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Digitales Kino: Testfall Europa

Kein Zweifel: Das digitale Kino kommt, mit weit reichenden Konsequenzen für die Branche. Doch darauf, dass Hollywood die Bedingungen mit seiner Marktmacht diktiert, wollen die Betreiber von 175 meist kleineren europäischen Kinos nicht warten. Für sie beginnt die digitale Zukunft im Herbst 2004.

Kinosaal: Bald Online-Lieferung digitaler Kopien, sobald man sie braucht?
DPA

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Das digitale Kino kommt. Dieser Schlachtruf ist zu hören, seit die US-Firma Texas Instruments 1997 den Prototyp ihres leistungsfähigen DLP-Cinema-Projektors auf den Markt brachte. Gemeint ist mit dem Schlagwort nicht nur die Vorführung digitaler Signale im Filmtheater, sondern die lückenlose digitale Verwertungskette von der Kamera bis zur Projektion, was auf das Aus für das konventionelle Zelluloid hinauslaufen dürfte.

Die Filmverleiher erhoffen sich von der neuen Technik Einsparungen von bis 90 Prozent, ist doch das Versenden filmischer Datenpakete über Satellit oder Breitbandleitungen viel billiger als das Herstellen und Verschicken schwerer Filmrollen. Mittlerweile ist der technische Fortschritt so weit, dass digitale Projektionen technisch der traditionellen Zelluloid-Vorführung ebenbürtig sind. Umso näher rückt der Termin des angekündigten "digitalen Roll-Out", also der flächendeckenden Einführung des digitalen Kinos durch die Hollywood-Unternehmen.

Zur Vorbereitung dieses Vorstoßes hatten sich im April 2002 sieben US-Konzerne in der Digital Cinema Initiative (DCI) zusammengeschlossen. "Derzeit arbeiten die Ingenieure mit Hochdruck an den Standards," erläutert der Analyst Patrick von Sychowski vom britischen Marktforschungsunternehmen Screen Digest. "In fünf Monaten dürften sie damit fertig sein." Die industrielle Umsetzung werde aber voraussichtlich erst 2006 erfolgen, sagt die Berliner Medienberaterin Inga von Staden voraus.

Doch eine Gruppe von meist kleineren Programmkinos und unabhängigen Verleihern will "nicht warten, was die US-Majors uns mit ihrer Marktmacht diktieren", sagt Björn Koll, Geschäftsführer des Berliner Verleihs Salzgeber. Er ist Initiator des Netzwerks "European DocuZone" (EDZ).

Kinobetreiber, Verleiher und Produzenten aus Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern haben es gegründet, um den paneuropäischen Austausch von Dokumentarfilmen in 175 Kinos zu organisieren. Den Löwenanteil stellt dabei Deutschland mit 112 Teilnehmern.

Im Heim längst (noch teurer) Alltag: Digitale Projektoren
Sharp Electronics (Europe) GmbH

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Ab Herbst will EDZ jede Woche via Satellit einen europäischen Film in die Mitgliedskinos überspielen, die den Film dann zeitgleich zu einem festen Termin zeigen. Die Kinos können die von DocuZone bereitgestellte Digitaltechnik gegen eine geringe Nutzungsgebühr auch für andere Zwecke wie etwa Firmenpräsentationen oder andere Veranstaltungen nutzen, die zusätzliche Einnahmen bringen.

Wegen dieser europäischen Ausrichtung hat das Media-Programm der Europäischen Union das Projekt mit rund 2,5 Millionen Euro unterstützt. Das Netzwerk versteht sich als Alternative zur Kommerzmaschine der US-Majors und soll der europäischen Filmkultur eine neue Chance eröffnen.

Die digitale Projektion mit relativ preisgünstigen ausbaufähigen Beamern soll auch Low-Budget-Filmen eine Kinochance verschaffen und kleineren Verleihern den Marktzugang über Grenzen hinweg erleichtern. Für die teilnehmenden Arthouse-Kinos bietet das Netzwerk die Chance, ihre Programme zu diversifizieren und ihre Unabhängigkeit zu festigen.

Das Programmschema von EDZ sieht vor, dass an drei der vier Termine im Monat je ein europäischer beziehungsweise ein deutscher Dokumentarfilm sowie ein Nachwuchsfilm gezeigt werden. Am vierten Termin sollen europäische Events wie zum Beispiel Popkonzerte oder Opern live in die Kinos übertragen werden. Den Startschuss für EDZ wollen die Initiatoren mit einem paneuropäischen Dokumentarfilm-Festival geben, das vom 12. bis 14. November simultan acht europäische Dokumentarstreifen präsentiert.

Der reguläre Betrieb in den 175 Kinos soll am 1. Januar beginnen. Koll ist jedoch zuversichtlich, bald weitere Teilnehmer zu überzeugen: "Wir haben viele Anfragen aus Ländern wie Frankreich, Italien und Ungarn erhalten."

Reinhard Kleber, ddp

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