Digitalfotografie Vorsicht, Fälschung!

Digitale Fotos zu verändern, ist kinderleicht. Wissenschaftler entwickeln jedoch ausgefeilte Tricks, um den Manipulierern und Fälschern auf die Schliche zu kommen. Intelligente Wasserzeichen überstehen sogar das Ausdrucken und erneute Einscannen.

Von Dörte Sasse


Rolex aus PR-Gründen wegretuschiert: Siemens-Chef Klaus Kleinfeld mit und ohne Luxusuhr
DPA

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"Bilder sind heute nicht weniger vertrauenswürdig als früher", da ist sich Anders Uschold sicher: "Heute geht das Fälschen vielleicht schneller, aber nicht perfekter." Der vereidigte Sachverständige für analoge und digitale Fotografie verweist auf eine klassische Technik: Kopf aus einem Papierbild ausschneiden, passgenau auf ein zweites kleben und abfotografieren. Bei sauberer Arbeit konnte man dem Fälscher den Eingriff auch schon vor 50 Jahren kaum nachweisen.

Bildmanipulation entstand quasi mit dem Aufkommen der Fotografie selbst: Während das Publikum im 19. Jahrhundert endlich das Gefühl hatte, dass Fotos im Gegensatz zur Malerei einen objektiven, unverfälschten Ausschnitt der Wirklichkeit liefern, fanden sich schnell Menschen, die auch die neue Technik zu missbrauchen wussten. Die Filme und Papierbilder auf Basis von Silbersalzen, heute "analoge Aufnahmen" genannt, erlaubten zwei Methoden der Fälschung: entweder mit Schere und Klebstoff oder mit dem Retuschierpinsel.

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Täuschend echt: Manipulierte Fotos

So setzte sich in der Fotografie fort, was schon bei den alten Ägyptern und Römern geschehen war - das Löschen aller Darstellungen unliebsam gewordener Personen aus der kollektiven Erinnerung. In vorchristlichen Zeiten hieß das, Statuen und Steinreliefs mit dem Meißel zu "korrigieren", zwei Jahrtausende später war Feinarbeit mit dem Retuschepinsel unter der Lupe gefragt. So ließ Stalin Trotzki aus Fotos mit Lenin perfekt herauslöschen.

Ähnliches kommt auch im Zeitalter der Digitaltechnik vor: Der Chef der hessischen Staatskanzlei, Franz Josef Jung, verschwand im Jahr 2000 nach seinem Rücktritt wegen der Parteispendenaffäre spurlos aus dem Bild von Roland Kochs "Team für Hessen". Und kaum ein Model wandert heute aufs Werbeplakat, ohne dass ihm die Hautunreinheiten weg- und das schöne Dekolleté hinretuschiert werden. "Zugenommen hat das Verändern schon", räumt Uschold ein. "Je einfacher es ist, desto umfassender findet es statt."

Einfacher sind Manipulationen geworden, weil digitale Bilder zwar das Endprodukt aus der Kamera sind, aber für Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop und GIMP wiederum nur das Ausgangsmaterial darstellen. Eine ganze Palette virtueller Werkzeuge öffnet der Veränderung, Verbesserung oder Verfälschung Tür und Tor:

Auch hier lassen sich Köpfe ausschneiden und an anderer Stelle wieder einsetzen; ein Stempel überdeckt Unliebsames mit benachbartem Hintergrund; Flächen wechseln per Mausklick die Farbe, und Filter verändern ganze Bildstimmungen. Typisch ist aber, dass beim pixelgenauen Hingucken Ränder und Übergänge der Veränderungen sichtbar werden.

Kunstvoller arbeitet Klaus Schröer, der sich mit seiner Firma "Fake-Lab" auf "High-End Bildmontagen" spezialisiert hat und damit wirbt, für unmöglich gehaltene Bildmontagen zu schaffen. Der Purist benutzt eine ältere Photoshop-Version und verzichtet auf Stempel, Filter und andere Automatiken, "weil das alles zu qualitativ zweitrangigen Ergebnissen führt".

Stattdessen setzt er auf klassisches digitales Ausschneiden, wobei sich die Schnittkanten immer "weich" über mehrere Pixel ziehen. Zudem verteilt er seine Veränderungen auf 200 bis 300 Bildebenen, die wie transparente Folien übereinander liegen. Ihr Übereinanderblenden, "wie die vielen Schichten bei alten Gemälden", verwische die typischen Montagespuren, sagt Schröer. Das Gros seiner Arbeit stellen höchst eilige Aufträge von Firmen, die anstatt ein neues, teures Shooting zu machen, einfach neue Produkte und Logos gekonnt in alte Bilder hineinmontieren lassen.

Unsichtbare Wasserzeichen

Photoshop-Idylle: Riesiger Wintermond hinter der Falkenstein-Ruine bei Pfronten - eine Manipulation, wie dpa später feststellte
DPA

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Derart frisierte und geschönte Werbefotos werden vom Betrachter oft nicht als Fälschung empfunden, manipulierte Pressebilder indes schon. Uschold definiert Bildfälschung als gegeben, "wenn das Bild eine andere Aussage bekommt als ursprünglich vorhanden war", wenn also gezielte Täuschung vorliegt. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, um den Blick auf die Realität zu verzerren: Entweder verändert man den Inhalt durch Montage oder Retusche; oder man stellt dem unveränderten Bild eine falsche Beschreibung zur Seite oder ordnet es dem falschen Kontext zu; oder man sorgt schon bei der Aufnahme für eine inszenierte Wirklichkeit oder für einen Bildausschnitt, der die Realität grob verzerrt darstellt.

Die meisten Menschen sehen vor allem in inhaltlichen Veränderungen eine Fälschung, etwa wenn die Klatschpresse Caroline von Monaco wieder einmal ein fremdes Baby als das eigene in den Arm legt oder wenn, wie in den Schweizer Medien geschehen, nach dem Attentat auf Touristen im ägyptischen Luxor eine große Wasserlache zur Blutlache umgefärbt wird. "Ich würde mir ein Bild immer ganz genau anschauen", sagt Sascha Zmudzinski, Kodierungsexperte am Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI) in Darmstadt. "Denn in vielen Fällen geschehen diese Fälschungen unter einem großen Zeitdruck."

Weiter in Teil 2:

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