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Chrome OS: Warum Google ein Betriebssystem will

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Google verdient sein Geld mit Web-Anzeigen. Warum also will das Unternehmen nun ein Betriebssystem bauen und verschenken? Die Antwort: Vom Anti-Windows könnte die Suchmaschine gleich in mehrfacher Hinsicht profitieren - nicht nur, weil es dem Erzrivalen Microsoft schadet.

Jedes Mal, wenn Google ein neues, wie immer kostenloses Produkt für Endkunden anbietet, stellt sich dieselbe Frage: Warum machen die das? Und auch die Antwort ist stets die gleiche, auch wenn sie zunächst mal widersprüchlich wirkt: um noch mehr Geld zu verdienen. Das gilt auch für das neue Betriebssystem Chrome OS.Die Rechnung funktioniert in etwa so: Was die Nutzung des Internet angeht, hat Google längst eine beherrschende Stellung. Die Suchmaschine hat weltweit einen Marktanteil von über 80 Prozent (in Deutschland liegt er noch deutlich höher). Am Gesamtkuchen der Gelder, die im Web mit Werbung verdient werden, hat Google allein einen Anteil von weit mehr als einem Drittel - Tendenz steigend.

Googles Chart zeigen Erlöse - Jahresumsatz 2008: 21,8 Milliarden Dollar - stammen fast ausschließlich aus der Online-Werbung. Weltweit wurden damit im gleichen Zeitraum laut ZenithOptimedia knapp 50 Milliarden Dollar umgesetzt. Googles Erlöse stellen also mehr als 40 Prozent all dessen dar, was global für Netz-Anzeigen ausgegeben wird. Erlöse aus Software-Lizenzen, die etwa an Unternehmen verkauft werden, machten 2008 dagegen gerade mal drei Prozent des Gesamtumsatzes aus. Werbung ist Googles Geschäft.

Zum Vergleich: Microsoft Chart zeigen setzte 2008 über 60 Milliarden Dollar um, fast dreimal so viel wie Google, davon allein 16,8 Milliarden im Bereich Betriebssysteme und knapp 19 Milliarden in der sogenannten Business Division, zu der auch die Office-Pakete mit Büro-Software gehören.

Umsatzzahlen: Googles Werbe-Dominanz gegenüber Microsoft
DER SPIEGEL

Umsatzzahlen: Googles Werbe-Dominanz gegenüber Microsoft

Im Bereich Reklame im Netz jedoch ist Google unangefochtener Marktführer, und zwar nicht nur durch die Textanzeigen, die in die Resultate der Web-Suche eingeblendet werden. Google schaltet auch Anzeigen in Blogs, auf Nachrichtenportalen und auf anderen Web-Seiten - selbstverständlich auch innerhalb von Konzern-eigenen Angeboten wie YouTube.

Auch wer den E-Mail-Dienst Google Mail nutzt, hat sich längst daran gewöhnt, dass neben geöffneten E-Mails Anzeigen eingeblendet werden, die mehr oder minder gut zum Inhalt des Schreibens passen. Google Mail ist die populärste aller Applikationen, die der Konzern bislang ins Netz gestellt hat - daneben gibt es einen Kalender, Software zur Bearbeitung von Texten und Tabellen, einen RSS-Reader, einen Web-Seiten-Baukasten und den Online-Fotodienst Picasa.

Die meisten dieser Dienste laufen - dank spezieller Desktop-Versionen oder der eigens zu diesem Zweck entwickelten Browser-Erweiterung Google Gears - auch dann noch, wenn gerade mal keine Verbindung zum Internet besteht. Viele der Dienste kommen derzeit noch ohne Werbe-Einblendungen daher - aber es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass sich das nicht jederzeit ändern könnte.

