Cyber-Attacke Hacker knacken geheimes Jet-Projekt

Schwere Schlappe für das US-Verteidigungsministerium: Unbekannte sind in die Rechner des Pentagon eingedrungen, haben Terabytes an Daten kopiert, darunter auch Detailpläne eines neuen Kampfflugzeugs. Die Militärs fürchten jetzt um die Schlagkraft des Fliegers.


Die F-35 ist das teuerste jemals bewilligte Entwicklungsprogramm des Pentagon. 300 Milliarden Dollar werden in den Supervogel investiert, der in Zukunft bei allen Teilstreitkräften des US-Militärs zum Einsatz kommen soll. Jetzt sollen detaillierte Baupläne des Hightech-Flugzeugs gestohlen worden sein - per Hacker-Attacke.

Lockheed Martin F-35: Geheime Daten des sogenannten Joint Strike Fighter sind aus Pentagon-Computern gestohlen worden
AP

Lockheed Martin F-35: Geheime Daten des sogenannten Joint Strike Fighter sind aus Pentagon-Computern gestohlen worden

Die Eindringlinge hätten mehrere Terabyte Daten aus den Rechnern des Verteidigungsministeriums abgezogen, berichtet das " Wall Street Journal" in seiner Dienstagsausgabe. Dabei seien auch detaillierte Informationen über die elektronischen Systeme des Jets kompromittiert worden, zitiert das Blatt nicht näher genannte Regierungsvertreter. Verteidigungsexperten fürchten nun, es könnte potentiellen Gegnern leichter fallen, sich gegen das hochentwickelte Militärflugzeug zur Wehr zu setzen.

An der Entwicklung der F-35, dem Joint Strike Fighter, wird seit Jahren intensiv gearbeitet. Das Flugzeug ist ein hochmoderner Tarnkappen-Kampfjet. Insgesamt 2443 Exemplare des Vorzeige-Flugzeugs wollen die US-Streitkräfte anschaffen. Erstmals arbeiten bei diesem Projekt mehrere Teilstreitkräfte an einem gemeinsamen Kampfflugzeug, das in verschiedenen Varianten von Air Foce, Navy und Marine Corps eingesetzt werden soll.

China streitet Vorwürfe ab

Der F-35-Vorfall ist nur das neueste Glied in einer Kette von Cyber-Attacken gegen USA-Infrastruktur und -Rüstungseinrichtungen. Vor knapp zwei Wochen entdeckten Spezialisten in den Netzwerken der amerikanischen Stromnetzbetreiber unbekannte Programme, die möglicherweise dazu in der Lage gewesen wären, die US-Stromnetze abzuschalten. Zudem, so das "Wall Street Journal", sei das Luftüberwachungsnetz der US Air Force in den vergangenen Monaten Ziel von Internet-Attacken gewesen.

Der Diebstahl der Flugzeug-Baupläne ist Wasser auf die Mühlen jener, die seit langem, wettern, die USA seien nur ungenügend auf ein elektronisches Kräftemessen vorbereitet. Vor allem von China aus sollen immer wieder Angriffe ausgeführt worden sein. Auch die jetzt entdeckte Attacke soll von China ausgegangen sein.

Die chinesische Botschaft in Washington stritt die Vorwürfe umgehend vehement ab. Man "verurteile und verbiete alle Formen von Cyber-Kriminalität", hieß es seitens der Chinesen.

Hacker gesucht

Dass der US-Regierung der Cyber-Notstand bestens bekannt ist, beweist auch ein Stellenangebot, mit dem ein IT-Dienstleister der US-Heimatschutzbehörde derzeit neues Personal sucht. Dem Anforderungsprofil entsprechend werden Edel-Hacker gesucht, die jede aufgedeckte Sicherheitslücke in den Netzen der Regierungsbehörden kennen und mit Hackermethoden noch unbekannte aufspüren können.

Mit derartig gut ausgebildeten Experten soll die Cyber-Verteidigung der USA in den kommenden Jahren besser gegen Attacken aus dem Internet abgesichert werden. Insgesamt 250 Spezialisten will die US-Regierung dafür künftig pro Jahr ausbilden.

Ob sich für den Job als Edel-Hacker im Regierungsauftrag schon ein qualifizierter Bewerber gefunden hat, ist unklar. Einige Punkte des Anforderungsprofils dürfen von den meisten Hackern nur schwerlich zu erfüllen sein. Bewerber sollen unter anderem bereits über die höchste Sicherheitseinstufung der US-Geheimdienste verfügen.

mak

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