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Browser-Trends: Der Feuerfuchs hetzt den Explorer

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2009 will Microsoft die Karten neu mischen, mit dem Internet Explorer 8 soll der seit langem anhaltende Verlust von Browser-Marktanteilen aufgehalten werden. Zeit dafür ist es: Weltweit liegt der Explorer erstmals unter 70 Prozent - und in Deutschland könnte ihn Firefox sogar überholen.

Ihre aktuelle Ausgabe der monatlichen Browser-Statistiken versieht das US-Marktforschungsunternehmen Net Applications mit einem regelrechten Warnhinweis: "Die Feiertage im Dezember", heißt es da, "haben sich stark zugunsten der Heimnutzung gegenüber der Business-Nutzung ausgewirkt. Das wiederum erhöht den relativen Marktanteil von Macs, von Safari, Firefox und anderen Produkten mit einer relativ hohen Heimnutzungsquote. Daher sollten alle Nutzerstatistiken für den Dezember vor diesem Hintergrund gelesen werden."

Internet-Browser: Zu Hause wird anders gesurft als im Büro

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Die freundliche Warnung vor den Wacklern in der Statistik trägt in sich schon eine Botschaft: Wenn Computernutzer nicht dienstlich vor dem Rechner sitzen, nutzen sie andere Maschinen und Programme als am Arbeitsplatz. Dann liegt - wie im Dezember 2008 - der laut Net Applications marketshare weltweite Marktanteil von Apples Mac OS X eben nicht bei 8,87 Prozent, sondern bei 9,63 Prozent. Und natürlich zeigen die Dezemberzahlen auch Verluste beim Marktanteil des Internet Explorer und entsprechende Zuwächse bei den alternativen Browsern (siehe Tabelle).

Fragt sich nur, ob das wirklich am Dezember liegt. Denn auch das zeigen die Net-Applications-Zahlen: Dieser Trend am Browsermarkt ist so stabil wie langfristig. Die Verluste des Internet Explorer im Dezember 2008 gegenüber dem November fallen mit minus 1,62 Prozent kaum größer aus als die Novemberverluste im Vergleich zum Oktober (minus 1,5 Prozent).

Die Veränderung beschleunigt sich

Innerhalb eines Jahres hat der Explorer nun 7,89 Prozent Marktanteil eingebüßt. Im Jahr davor waren es nur knapp vier Prozent gewesen. Kurzum: Der Verlust von Marktanteilen beschleunigt sich, entsprechend steigen die Marktanteile von Safari, Opera, seit kurzem Google Chrome, vor allem aber von Firefox.

Browser-Charts Dezember 2008
Platz Browser Marktanteil Veränderung zum Vormonat Veränderung zum Vergleichsmonat Vorjahr
1 Internet Explorer 68,15% -1,62% -7,89%
2 Firefox 21,34% +0,56% +4,54%
3 Safari 7,93% +0,80% +2,34%
4 Chrome 1,04% +0,21% -
5 Opera 0,71% +/-0% +0,07%
6 Netscape 0,57% -0,04% -0,09%
7 Andere 0,26% +0,01% +0,07%
Weltweite prozentuale Marktanteile laut Net Applications

Und das könnte sich 2009 noch beschleunigen - der Browsermarkt könnte ein Jahr der Entscheidung erleben. Dazu trägt nicht nur bei, dass die Browser-Alternativen von immer mehr Nutzern als bessere Produkte empfunden werden, die sie bei ihrer privaten Nutzung dann vorziehen, sondern möglicherweise hilft auch die Politik nach: Aktuell verlangt die EU-Kommission von Microsoft, Browsersoftware und Betriebssystem zu entkoppeln. Es könnte wieder einmal um ein empfindliches Bußgeld gehen, das Milliardenhöhe erreichen könnte.

Das wirkt wie ein verspätetes Echo auf den "Browser War" zwischen Microsoft und Netscape in den Neunzigern und die darauffolgenden Kartellprozesse gegen Microsoft, ist aber als Maßnahme gegen Wettbewerbsverzerrungen gedacht: Nach wie vor sieht die EU-Kommission in der Vorinstallation des Internet Explorers einen unfairen Wettbewerbsvorteil. Seit zehn Jahren rangelt die Kommission aus diesem und anderen Gründen mit Microsoft, brummte dem Konzern bisher Bußgelder in Höhe von 1,7 Milliarden Euro auf.

Jetzt erwägt die EU Kommission sogar, die Auslieferung von Windows, respektive PC mit vorinstallierten Betriebssystemen mit einer Auswahl alternativer Browser zu erzwingen. Der "Heimvorteil" des Internet Explorers würde sich damit zumindest in Europa verflüchtigen.

Nicht, dass der noch sonderlich groß wäre. Der europäische Markt ist in Bezug auf die Browsernutzung völlig anders als der internationale - nirgendwo sind Microsofts Marktanteile niedriger und Mozillas höher. Insbesondere in Deutschland ist Mozillas Firefox auf dem besten Wege, zum Mehrheitsbrowser zu werden.

Deutschland: kippende Mehrheiten

In den Nutzerstatistiken von SPIEGEL ONLINE ist er das an Wochenenden schon lang. Sie zeigen Firefox bei über 50 Prozent Anteil, sobald die Firmenrechner ausgehen, während der Internet Explorer inzwischen unter 35 Prozent vor sich hindümpelt. Das allerdings ist nicht repräsentativ: Je informierter die Leserschaft auch in Sachen IT ist, desto höher die Nutzungsquote alternativer Browser. Die Nutzerschaft von SPIEGEL ONLINE liegt hier augenscheinlich über dem Durchschnitt.

