Computer-Panne Japan sucht die Rentendaten

Massen-Mailing von der Rentenkasse: Weil Behörden schlampten und Software versagte, müssen Millionen Japaner ihre Rentenansprüche neu nachweisen. Der Daten-GAU hatte die Einträge von zig Millionen Arbeitnehmern durcheinander gewirbelt.


Chaos in der japanischen Rentenverwaltung: Mitte des Jahres musste die Regierung Probleme mit den Rentendaten von Millionen Staatsbürgern zugeben. Schlecht programmierte Software und schlampige Beamte hatten das gesamte System durcheinander gebracht. Rund 65 Millionen Datensätze konnten nicht mehr korrekt zugeordnet werden. Nun versucht sich der Rentenapparat in Schadensbegrenzung, startet eine Nachfassaktion enormen Ausmaßes.

Tokio: Hundert Millionen Japaner bekommen Post von der Sozialversicherungsbehörde
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Tokio: Hundert Millionen Japaner bekommen Post von der Sozialversicherungsbehörde

Bis Ende März, so Sueji Miura von der japanischen Sozialversicherungsbehörde, werde man elf Millionen Datensätze überprüfen, will insgesamt 8,5 Millionen Rentenbezieher anschreiben. Je nachdem wie stark die Datensätze der jeweiligen Empfänger vom Behörden-Kuddelmuddel durcheinander gebracht wurden, müssen diese teilweise nur ihre Personalien angeben und bestätigen, dass die entsprechenden Angaben korrekt sind. Mehr als eine Postkarte sei dazu nicht notwendig.

Weit mehr Aufwand müssen dagegen jene treiben, deren Rentendaten komplett verschollen oder durcheinander geraten sind. Sie müssen den Behörden die gewünschten Korrekturen und Ergänzungen komplett neu nachweisen. Dazu seien unter anderem die entsprechenden Dokumente nachzureichen. Glücklich, wer die noch hat.

Doch das ist erst der Anfang. Ab April 2008 werden die Rentendaten dann großflächig überprüft. Insgesamt, so Miura, plane man hundert Millionen Japaner anzuschreiben. "Wir werden jede Anstrengung unternehmen, um sicherzustellen, dass wirkliche jede Person die Pensionsansprüche zurückbekommt, die ihr zustehen", sagte Gesundheitsminister Yoichi Masuzoe. Darüber, wie lange es dauern werde, die verlorenen gegangenen Daten wiederherzustellen, wurden indes keine Angaben gemacht.

Der Rentenskandal hatte schon dem ehemaligen Premierminister Shinzo Abe zu schaffen gemacht. Die Unregelmäßigkeiten der Rentenkasse hatten zu einem deutlichen Popularitätsverlust des Staatslenkers geführt und zu seinen Rücktritt im September beigetragen.

Japan ist einer der am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt. 21 Prozent der 127 Millionen Japaner sind älter als 65 Jahre. Es wird erwartet, dass die Zahl der Rentenbezieher von heute 25 Millionen auf 35 Millionen im Jahr 2040 steigen wird.

mak/AP



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