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Browsermarkt: Sieger ist, wer trotzdem wächst

Die Zeiten, in denen Browserhersteller sich auf Fangemeinden und Stammkunden stützen konnten, scheinen ihrem Ende entgegen zu gehen: Die Marktanteile "wackeln", je nachdem, wer gerade mit Sicherheitslecks in der Kritik steht. Das aber ist in den letzten Wochen der Liebling der Web-Gemeinde: Firefox.

Firefox: Schlechte Schlagzeilen verlangsamen Wachstum

Firefox: Schlechte Schlagzeilen verlangsamen Wachstum

IT-Sicherheitsexperten müssen sich um ihre Jobs so schnell keine Sorgen machen: Mit den täglichen Warnungen vor Lecks und Viren ließen sich ganze Zeitungsseiten füllen. Das ist nicht witzig, und IT-Security ist vor allem deshalb ein Thema, weil die Computernutzer die Nase gestrichen voll haben: Vorbei die Zeit, in der eine Virenpest wie "I Love You" als eine Art elektronisches Unwetter wahrgenommen wurde oder sich User von unverständlichen Windows-Absturzmeldungen eine Mitschuld am Versagen des Rechners einreden ließen.

Heute wird das Loch in Browser, Betriebssystem und Anwendungssoftware als Versagen des Entwicklers gesehen - in Anbetracht der schieren Masse der gemeldeten Fehler ein wahrlich naheliegender Gedanke.

Als Spitzenreiter unter den Leck-Produzenten gilt seit Jahren Microsoft, das mit seinen Windowssystemen, Officeanwendungen und Internetprogrammen den Markt monopolartig beherrscht. Immun sind aber auch die Konkurrenten nicht. Selbst Apple leistete sich im neuen "Tiger"-Betriebssystem eine geradezu microsoftige Sicherheitslücke, die potenziellen Angreifern über den Safari-Browser und die neuen, "Widgets" genannten Applikationen direkten Zugriff auf die Betriebssystemebene erlauben könnte.

In den letzten Wochen heulten zudem mehrere Male die Sirenen in Bezug auf einen anderen Liebling der PC-Gemeinde: Firefox.

Der von der Mozilla-Foundation entwickelte Open-Source-Browser gilt quasi per definitionem als die sicherere Alternative zu Microsofts Internet Explorer MSIE.

Dem jagte der "kleine Mozilla" im Verlauf des letzten Jahres kräftig Marktanteile ab. Zumal in Europa und besonders in Deutschland scheint derzeit Microsofts Monopol auf dem Browsermarkt nicht nur erschüttert, sondern beendet. In den Logstatistiken von SPIEGEL ONLINE (basierend auf rund 276 Millionen Seitenaufrufen im April 2005) erscheint Mozilla/Firefox mittlerweile mit einem Marktanteil von knapp über 30 Prozent. In den USA gilt es dagegen schon als sensationeller Erfolg, dass Firefox den MSIE unter 90 Prozent Marktanteil drücken konnte.

Momentaufnahme: Browserstatistik SPIEGEL ONLINE, 10. Mai 2005
MSIE 63.18%
Firefox 30.15%
Opera 2.70%
Netscape 2.47%
AOL 0.74%
Konqueror 0.42%
Andere (inklusive Safari) 0.31%

Dort aber, wo Microsofts Marktmacht unangefochtener ist als irgendwo sonst, zeigt sich auch deutlich die neue Flatterhaftigkeit der Browserkundschaft: Genutzt wird, was zum gegebenen Zeitpunkt als sicher gilt. Oder im Klartext: Wer schlechte Presse bekommt, erntet schlechte Zahlen.

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Fünf Jahre lang konnte selbst mieseste Presse den MSIE nicht erschüttern. Otto-Normalsurfer nutzte den Browser, den er auf seinem Rechner vorinstalliert fand. Alles andere war ihm anscheinend entweder zu umständlich oder zu unheimlich.

Das änderte sich erst im Sommer 2004, als sich beim MSIE die Probleme häuften und mit Firefox zudem ein "klein aber fein"-Browser erschien, der sich wirklich intuitiv bedienen ließ. Den nicht enden wollenden Erfolg hat aber auch Firefox nicht gepachtet.

Einige Meldungen über Probleme bei Firefox reichten im letzten Monat offenbar, die monatlichen Zuwächse des Browsers zum zweiten Mal in diesem Jahr auszubremsen. Im letzten Monat, meldet das Marktforschungsunternehmen WebSideStory, stieg Firefox' Marktanteil nur noch um einen Zehntelprozentpunkt auf 6,8 Prozent.

Bei der Mozilla Foundation wächst der Unmut über solche Meldungen. Noch immer sei ihr Browser der großen Konkurrenz in Sachen Sicherheit weit voraus.

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Browser: Erobert Microsoft den Markt zurück?

Die kleinen Konkurrenten des MSIE jagten dem Microsoft-Browser seit Jahresfrist kräftig Marktanteile ab. Im Juli soll der neue MSIE kommen und die alte Marktposition zurück erobern. Mit Aussichten auf Erfolg?

"Ja, wir hatten ein paar Sicherheits-Updates, aber die waren dazu da, potenzielle Sicherheitslücken zu schließen", sagte dazu Mozillas Chefentwickler Chris Hofmann in einem Interview mit CNet - reine Vorbeugung also. Hofmann: "Es gibt keine Meldungen darüber, dass Firefox-Nutzer Schaden genommen hätten, als sie den Browser benutzten. Ich bezweifle, dass es Beweise dafür gäbe, dass sich Nutzer von Firefox abwendeten, weil sie sich mit dem Browser nicht mehr sicher fühlten."

Kein Wunder, denn Hofmann gehört zu den informierten Kreisen, die den Unterschied zwischen "Sicherheitsleck" und "Exploit" sehen. Auch Sicherheitsexperten halten die völlige Vermeidung von potenziellen Sicherheitslecks in komplexer Software für schwer zu verwirklichen. Die Qualität eines Entwicklers macht sich für sie jedoch auch daran fest, wie gut und schnell dieser auf entsprechende Meldungen reagiert und so einen "Exploit", die tatsächliche Ausnutzung der Sicherheitslücke durch ein Schadprogramm, verhindert. In dieser Hinsicht gilt Mozilla nach wie vor als vorbildlich.

Schon das aber ist zu komplex, um in der Publikumspresse wahrgenommen zu werden. Erst die Diskussion von Browserthemen jenseits der Fachforen aber machte die Erfolge von Firefox und kürzlich Opera überhaupt möglich. Dass die hier erhofften positiven Effekte schnell ins Gegenteil umschlagen können, wenn auch nur das Wort "Sicherheitsleck" fällt, weiß wohl niemand besser als Microsoft: Wohl auch aus diesem Grund hielt der Konzern jahrelang die meisten Lecks klammheimlich unter der Decke.

Frank Patalong

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