Computec Media Bauchlandung in den USA

Vor zehn Monaten trat der deutsche Verlag Computec in den USA an, weltweit die Nummer eins bei PC-Spiele-Magazinen zu werden. Aus dem "weltweit" dürfte wohl nichts werden.


Nürnberg - Christian Geltenpoth, der "junge Wilde" aus Nürnberg, steht vor einem Scherbenhaufen: Für die US-Tochter musste der Vorstandvorsitzende der am Neuen Markt notierten Computec Media, Verlag von Computer- und Videospiele-Magazinen, nach zehn Monaten wegen hoher Verluste das Aus verkünden. Der Aktienkurs hat nach einem Jahreshoch von 89,50 Euro mehr als 85 Prozent seines Wertes verloren. Für das Unternehmen geht an diesem Samstag ein verkorkstes Geschäftsjahr 1999/2000 zu Ende.

Christian Geltenpoth
DPA

Christian Geltenpoth

Nach Ansicht von Analysten ist Computec ein symptomatischer Fall für junge Firmen am Neuen Markt: Ob Gigabell, Infomatec oder CPU Software - viele der einst hoffnungsvoll gestarteten Firmen haben ihre Aktionäre mächtig enttäuscht.

"Jedes dritte Unternehmen reduziert seine Prognosen", meint der Analyst Götz Albert von der Independent Research GmbH (Frankfurt). "Zum Börsengang wurden die Ziele hoch gesteckt, und nach ein bis zwei Jahren werden sie von der Realität eingeholt." Der Wettbewerb sei in der Internet- und Computerbranche sehr hart. Computec gelte dabei als Vorreiter, "weil erstmals der Grund für den Börsengang - die Wachstumsphantasie in den USA - völlig gescheitert ist", sagt Gereon Kruse vom Anlegermagazin "Börse Online".

Der 30-jährige Geltenpoth, der mit Krawatte und Anzug so gar nicht in die grellbunte Welt von Lara Croft und der Pokèmons passen will, räumt ein: "Das Aus in den USA war ein Wendepunkt." Er habe gelernt, konservativer zu rechnen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres verbuchte Computec einen operativen Verlust von 46 Millionen Mark - das ist mehr als die Hälfte des Umsatzes von 84 Millionen Mark.

Die Erwartungen für das auslaufende Jahr hat Computec deutlich zurückgeschraubt. Statt 140 Millionen Mark Umsatz erwartet Geltenpoth für das gesamte Geschäftsjahr nur noch Erlöse in Höhe von 115 Millionen Mark. Die Gewinnzone soll im kommenden Jahr mit schmalen drei Millionen Mark erreicht werden.

"Wir müssen jetzt über unseren Print-Tellerrand hinausblicken", hat sich der Vorstandsvorsitzende vorgenommen. Bisher produziert die Redaktion mit 190 Mitarbeitern zu 90 Prozent gedruckte Publikationen. Künftig will die Firma ihr Wissen über die Helden der PC- und Videospiele in Internet, Fernsehen und Radio zur Verfügung stellen. Wachstumshoffnungen setzt das Unternehmen auf zehn neue Magazine, die in den nächsten eineinhalb Jahren in Europa auf den Markt kommen.

Marion Trimborn, dpa



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