Digital-Forensik Kameras hinterlassen Fingerabdrücke

Anhand der individuellen Signatur der Chips von Digitalkameras wollen britische Forscher Kinderpornografen überführen. Das für jeden Chip typische Bildrauschen soll Fotos eindeutig der Kamera zuordnen, mit der sie angefertigt wurden.  


Wenn Polizisten die Waffe identifizieren wollen, aus der eine bestimmte Kugel verschossen wurde, untersuchen sie die individuellen Muster, die der Lauf auf dem Geschoss hinterlassen hat. Ganz ähnlich will Jessica Fridrich von der Binghamton University vorgehen, um Digitalbilder den Kameras zuzuordnen, mit denen sie fotografiert wurden.

Kinderpornografie-Ermittler in Stuttgart: Individuelles Rauschmuster der Kamera
DPA

Kinderpornografie-Ermittler in Stuttgart: Individuelles Rauschmuster der Kamera

Ziel ihrer Arbeit ist es, die Urheber von kinderpornografischen Aufnahmen zu überführen. "Oft reden Verdächtige sich damit heraus, dass die Fotos nicht mit ihrer Kamera gemacht wurden oder dass die Bilder keine Kinder zeigen", sagt Fridrich. Mitunter würden einfach Köpfe Erwachsener mit einer Bildbearbeitung auf die Kinderkörper gesetzt, um einer Strafverfolgung aus dem Weg zu gehen.

Fridrich hat gemeinsam mit zwei Kollegen ein Verfahren entwickelt, dass solche Bildmanipulationen erkennen soll - und außerdem eine Zuordnung von Kamera und Fotos erlaubt. Zwei der genutzten Techniken wurden zum Patent angemeldet.

Die Forscher nutzen die Tatsache aus, dass die Aufnahmechips in Kameras ein typisches Rauschen besitzen, das jedem Foto überlagert ist. Dieser Fingerabdruck ist mit bloßem Auge nicht sichtbar, lässt sich jedoch per Software erfassen, indem mehrere Fotos derselben Kamera analysiert werden.

Solange mehrere Fotos zur Verfügung stehen oder aber die Kamera selbst, können Fridrich und ihre Kollegen das individuelle Rauschmuster der Kamera mit ihrem Verfahrens extrahieren. Ob ein bestimmtes Bild mit derselben Kamera fotografiert wurde, ist dann leicht festzustellen.

Die digitale Forensik versagt jedoch, solange nur ein einziges Vergleichsfoto zu Analyse zur Verfügung steht, mit dem andere Fotos unbekannter Herkunft überprüft werden sollen, und die Kamera selbst fehlt.

In einem Test analysierten Fridrich und ihre Kollegen insgesamt 2700 Fotos, die mit neun verschiedenen Kameras gemacht worden waren. Die Forscher halten ihr Verfahren für robust genug, um auch verschiedene Kameras desselben Modells unterscheiden zu können. Das digitale Rauschen sei zufällig, bei der Produktion der Chips und der Kameras bekomme jedes Gerät seinen individuellen Fingerabdruck.

"Wir kennen Ermittler, die diese Technik gern nutzen wollen", sagt Fridrich. Bis jetzt besitze man aber nur ein Forschungswerkzeug, das noch verbessert werden müsse. Die Wissenschaftler glauben, dass die Bildanalyse künftig auch bei gescannten Bildern und Videos genutzt werden könnte.

hda



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