Datensicherung: So archivieren Sie Digitalfotos richtig

Von Jürgen Rink und Sascha Steinhoff

2. Teil: Ordnerstrukturen

Schon beim Anlegen eines digitalen Bildarchivs auf dem Hauptrechner sollte man an die spätere Archivierung denken. Wichtig ist die auch für Außenstehende nachvollziehbare Speicherstruktur auf Ordner- und Dateiebene. Das ist eigentlich immer der Fall, wenn man das Ordnungsprinzip "Vom Allgemeinen zum Speziellen" beherzigt und die Ordner chronologisch ordnet. Die Einteilung nach Themengebieten mag zwar sinnvoll sein, aber das kann man besser über eine Verschlagwortung mit Metadaten lösen, da es sonst schnell unübersichtlich wird.

Bei der Benennung der Ordner sollte man generell alles was in Zukunft - also auch auf anderen Rechnersystemen - Probleme bereiten könnte, vermeiden: Nur Punkte, Unterstriche, Buchstaben und Zahlen sind sinnvoll. Insbesondere Sonderzeichen, Leerzeichen oder landesspezifische Besonderheiten wie Umlaute (Ä, Ö, Ü) sind tunlichst nicht zu verwenden. Das gilt im Übrigen nicht nur für Ordnernamen, sondern auch für Dateinamen und Bildbeschreibungen. Groß- und Kleinbuchstaben behandeln Windows und Unix unterschiedlich. Windows unterscheidet bei NTFS nicht zwischen datei.txt und DATEI.txt, Unix hält das für zwei unterschiedliche Dateien. Mit einer durchgehenden Kleinschreibung umgeht man das Problem.

Dateinamen sollten immer eine Endung haben, auch für den Fall, dass ein Mac sie liest. Einem Mac schadet eine Datei-Endung wie .tif nicht, ein Windows-Rechner braucht sie in jedem Fall, um die Datei überhaupt zu erkennen. Datei- und Ordnernamen wählt man generell so kurz wie möglich. Es gibt nämlich Bilddatenbanken, die nur 26 Zeichen bei Dateinamen unterstützen, alles darüber hinaus wird gekappt. Auch unnötig tiefe, verschachtelte Ordnerstrukturen bereiten je nach Dateisystem Probleme. Welche Pfadtiefe im Einzelfall zulässig ist, ergibt sich aus dem verwendeten Dateisystem in Verbindung mit dem Betriebssystem. So erlaubt zwar die Spezifikation von NTFS eine Pfadtiefe von 32.767 Stellen, im Windows-API ist die maximale Pfadlänge jedoch auf 260 Stellen begrenzt. Davon braucht man aber allein für den Laufwerksbuchstaben (z.B. C:\) drei Stellen, denn jeder Punkt und Backslash verbraucht natürlich eine Stelle in der Angabe der Pfadtiefe.

Wir empfehlen, zumindest in den Ordnernamen das Datum der Aufnahmen anzugeben sowie eine Kurzbeschreibung, die das Zuordnen erleichtert. So erübrigt sich das Umbenennen jeder einzelnen Datei, zudem sind die Ordner dann automatisch chronologisch geordnet. Die Ordnerstruktur für ein am dritten Dezember 1999 am See durchgeführtes Fotoshooting lautet dann beispielsweise bildarchiv\1999\1999-12-03_fotoshooting-starnberger-see. Wenn sich das Ereignis über mehrere Tage erstreckt oder man den genauen Tag vergessen hat, kann man die Tageszahl durch XX ersetzen.

Wer ganz pingelig ist, kann die von der Kamera vergebenen Dateinamen à la DSC_0454.nef mit diesen Ordnerinformationen ergänzen, und die Datei umbenennen, zum Beispiel in 1999-12-03_fotoshooting-starnberger-see_0454.nef. Das hat den Vorteil, dass man den Ursprung einer Datei selbst nach dem Verschieben eindeutig erkennen kann. Zwar ist das Datum bei Digitalbildern ebenso in den EXIF-Meta-Informationen gespeichert, aber man sieht es nur, wenn man entsprechende Viewer-Software einsetzt.

Das Umbenennen jeder einzelnen Datei in einem Ordner erledigen zahlreiche Tools oder Bildbetrachter in einem Rutsch. Neben den digitalen Negativen, die bei DSLR in der Regel im Rohdatenformat vorliegen, wird man zusätzlich JPEG/DNG-Kopien oder bearbeitete Abzüge - beispielsweise für die Vergrößerung im Labor - speichern wollen. Am einfachsten ist es, diese im selben Ordner in einen Unterordner zu verschieben, dann findet man sie bei Bedarf am einfachsten wieder. Schon in der analogen Zeit waren Papierabzüge und Negative in ein und derselben Papiertasche untergebracht, wenn sie aus dem Labor kamen.

Um die Konsistenz des Bildarchivs sicherzustellen, sollte jede Datei nur einmal im Bildarchiv abgespeichert sein. Tools wie Duplicate Cleaner, AllDup und Anti-Twin prüfen selbst große Archive in wenigen Minuten auf Redundanzen und beseitigen diese. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der einfache Zugang zum Bildarchiv. So kann man zwar mit Dateiverschlüsselung seine Bildarchive - speziell auf mobilen Datenträgern - gegen neugierige Blicke schützen, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man irgendwann sich selbst vom Zugang zu den Bildern aussperrt.

Die gängigen Dateisysteme unterscheiden sich, was ihre Langzeittauglichkeit angeht. HFS+ (Mac), NTFS (Windows) und ext3 (Linux) haben unbestritten ihre Vorteile, aber nur das zugegebenermaßen etwas altbackene FAT32 läuft auf allen drei Systemen. Außerdem beherrschen die meisten Geräte, von der Digitalkamera bis zur Playstation, das Dateisystem FAT32. Es ist daher trotz seiner Nachteile das ideale Dateiformat für den Austausch zwischen verschiedenen Systemen. Es kennt Datenträger von einer Größe bis zu 8 Terabyte und bleibt somit zumindest noch einige Jahre aktuell. Microsoft hat zwar ab Windows 2000 eine künstliche Größenbeschränkung von 32 Gigabyte für FAT32 Partitionen eingebaut, aber diese kann man mit dem c't-Tool H2Format umgehen. Der Mac erlaubt ohnehin größere FAT32 Partitionen.

Die Metadaten-Kür

Das Verschlagworten von Bildarchiven mit Metadaten hat für professionelle Anwendungen - beispielsweise in Bilddatenbanken für Pressezwecke - eine lange Tradition. Fotoamateure sind erst mit dem Siegeszug der Digitalfotografie in größerem Ausmaß in Kontakt mit EXIF-, IPTC- und XMP-Daten gekommen.

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