Datenschutz-Debatte Überwachung total - ein Morgen im Leben des Herrn L.

Das automatische Erfassen von Autokennzeichen durch die Polizei hat das Verfassungsgericht vorerst gekippt. Überwacht werden wir trotzdem - ständig und bei nahezu jeder Gelegenheit. Das fiktive Protokoll eines normalen Morgens im Jahr 2009 zeigt, wie gläsern der Mensch von heute ist.

Von


7.00 Uhr: Hallo Welt, hallo Netzbetreiber, hallo Google

Wenn Herr L. morgens aufsteht, teilt er das als erstes seinem Mobilfunkbetreiber mit, indem er sein Handy einschaltet. Das Telefon bucht sich dann in die lokale Funkzelle ein. Die Systeme des Mobilfunkbetreibers wissen auch, dass Herr L. heute zu Hause aufwacht und nicht anderswo. L. macht sich eine Tasse Kaffee und fährt den Rechner hoch, um Nachrichten zu lesen und nachzusehen, ob E-Mails gekommen sind.

DPA

Sein Internet-Provider speichert, wann er online geht, welche Nachrichtenseite er zuerst anklickt und auch, dass er dann noch schnell den Server eines Erotikangebots ansurft und siebeneinhalb Minuten dort verbringt. Wir schreiben das Jahr 2009 - die Verbindungsdaten speichert der Provider deshalb pflichtgemäß für sechs Monate.

Dass der Herr L. sich dort zunächst durch eine Bilderstrecke namens "Nina am Pool" klickt und anschließend ein Video mit dem Titel "Wasserspiele mit Sarah und Angelique" ansieht, steht in der History seines Browsers.

Weil L. sich bei seiner bevorzugten Suchmaschine einen Account zugelegt hat, speichert die für ihn alle Suchanfragen, die er je getätigt hat - auch, dass er sich eine Zeitlang für das Thema "Tripper" und später einmal für das Thema "Hämorrhoiden" interessiert hat.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
marasek, 11.03.2008
1. Fehler
Der Artikel enthält einen Fehler - der Download des Films wird nicht aufgezeichnet, es sei denn auf dem chinesischen Server. Der Provider speichert im Rahmen der VDS lediglich, von wann bis wann an wen welche IP zugewiesen war - den Aufruf von URLs hingegen nicht.
ax0l0tl 11.03.2008
2. ..
Von einigen Fehlern mal abgesehen: Brave New World..wir kommen.
omegazero 11.03.2008
3. Noch ein Fehler
Der Sysadmin der Firma, in der Herr L. arbeitet, kann dessen Online-Bewegungen nur dann nachvollziehen, wenn Herr L. über einen Firmen-eigenen Proxy surft. Letzteres könnte Herr L. in seinem Browser abschalten. Ein Web-Server, der von Herrn L. besucht wird, speichert jedoch dessen IP-Adresse zusammen mit der Uhrzeit der Verbindung. Im Logfile des DHCP-Servers der Firma, in der Herr L. arbeitet, steht wiederum, von wann bis wann Herrn L. diese IP-Adresse zugewiesen war. Eine "übergeordnete Instanz" könnte diese Informationen zusammenfügen und somit sicherstellen, dass es Herr L. war, der den Web-Server zur fraglichen Zeit besucht hatte. Ansonsten sehr guter Artikel, der verdeutlicht, was uns blühen könnte, wenn dem Staat erlaubt wird, auf all diese Daten zuzugreifen.
maddin, 11.03.2008
4. Das ist erst der Anfang...
Das Netz wird noch dichter: die zentrale Speicherung aller Krankendaten oder RFID in Ausweisen zum Beispiel... Und trotzdem interessiert's kaum jemanden: Das Rauchverbot hat mehr Entrüstung erzeugt als jede neue Überwachungsmaßnahme. Um es polemisch zuzuspitzen: der durchschnittliche Deutsche läßt sich bedenkenlos und widerstandslos beliebig ausspionieren, solange man ihm nur das Rauchen, Saufen und Rasen nicht verbietet.
Friedrich Hattendorf 11.03.2008
5. Der Artikel gehört in Politik- und Informatik-Lehrbücher
ein weiterer Kommentar ist IMHO nicht notwedig
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