Digitale Duftmarken Virtuelle Kritzeleien mit dem Handy

Nachdem das Internet bereits mit Millionen von Weblogs zugemüllt ist, kommt jetzt der öffentliche Raum dran: Via Handy kann jedermann Kommentare und Bilder hinterlassen - gleich Graffitis, nur ohne Sachbeschädigung.


Vorsicht vor Steves Fisch: Virtuelles Graffiti an einem Restaurant

Vorsicht vor Steves Fisch: Virtuelles Graffiti an einem Restaurant

Ab Januar können Britten ihre Straßen, Plätze und Lokale mit virtuellen Graffitis überziehen. Der neue Handy-Dienst TangandScan der amerikanischen Firma Cimarrones nutzt dafür die aktuelle Funkzelle, in der das Mobiltelefon angemeldet ist. In dicht besiedelten Städten messen diese meist nur 100 Meter im Durchmesser.

Handybesitzer hinterlassen in ihrer Zelle Texte oder Fotos, die andere Passanten später abrufen können, wenn sie in derselben Funkzelle unterwegs sind. Denkbar sind beispielsweise Restaurant-Tipps á la "Finger weg - mein Fisch war noch völlig roh!". TagandScan erlaubt nicht nur öffentliche sondern auch private Graffitis, die nur für Ausgewählte lesbar sind.

Firmenchef Ryan Janssen berichtete dem Wissenschaftsmagazin New Scientist auch von ganz anderen Nutzungen aus der Testphase, auf die die TagandScan-Macher von selbst gar nicht gekommen wären: "Leute haben zum Beispiel Weihnachts-Wunschlisten als privates Graffiti gespeichert, um nichts zu vergessen." Janssen glaubt, dass Menschen mit seiner Technik auch politische Demonstrationen organisieren werden oder ihren ganz persönlichen Stadtführer kreieren.

TagandScan funktioniert grundsätzlich in den Netzen aller Mobilfunkbetreiber. Der Dienst wird jedoch zunächst nur in größeren Städten Großbtitanniens angeboten. Das kostenlose Programm zum Senden und Empfangen der virtuellen Nachrichten setzt ein Java-fähiges Mobiltelefon voraus. Je Nachricht kassiert der Dienstanbieter rund 30 Cent.

Mit TagandScan versucht die Firma Cimarrones, den so genannten Location based Services neuen Schwung zu verleihen. Die ursprünglich als hoffnungsvolle Geschäftsidee gestarteten Angebote konnten sich auf dem Markt nie so recht durchsetzen. Einzige Ausnahme ist die "Home Zone" des Netzbetreibers O2, die Handy-Telefonate zum Festnetzpreis in der heimischen Funkzelle möglich macht.

Ein Grund für den mangelnden Erfolg der Location based Services ist sicher auch die Ungenauigkeit der Handy-Ortung. So erscheinen mitunter Hinweise auf die nächstgelegene Tankstelle erst dann, wenn man bereits an ihr vorbeigefahren ist. Große Hoffnungen setzen die Anbieter deshalb auf die neue Mobilfunk-Generation UMTS, die eine wesentlich präzisere Ortung ermöglichen soll.



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