zwei Euro nicht an.

SPIEGEL ONLINE: Bei einem 200-Seiten-Taschenbuch: Bis zu welcher Auflage ist Publishing-on-Demand billiger als herkömmlicher Druck?

Zimmer: Ich würde die Grenze in der Zwischenzeit bei 1500 bis 2000 sehen. Unterhalb dieses Bereichs lohnt sich unser Verfahren auf jeden Fall. Bei höheren Auflagen bieten wir den Kunden den Offsetdruck an, aber die Nachauflage, die produzieren wir dann On Demand.

SPIEGEL ONLINE: Wie hoch war ihr Umsatz im Jahr 2003? Wieviel Bücher wurden gedruckt?

Zimmer: Ich kann Ihnen soviel sagen: Wir sind ein profitables Unternehmen und machen Millionenumsätze.

SPIEGEL ONLINE: Wo sehen Sie die größten Potenziale - wo das größte Geschäft in der Zukunft?

BoD-Bücher: Bestseller 27.000 Mal gedruckt

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Zimmer: Ich glaube, dass es im Autorenbereich ein erhebliches Potenzial gibt, weil wir die Freiheit für die Autoren bieten, dass sie es so machen können, wie sie wollen. Der Wunsch, ein eigenes Buch zu machen, ist unter den Deutschen durchaus verbreitet. Und wenn man nach Amerika schaut, dann sind sie Zahlen noch deutlich größer als bei uns.

SPIEGEL ONLINE: Also befriedigen Sie mit Ihrem Produkt vor allem die Eitelkeit der Schreiber?

Zimmer: Das kann durchaus sein, dass das was mit Eitelkeit zu tun hat, andererseits aber auch mit Hobby. Aber was ist Schlechtes an dem Hobby, wenn man es mit Tennis oder Golf vergleicht? Schreiben fordert ja den Intellekt. Und wenn man an Pisa denkt, dann ist das ja in dem einen oder anderen Fall auch nicht schlecht, wenn man sich intellektuell beschäftigt. Ob daraus ein Bestseller wird, ist eine andere Frage. Doch es geht nicht nur um den Autorenbereich: Parallel dazu bietet das Verlagsgeschäft erhebliches Wachstumspotenzial.

SPIEGEL ONLINE: Wo da genau?

Zimmer: Wie bieten Verlagen an, Nachauflagen On Demand herzustellen, um die Rechte an den Büchern zu behalten. Auch kleinere Auflagen wissenschaftlicher Bücher sind interessant. Unser neues Verfahren "Color Plus" eignet sich hervorragend für Bücher, die bisher gar nicht in gedruckter Form veröffentlicht wurden, weil eine Farbproduktion zu teuer war. Das sind naturwissenschaftliche Bücher mit farbigen Abbildungen. Da ist man ausgewichen auf Online-Veröffentlichung. Das ist jetzt alles zu einem sehr günstigen Preis möglich. Also auch für reguläre Verlage, nicht nur für Dissertationsverlage.

SPIEGEL ONLINE: Wieso werden Bücher mit "Color Plus" billiger?

Zimmer: Ich kann mit dem Verfahren eine einzelne Farbseite in ein Schwarz-Weiß-Buch einbinden. Bisher musste ein 200 Seiten Buch mit zehn Farbseiten komplett in Farbe gedruckt werden, jetzt drucke ich 190 Seiten Schwarz-Weiß und nur zehn in Farbe. Dem Buch sieht man das nicht an, denn es wird durchgängig auf eine einheitliche Papiersorte gedruckt.

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