Marktanteile: Google und die Konkurrenz
Browser
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Suche
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
OS
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Mobil
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar

Mit anderen Worten: Auch wenn Google seine Anwendungen verschenkt, ist jeder neue Nutzer ein weiterer, den man Anzeigenkunden als potentiellen Empfänger von Werbung andienen kann. Ein Google-Betriebssystem, das zunächst primär darauf ausgerichtet ist, mit Google-Anwendungen zusammenzuarbeiten, wäre damit ein heimeliges Biotop für ein rein werbefinanziertes digitales Büro.

Und zwar eines, in dem die Werbeeinblendungen möglichst fein auf die Interessen des Nutzers abgestimmt sind - auch Google Mail serviert heute schon Anzeigen, die ein Algorithmus ausgesucht hat, möglichst passend zum Inhalt der Mail. Je mehr der Konzern über seine Nutzer weiß, desto besser wird das funktionieren, desto mehr ist Google-Werbung für die Anzeigenkunden wert. Gleichzeitig wird das wachsende Wissen des Konzerns über jeden, der seine Werkzeuge nutzt, aus Sicht von Datenschützern immer bedenklicher. Mit gleich zwei Betriebssystemen - Android für Handys und Chrome OS für PC - wird der Konzern nun noch mehr Daten über seine Kundschaft sammeln.

Je wertvoller das Netz, desto besser für Google

Die Strategie der Suchmaschinisten dürfte noch weiter gehen: Je mehr Zeit Menschen im und mit dem Internet verbringen, desto besser für Google. Je selbstverständlicher es wird, permanent online zu sein, ob am Arbeitsplatz, zu Hause oder unterwegs, desto häufiger werden Menschen auf Google-Anzeigen stoßen - ob auf der Suchseite selbst oder anderswo. Für nicht wenige Internet-Nutzer, gerade auch hierzulande, sind Google und Internet ohnehin beinahe Synonyme. Die Google-Philosophie ist deshalb seit Jahren: Je wertvoller das Netz für den Nutzer wird, desto wertvoller wird Google.

Auch deshalb digitalisiert der Konzern gewaltige Mengen Bücher, um sie online verfügbar zu machen, deshalb baute er seinen Kartendienst Google Maps mit Satelliten-, Luft- und inzwischen Fassadenbildern zum digitalen Fotoglobus aus, deshalb stellt er kostenlose Übersetzungswerkzeuge zur Verfügung, die Web-Seiten in Fremdsprachen blitzschnell in wenigstens halbwegs verständliches Deutsch oder Englisch übertragen. Für Internet-Nutzer - das muss auch die Konkurrenz anerkennen - schafft der Suchmaschinenkonzern kontinuierlich gewaltigen Mehrwert.

Ein Roboter, der den Schreibtisch durchwühlt

Für Microsoft ist das alles wenig erfreulich. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte man dort keinen Kommentar zu Googles Betriebssystem-Plänen abgeben. Die Entwicklung hin zum allgegenwärtigen Web hat der US-Konzern jedenfalls jahrelang verschlafen. Microsoft ist bis heute eben nicht das Synonym für das Internet, sondern für den Desktop. Microsofts Suchmaschine ist bis heute weit abgeschlagener Dritter hinter Google und Yahoo - auch wenn das neue Modell Bing gerade etwas Boden gutmacht.

Wie erfolgreich das Google-OS sein wird, hängt letztlich jedoch davon ab, wie schnell sich die Menschen in der entwickelten Welt von der Vorstellung verabschieden möchten, dass ein Computer ein sicherer, privater Behälter ist, in dem man Dinge aufbewahrt. Denn das ist der Kern der Desktop-Metapher: Der PC ist darin ein Schreibtisch, mit einer Oberfläche und vielen Schubladen, in denen Ordner hängen, die wiederum Dokumente (Texte, Fotos oder Musikstücke) enthalten. Die Metapher impliziert eine physische Präsenz: Was auf dem Laptop ist, nehme ich mit, wenn ich ihn mit mir herumtrage. Was auf dem Heim-PC ist, steht dort sicher verwahrt im Arbeitszimmer.

