Cyberwar Gerangel um Internet-Verteidigung der USA

Wer wird künftig über die Cyberverteidigung der USA bestimmen, der Geheimdienst oder das Heimatschutzministerium? NSA-Chef Keith Alexander fordert den Kongress auf, ihm die Führung zu überlassen. Eine Entscheidung ist dringend nötig, Netze des Pentagons werden offenbar jeden Tag attackiert.


Washington - Die USA sind nach Ansicht des Pentagons nicht ausreichend auf Angriffe aus dem Internet vorbereitet. Die Ausbildung der Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums müsse in dieser Hinsicht verbessert werden, heißt es in einem vorbereiteten Redetext von Generalleutnant Keith Alexander für eine Anhörung, die am Dienstag im Kongress stattfinden soll.

NSA-Chef Keith Alexander: Möchte künftig die Cyberverteidigung der USA befehligen
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NSA-Chef Keith Alexander: Möchte künftig die Cyberverteidigung der USA befehligen

Alexander ist Leiter der Inlandsgeheimdienstbehörde NSA (National Security Agency - und zuständiger Befehlshaber im Pentagon für die Internet-Kriegsführung. Die Anhörung wurde kurz vor Veröffentlichung eines Berichts der Regierung von Präsident Barack Obama zur Internet-Sicherheit in den USA anberaumt.

Schon seit Wochen wird in den USA darum gerangelt, wer sich zukünftig an den Geldtöpfen der Regierung laben darf, wer die Oberhoheit über die Internet-Verteidigung des Landes übernehmen soll. Das amerikanische Heimatschutzministerium (DHS) und der Geheimdienst NSA ringen hier um Geld und Macht.

Kritisch äußerte sich der Nationale Forschungsrat (National Research Council), der ganz im Sinne Alexanders feststellte, dass die Pläne der Regierung, wann und wie ein Internet-Krieg zu führen sei, noch unausgereift seien. Es fehle auch eine Kontrollinstanz, zudem sei eine größere öffentliche Debatte nötig.

Erst vor wenigen Wochen hatte es Berichte gegeben, wonach Daten des neuen Kampfjets F-35 via Datennetz gestohlen worden seien. Das Pentagon bestritt damals, es habe sich um eine gefährliche Sicherheitslücke gehandelt, erklärte es seien nur Wartungsunterlagen des Tarnkappenfliegers erbeutet worden.

Alexander erklärte, das neue Kommandozentrum für militärische Aktivitäten im Internet in Fort Meade im Staat Maryland werde so eingerichtet, dass es zentrale Netzwerke im Internet verteidigen könne. Das Heimatschutzministerium will sich unterdessen das notwendige Know-How zur Cyberverteidigung einfach einkaufen, sucht per Stellenanzeige nach zertifizierten Profi-Hackern, welche die sicherheitsrelevanten Netzwerke des Landes nach Schwachstellen absuchen sollen.

Und das scheint nötig, denn die Netze des Verteidigungsministeriums werden offenbar jeden Tag attackiert. Dabei habe sich nach Pentagon-Angaben die Zahl der Versuche, in die Rechner einzudringen, in jüngster Zeit verdoppelt. In den vergangenen sechs Monaten gab das Verteidigungsministerium 100 Millionen Dollar aus, um auf Angriffe zu reagieren, Schäden zu beseitigen oder andere Computerprobleme zu beseitigen.

mak/AP

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