Doch auch der bundesdeutsche Durchschnitt nähert sich langsam diesem Bild an, behauptet zumindest die neueste W3b-Umfrage des Marktforschungsunternehmens Fittkau & Maaß. Das versucht sich seit 1995 daran, die Demografie der deutschen Web-Nutzer und ihre Vorlieben zu erfassen. 2009, glauben die Marktforscher, "wird sich zeigen, ob Firefox (...) auch die Gesamt-Marktführerschaft erreichen wird". Denn im Feld der "modernen" Browser der neuesten Generation habe Firefox die in Deutschland bereits erlangt: Firefox 2 und 3 lägen mit zusammengenommen 38 Prozent Marktanteil knapp vor dem Internet Explorer 7 mit 37 Prozent.

Zwei gegen einen wirkt ein wenig konstruiert, doch auch insgesamt seien die Internet-Explorer-Browser in Deutschland auf nur noch 53,9 Prozent Marktanteil gefallen, sagen Fittkau & Maaß, die Mozilla-Browser seien Microsoft mit 38,9 Prozent auf den Fersen. "Sollte sich dieser Trend fortsetzen", schlussfolgern die deutschen Marktforscher, "ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Firefox die Spitzenposition unter den Browsern einnimmt."

Der Browsermarkt 1996 bis Ende 2008: Aufstieg und Niedergang des Explorers, Abstieg von Netscape/Mozilla - und Wiederaufstieg als Firefox

Der Browsermarkt 1996 bis Ende 2008: Aufstieg und Niedergang des Explorers, Abstieg von Netscape/Mozilla - und Wiederaufstieg als Firefox

Diese Frage wird sich auch daran entscheiden, ob es Microsoft gelingt, mit dem Internet Explorer 8 qualitativ zu den Konkurrenten Firefox, Safari und Opera aufzuschließen. Zuwächse zeigt in den vergangenen zwei Monaten auch der nachgebesserte Google-Chrome-Browser, dessen weltweiter Marktanteil von 1,04 Prozent aber noch mit Vorsicht zu genießen ist: Neuveröffentlichungen führen immer zu Ausschlägen in einer Probierphase. Es bleibt abzuwarten, ob sich Google dauerhaft in dieser Region etablieren kann oder sogar Zuwächse verzeichnet.

So oder so: 2009 wird ein ungewöhnlich spannendes Jahr auf dem Browser-Markt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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    Seite 1    
1. MS ist nicht zu Standards fähig
wrzlbrnft 28.01.2009
Immer wieder versucht MS mit eigenen Lösungen Standards zu verhindern. Die MS-Lösungen sind dabei umständlich und bedienerunfreundlich. So zwingt mich MS bei Updates den IE zu verwenden und belegt dann den Rechner unnötig um zum wiederholten Mal festzustellen, dass die aktuelle Software zum Betriebssystem-update vorhanden ist. Das nervt.
2. Microsoft muessten den Leuten schon Geld geben
multics 28.01.2009
damit sie den IE benutzen. Vista floppte. Zune floppt.Linux macht druck bei Netbooks & Phones. Apple im teuerem Segment. Wenn man sich das SEC Filing fuer Q4 2008 anschautso sieht man, dass MSFT in fast allen Bereichen abgebaut hat (Ausnahme: Die "Server and Tools" Sparte). Die Kriegskasse war mal mit c.a. 50 Mrd $ aufgefuellt.Heute ist sie nur noch etwas ueber 20 Mrd $. Huch...was ist denn da passiert? Selbst Apple hat mehr Cash. MSFT ist angezaehlt. Wenn Windows7 auch noch flopptdann sind die Weg vom Fenster (nicht pleite aber kein Monopol mehr).
3. alternative nur bei Browsern?
soulless72 28.01.2009
"Je informierter die Leserschaft auch in Sachen IT ist, desto höher die Nutzungsquote alternativer Browser. Die Nutzerschaft von SPIEGEL ONLINE liegt hier augenscheinlich über dem Durchschnitt." Die Nutzungsquote alternativer Software scheint sich bei Spiegelinformierten aber auf den Browser zu beschränken. Unter einem alternativen OS bekommt es SPON jedenfalls nicht hin die JS-Weiche für Flash-Erkennung so zu programmieren das sie mit FF unter Linux den installierten und funktionierenden Adobe Flash Player 10.0.15.3 erkennt. Und man wäre als gequälter OSS-Nutzer ja schon zufrieden mit einem Link a la "Ich habe Flash also zeig mir das Video" ... um es auch mal hier zu erwähnen.
4. Ähm....
elektritter 28.01.2009
das SpON Firefox tatsächlich mit Feuerfuchs übersetzt kann als überaus peinlich angesehen werden. Wenn schon dann bitte Rotfuchs - oder "Kleiner Panda".
5. Feuerfuchs - Rotfuchs
Crom 28.01.2009
Zitat von elektritterdas SpON Firefox tatsächlich mit Feuerfuchs übersetzt kann als überaus peinlich angesehen werden. Wenn schon dann bitte Rotfuchs - oder "Kleiner Panda".
Rotfuchs heißt aber auf Englisch "red fox" http://en.wikipedia.org/wiki/Red_Fox
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