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Digitales Kino: Filmstudios einigen sich auf gemeinsamen Standard

Die Filmrolle dürfte bald ausgedient haben: Die Kinoindustrie bereitet sich auf den Wechsel zu Digitaltechnologie vor. Insiderinformationen zufolge sollen sich die großen Studios auf einen gemeinsamen Standard geeinigt haben.

Klassische Filmrolle: Die Technik des vorletzten Jahrhunderts hat bald ausgedient
[M] DPA; mm.de

Klassische Filmrolle: Die Technik des vorletzten Jahrhunderts hat bald ausgedient

Bereits im Laufe des heutigen Mittwoch, berichtet die "New York Times", würden Sprecher der großen Studios bekannt geben, auf welchen gemeinsamen Standard zur digitalen Filmdistribution sie sich geeinigt haben. Die Entscheidung hat einiges Gewicht in der Branche und dürfte die Umstellung auf Digitaltechnik tatsächlich erheblich beschleunigen: Hinter der "Digital Cinema Initiative" stehen Disney, Fox, MGM, Paramount, Sony Pictures Entertainment, Universal und die Warner Bros. Studios.

Verhandelt hatten sie lang genug: Die Diskussion, wie man von klassischen Film- hin zu digitalen Projektoren kommen könne, wie den Vertrieb von Rolle auf Online/DVD umstellen könne, läuft seit Jahren. Für die Filmindustrie bedeutet all das weit mehr als nur eine Umstellung der Medienträger. In ihrer Existenz bedroht fühlten sich bei diesem Thema zurecht nicht nur die Kinobesitzer, die Angst hatten vor häufigen Projektortechnik-Wechseln mit Kosten von 100.000 Dollar und mehr pro Stück. Auch im Filmvertrieb sind ganze Produktionsschritte vom Kopierwerk bis hin zur Auslieferung des empfindlichen Filmmaterials durch spezialisierte Spediteure möglicherweise bald obsolet.

Auf der anderen Seite lockt die Filmindustrie die Aussicht, den Preis pro Kopie (derzeit mehr als 1000 Dollar pro Filmexemplar) auf ein Minimum zu drücken. So entfielen die astronomisch hohen Vorinvestments in Kopien, die den Vertrieb so risikoreich machen: Zum Blockbuster kann nur werden, was in genügend hoher Stückzahl auf den Markt gedrückt wird. Ein Flopp an der Kasse rächt sich dann doppelt.

Doch auch die Vertriebskosten ließen sich - beispielsweise in Form einer Download-Distributionsplattform - zu einem guten Teil auf die Filmvorführer abzuwälzen. Dann würden die Erfolgschancen eines Filmes nicht zuletzt durch die Nachfrage mitbestimmt. Sehr verlockend für die Studios, die mit Digitalvertrieb anscheinend mehr zu gewinnen haben als der nachgeordnete Teil der Film-Verwertungskette.

Im Mittelpunkt der Debatte um einen gemeinsam technischen Standard stand darum auch stets die Frage nach der Zeche: Wer würde die bezahlen?

Zumindest dieser Punkt scheint zwischen Lobbyvertretern der Kinobesitzer und den Studios nach wie vor ungeklärt. Zwar einigten sich die Studios nicht nur auf einen gemeinsamen Projektorstandard, sondern auch auf eine Verpflichtung, die gewählte technische Plattform kompatibel mit Nachfolgetechniken mit besseren Auflösungen zu halten. Trotzdem bleibt die Umstellung auf Digitalprojektoren für die Theaterbesitzer ein teurer Spaß - und der war ihnen in der Kinoflaute des letzten Jahres gerade gründlich vergangen.

Eine vollständige Umstellung auf Digitaltechnik, glauben darum Branchenexperten, könne sich über Jahre, vielleicht Jahrzehnte hinziehen. Gerüchten zufolge wollen die Studios das mit einem Beihilfesystem verhindern: Offiziell will sich dazu aber noch kein Vertreter der Filmstudios äußern.

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