Datensicherung: So archivieren Sie Digitalfotos richtig

Von Jürgen Rink und Sascha Steinhoff

Digitalfotos altern schnell: Hardware lahmt, Software ist nicht kompatibel, Dateiformate ändern sich. Das Fachmagazin "c't" verrät einfache Tricks, mit denen man die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man die eigenen Digitalfotos auch in zehn Jahren noch anschauen kann.

Die Archivierung von Digitalfotos ist zwar immer auch eine Datensicherung, ihre Funktion geht aber weit darüber hinaus. Hier geht es nicht darum, sich kurzfristig gegen Systemausfälle abzusichern, stattdessen soll die Lesbarkeit der Dateien für Jahrzehnte sichergestellt werden. Und genau an dieser langfristigen Perspektive hapert es derzeit.

Zum einen gibt es keine Speichermedien, die in 50 Jahren mit Sicherheit noch lesbar sein werden. Zum anderen fehlen Standards für die Strukturierung von Bildbeständen mittels Metadaten. Neue Dateiformate kommen, alte verschwinden. Dieser Cocktail aus Format- und Hardware-Inkompatibilitäten macht die Archivierung so schwierig. Erst mit passenden Strategien überdauern die Dateien Jahrzehnte. Diese stellen wir in der folgenden Artikelserie vor.

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Magazin für Computertechnik

special Digitale Fotografie

Während ein einmal gebrannter DVD-Rohling nicht mehr versehentlich überschrieben werden kann, sieht das bei Festplatten anders aus: Einmal angestöpselt, reicht eine Unachtsamkeit, um die Terabyte-große Archivplatte komplett zu löschen. Deshalb sind wirklich wichtige Daten tendenziell sicherer auf DVDs untergebracht. Aber schnell stellt das Datenaufkommen der Fotos den sinnvollen Einsatz dieses Mediums in Frage. Darum greift man lieber zur externen Festplatte als Archivierungsmedium.

Diese sollte möglichst nur dann an den Rechner angeschlossen werden, wenn es etwas zu archivieren gibt und ansonsten behütet im Schrank liegen. Und vor dem Anschluss lohnt ein kurzer Gedanke an die Software-Umgebung: Gibt es vielleicht irgendwelche Automatismen, die sich ungefragt an einer frisch angeschlossenen Festplatte zu schaffen machen? Vielleicht der neu installierte Media Player, der sich gerne nützlich machen und unaufgefordert die Musiksammlung synchronisieren möchte, wenn er ein großes Speichermedium erkennt? Das ist zwar nett gemeint, doch für eine kontrollierte Archivierung kontraproduktiv.

Von RAID - eigentlich eine Technik, um die Datensicherheit durch redundante Speicherung auf mehreren Festplatten zu erhöhen - ist bei der Langzeitarchivierung eher abzuraten. Denn es hapert oft beim Abgleich mit dem neuen Rechner: Der Wechsel zu einem anderen RAID-Controller kann alle Daten unbrauchbar machen; Ähnliches gilt für den Wechsel des Betriebssystems.

Kontrolle ist besser

Anwender, die ihre Daten sowohl archivieren als auch sichern, haben bereits zwei Kopien - gut so, denn Redundanz ist ein wichtiger Faktor bei der Datensicherung. Unser komfortables Windows-Skript hilft, um vollautomatisch Schnappschüsse der veränderten Daten auf einer externen Platte zu speichern. Als Alternative zu diesem auf rsync aufbauenden Skript stehen viele kommerzielle Programme bereit. Fallen pro Jahr nur wenige Dutzend Gigabyte mit einer überschaubaren Anzahl von Ordnern an, reicht auch die Kopie per Hand.

Für die Archivierung möchte man sicherstellen, dass nicht schon beim Brennen beziehungsweise beim Kopieren etwas verfälscht oder weggelassen wird. Brennprogramme bieten hierzu eine Option, das Medium zu überprüfen; diese sollte man nutzen. Beim Kopieren auf eine Festplatte kann man zum Vergleich zusätzliche Software einsetzen. Beispiele dafür sind das kostenlose Dateivergleichsprogramm Windiff oder ein Prüfsummen-Programm wie die Open-Source-Software Jacksum.

Da digitale Datenträger nicht ewig halten, muss man sie regelmäßig überprüfen. Für DVD-Rohlinge gibt es spezielle Testsoftware, um die Güte der gebrannten Rohdaten zu überprüfen, sie also ohne Fehlerkorrektur einlesen zu können. So lassen sich ansteigende Fehlerraten erkennen und die Daten auf neue Medien kopieren, bevor sie unlesbar werden. Festplatten können mit Hilfe der SMART-Funktion den Anwender rechtzeitig vor einem drohenden Ausfall warnen. Diese Funktion ist jedoch nur bedingt zuverlässig. Außerdem steht die SMART-Funktion an per USB angeschlossenen externen Festplatten nicht zur Verfügung.

Wichtig ist auch, bei einem Wechsel der Hard- oder Software an sein Archiv zu denken. Bevor man seinen alten PC verschrottet, sollte man prüfen, ob der neue noch auf alle Daten zugreifen kann. Hat er passende Laufwerke und Schnittstellen? Funktioniert die externe Platte auch tatsächlich am Port des neuen Rechners? Kann neue Software noch die alten Dateiformate lesen oder läuft wenigstens die alte Software noch auf dem neuen Betriebssystem? Wenn nicht, ist Umkopieren oder Konvertieren angesagt, bevor das Altgerät auf den Schrott wandert.

Eine Möglichkeit, Daten trotz veraltender Formate zu konservieren, besteht darin, die zugehörige Software zusammen mit den Daten zu speichern. Der Gefahr, dass neue Betriebssysteme die alte Software nicht akzeptieren, kann man mit der Virtualisierung alter Betriebssysteme begegnen. VMware oder das kostenlose VirtualBox (auf Heft-DVD) führen Betriebssysteme in virtuellen Maschinen aus, in denen sich die alte Anwendung wieder zum Leben erwecken lässt. Dieses Verfahren funktioniert natürlich nur, wenn es die Virtualisierung auch zukünftig noch geben wird. Eine solche Emulation von Software hat den Vorteil, dass man sich um Formate der Dateien und Langlebigkeit von Anwendungen nicht kümmern muss. Sie erfordert allerdings, dass man die einmal genutzten Betriebssysteme penibel sammeln muss.

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