Das Google-Modell aber ist: Mindestens eine Kopie des gesamten Schreibtisches steht irgendwo da draußen im Netz herum, in der Wolke, wie man das seit der Erfindung des Begriffes Cloud Computing nennt (siehe Kasten unten). Und wenn der Nutzer gerade nicht hinsieht, wühlt sich ein Roboter methodisch durch die Schubladen, studiert die Dokumente und klebt Zettelchen mit Werbung an ihre Ränder.

Privatnutzer werden es unter Umständen noch hinnehmen, wenn der Nutzen der Online-Anwendungen das Unbehagen über den wenigstens theoretischen Kontrollverlust überwiegt. Schwerer vorstellbar ist, dass auch Unternehmen sich auf dieses Geschäft - Kosten gegen Kontrolle - einlassen werden.

Wie groß der Prozentsatz von Unternehmen unter Microsofts zahlenden Kunden ist, ist den Bilanzen des Unternehmens nicht unmittelbar zu entnehmen. Doch allein der Geschäftsbereich "Server and Tools" setzte 2008 schon über 13 Milliarden Dollar um, dazu kommen die Anteile aus dem Geschäft mit Betriebssystemen, Unternehmens- und Bürosoftware.

IT-Administratoren in Unternehmen dürfte die Idee vom eigenen Schreibtisch, den man abschließen kann, wohl dauerhaft sympathischer sein als die Vorstellung von einer Kopie aller Unternehmensdaten, irgendwo da draußen in der Wolke.

Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.

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Forum - Google vs. Microsoft - wer gewinnt die nächste Runde?
insgesamt 245 Beiträge
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1.
Acalot 08.07.2009
Zitat von sysopWürden Sie Ihren Rechner einem Google-Betriebssystem anvertrauen? Oder sind kostenpflichtige Produkte von Microsoft vertrauenswürdiger? Welches Betriebssysstem wird sich durchsetzen?
Weder noch, ich traue prinzipiell nur Linux. Ist diese Diskussion nicht etwas verfrüht bevor man auch nur etwas vom Google OS gesehen hat? Wie will man da vergleichen?
2. weniger Vertrauen
Fortune2be 08.07.2009
Ich persönlich denke, dass es schwierig wird, MS den Markt wirklich streitig zu machen. Selbst Apple musste sich letztlich dem Office Paket beugen. Allerdings habe ich bei Google auch mehr persönliche Bedenken. Außer Google Earth kommt bei mir keine Software von Google auf den Rechner. Ich habe das (wahrscheinlich unbegründete) Gefühl, dass sonst alle Informationen in irgendwelche Suchalgortihmen fließen, bzw. regelrechte Profile erstellt werden könnten. Mag sein, dass ich in diesem Fall etwas paranoid bin, allerdings ist mir MS in diesem Zusammenhang allemal lieber.
3.
petenicker 08.07.2009
Zitat von sysopWürden Sie Ihren Rechner einem Google-Betriebssystem anvertrauen? Oder sind kostenpflichtige Produkte von Microsoft vertrauenswürdiger? Welches Betriebssysstem wird sich durchsetzen?
Ok, wenn das die beiden einzigen Möglichkeiten sind, die zur Auswahl stehen: Microsoft. 1. Ist der Mensch ein Gewohnheitstier und 2. wird bei Microsoft nur gemunkelt, dass gerne nach Hause telefoniert wird. Bei Google kann man sich dessen sicher sein.
4. Nein danke...
multiplexer, 08.07.2009
Ubuntu genügt mir...
5.
Faust007 08.07.2009
Zitat von AcalotWeder noch, ich traue prinzipiell nur Linux. Ist diese Diskussion nicht etwas verfrüht bevor man auch nur etwas vom Google OS gesehen hat? Wie will man da vergleichen?
Google OS basiert auf ein Linux Betriebssystem.
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