Datensicherung: So archivieren Sie Digitalfotos richtig

Von Jürgen Rink und Sascha Steinhoff

5. Teil: XMP - der IPTC Nachfolger

Verglichen mit dem altehrwürdigen IPTC ist XMP (Extensible Metadata Platform) ein junger Hüpfer, denn diesen gibt es erst seit 2001. Maßgeblicher Treiber war und ist Adobe. Mit XMP soll ein einheitlicher Standard geschaffen werden, auf den Bildeditoren, Bildarchive, Bildbetrachter und Content Management Systeme gleichermaßen zugreifen können, um einen einheitlichen Workflow zu gewährleisten. Damit gehen die Möglichkeiten von XMP weit über das hinaus, was ein privates Bildarchiv erfordert.

Zwar sind die Spezifikationen von XMP offengelegt, die Lufthoheit über XMP liegt aber bei Adobe. Es ist durchaus denkbar, dass die derzeitige liberale Politik von Adobe sich nach der Etablierung des neuen Standards am Markt ändert. Wie die Erfahrungen in der Vergangenheit beim PSD- und PDF-Format gezeigt haben, wächst bei Adobe zugleich mit der Verbreitung eines Standards das Interesse, neue Versionen nicht mehr komplett offenzulegen. Wie es mit der Langzeitstabilität von XMP aussieht, steht daher in den Sternen.

XMP deckt praktisch alle denkbaren Anwendungsfälle ab. Für jede Datei, egal wie exotisch sie ist, kann XMP Metadaten speichern. Die beste Möglichkeit ist es, die XMP-Metadaten direkt in die Bilddatei einzubetten (Embedded XMP), ähnlich wie man das von IPTC kennt. Das funktioniert aber nur bei Datenformaten, die das unterstützen, zum Beispiel bei TIFF oder JPEG. Bei Rohdaten kann man davon nicht unbedingt ausgehen.

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Wenn eine Einbettung nicht möglich ist, kommen sogenannte Sidecar-Dateien zum Einsatz. Für jede Bilddatei wird eine zusätzliche XMP-Datei erstellt, in der die Anwendung die Metadaten abspeichert. Die Sidecar-Technik hat allerdings auch Nachteile, denn nicht jede Anwendung kann diese Metadaten auslesen.

Wer beispielsweise mit Adobe Bridge Metadaten in NEF-Dateien einfügt, erzeugt XMP-Sidecar Dateien. Diese wiederum lassen sich mit Capture NX2 nicht auslesen. Was speziell dann sehr nervig ist, wenn man aus den Rohdaten später mit dem Nikon Rohdateneditor JPEGs mit kompletten Metadaten erzeugen möchte. Das ist aber nur möglich, wenn die XMP-Daten in die NEF-Datei eingebettet sind. Diese Beschränkung des Nikon-Rohdateneditors kommt natürlich nicht von ungefähr. Denn das Einbetten von XMP in NEF soll - so wohl der Wunsch des Herstellers - mit dem kostenpflichtigen Nikon Programm erfolgen. Tools wie EXIFTool GUI können XMP-Metadaten zwar auch in NEF einbetten, aber damit bewegt man sich außerhalb der von Nikon streng beschützten Spezifikation. DNG kennt diese Art von Problemen nicht, denn hier ist XMP per Default eingebettet.

Beim Sidecar-Verfahren steigt außerdem die Gefahr von Datenverlusten, wenn man Bilder händisch im Dateisystem verschiebt oder kopiert, etwa über den Windows Explorer. Es passiert sehr leicht, dass sich XMP- und die dazugehörige Bilddatei dann in verschiedenen Ordnern wiederfinden, und damit fehlen die mühsam eingetragenen Metadaten. Wer XMP-Sidecar Dateien verwendet, sollte alle Operationen im Dateisystem generell über eine XMP-fähige Anwendung wie Adobe Bridge vornehmen, um diese Fehlerquelle auszuschließen.

Trotz des Bestrebens, IPTC sukzessive zugunsten von XMP abzulösen, ist die Bedeutung von IPTC immer noch sehr hoch. Das beliebte Programm IrfanView kennt beispielsweise XMP überhaupt noch nicht. Da XMP kompatibel zu IPTC ist, kann man sich mit der Umstellung von IPTC zu XMP Zeit lassen und erst einmal in Ruhe abwarten, ob sich XMP durchsetzt.

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