Browser-Update Firefox gewinnt weiter

Auch in den USA macht sich inzwischen der Firefox-Effekt bemerkbar. Der Marktanteil des Internet Explorer ist weltweit unter 90 Prozent gesunken. In Deutschland haben Firefox und Mozilla dem Branchenführer schon rund 20 Prozent abgejagt.


Liebling der "Nerds" und Netheads: Firefox

Liebling der "Nerds" und Netheads: Firefox

Am 9. November veröffentlichte die Mozilla Foundation die erste offizielle Vollversion von Firefox. Der hatte bereits als Betaversion zahlreiche Nutzer für sich gewinnen können - zu Lasten des Marktführers Microsoft Internet Explorer. Am 9. November kamen noch mehr hinzu, und der Effekt zeigte sich umgehend in den Nutzerstatistiken großer Webseiten-Betreiber.

Die SPIEGEL-Statistiken, basierend auf über 200 Millionen Seitenaufrufe pro Monat, zeigten den Firefox-Effekt als regelrechten kleinen Ruck: Microsofts "Marktanteil" an unseren Logstatistiken fiel binnen zweier Tage von 72,14 Prozent auf 69,36 Prozent, während Mozilla (auch Firefox wird als Mozilla gezählt) zugleich um 2,33 Prozent auf einen Anteil von 21,64 Prozent stieg. Ein Zufall?

Kaum, eher ein Trend. Firefox/Mozilla legen seitdem langsam, aber stetig zu: Ihr Zuwachs ist selbst bei einem Messabstand von nur vier Tagen gut sichtbar. Zeitgleich fiel der MSIE bis zum 18. November und stagniert seitdem bei rund 69 Prozent. Firefoxes leichte Zugewinne gehen seitdem zu Lasten anderer Browser.

Trends, die sich auch international zeigen, wenn auch weniger deutlich als in Deutschland: Nach Erkenntnissen des Amsterdamer Marktforschungsunternehmens OneStat ist der Weltmarktanteil von Microsofts Internet Explorer auf nun noch 88,9 Prozent gesunken - noch immer ein quasi-Monopol von erdrückendem Gewicht. Bermerkenswert ist, dass dieses überhaupt krümelt: Sieben Jahre lang dominierte Microsofts allgegenwärtiger Browser den Markt mit stetem Wachstum, seine Vorherrschaft schien unumstößlich.

Auszug aus den Browser-Statistiken von SPIEGEL ONLINE, basierend auf über 200 Millionen Seitenaufrufen pro Monat

Auszug aus den Browser-Statistiken von SPIEGEL ONLINE, basierend auf über 200 Millionen Seitenaufrufen pro Monat

Das könnte sich - bedingt durchs Microsofts wiederholte akute Sicherheitsprobleme und den enormen Image-Gewinn der Mozilla-Foundation - geändert haben. "Es scheint", sagt OneStat-Chef Niels Brinkmann, "dass die Nutzer von Microsofts Internet Explorer zu Mozillas neuem Firefox-Browser wechseln."

So langsam spricht sich herum, dass das auch gar nicht so schwer ist. Jahrelang gaben Web-Nutzer dem Internet Explorer den Vorzug, weil sich dieser sowieso vorinstalliert auf ihren Windows-PCs befand. Die Installation eines zusätzlichen Browsers scheuten da viele - vor allem, da die Leistungen der Browsersoftware weitgehend vergleichbar waren.

Nun kommt Firefox daher, ein merklich schlanker Browser, dem nachgesagt wird, dem Nutzer mehr Bequemlichkeit und Sicherheit zu bieten. Das überzeugt - anders als früher - nun scheinbar sogar Netz-Neulinge.

Und dem hilft die Mozilla-Fangemeinde ja auch kräftig nach. In Anzeigenkampagnen und kostenlos geschalteten Web-Inseraten wird für Firefox geworben, Web-Kampagnenseiten sorgen für die Versorgung mit Werbematerial und Browsersoftware. Der Hertener Web-Designer Ralph Segert setzte sich gar an den Schreibtisch und schrieb ein Tutorial in elf einfachen Kapiteln, das echten Anfängern den Umstieg erleichtern soll: "Mit Firefox per Du".

Frank Patalong

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