Digitalkamera Foto-Flitzer schießt Highspeed-Bilder zum Hobbypreis

Extrem-Zeitlupen-Kameras waren für Privatleute bisher unerschwinglich. Eine neue Highspeed-Fotokamera schießt 60 Fotos oder 1200 Video-Frames pro Sekunde - mehr als aktuelle Profigeräte. Der Foto-Flitzer soll um die 1000 Euro kosten - ein vergleichsweise günstiger Preis.

Von Markus Linden


Die Casio EX-F1 könnte eine gewöhnliche Digitalkamera sein: Ihr Zoom reicht von 35 bis 432 Millimeter Brennweite, die Auflösung von sechs Megapixel ist eher unterdurchschnittlich und selbst solche innovative Funktionen wie eine Gesichtserkennung bietet die Konkurrenz seit Monaten. Eines allerdings ist einzigartig: Die Geschwindigkeit, mit der die Kamera sowohl Fotos als auch Videos anfertigen kann.

Exilim EX-F1: Die Casio-Kamera sieht langweilig aus, ist aber schneller als viele Profikameras

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Die teuren Profi-Kameras, wie sie Sport- und andere Action-Fotografen einsetzen, schaffen rund zehn Fotos pro Sekunde. Mit diesem Maschinengewehrfeuer halten die Sportprofis auf Michael Ballack drauf und erwischen so mit einem von 10 oder 15 Fotos den Moment, wenn der Spieler den Pass annimmt. Die anderen Fotos sind Ausschuss. Entweder ist der Ball noch nicht da oder schon wieder weg und – mit viel Glück für den Fotografen und den FC Chelsea - auf dem Weg ins Tor.

Bei schnelleren Bewegungen reichen die zehn Bilder nicht mehr aus: Bogenschützen benötigen zum Abfeuern des Pfeiles wenige Millisekunden. Golfspieler brauchen zwar länger für den Abschlag, wer allerdings ein Foto mit fliegendem Ball machen will, muss ebenfalls ein Zeitfenster treffen, dass nur wenige Millisekunden groß ist.

60 Fotos mit sechs Megapixeln pro Sekunde

Die Casio EX-F1 ist ungefähr sechsmal so schnell wie die besten Profi-Kameras und erhöht so die Chancen enorm, ein spektakuläres Abschlagsfoto zu machen. Allein deshalb dürfte so mancher Sportfotograf begehrende Blicke auf die Highspeed-Kamera werfen.

Die Casio schafft zwar die 60 Bilder in voller Auflösung, aber das nur eine Sekunde lang. Dann ist der Bildpuffer voll. Um solche Motive wie den Golfspieler nicht durch zu spätes Auslösen zu verpassen, gibt es eine Prerecord-Funktion: Drückt man den Auslöser halb durch, so beginnt die Kamera fortlaufend 60 Bilder pro Sekunde aufzunehmen und die ältesten automatisch zu verwerfen. Der Prozess wird gestoppt, sobald man den Auslöser durchdrückt. War man etwas zu langsam, ist das richtige Foto trotzdem noch im Speicher.

Aber auch für die Videofreunde hat die Kamera einiges zu bieten: neben dem normalen HDTV-Modus (1920 mal 1080 Bildpunkte) für hochaufgelöste Filme verfügt die Kamera über eine Highspeed-Movie-Funktion. Mit eingeschränkter Auflösung werden so 300, 600 oder gar 1200 Bilder pro Sekunde erfasst.

Wissenschaftler, Sporttrainer, Sportfotografen

Mit so etwas lassen sich extreme Zeitlupenaufnahmen realisieren. Denn abgespielt werden Videos in der Regel mit 25 Bildern pro Sekunde. Ein Ereignis von einer Sekunde Dauer lässt sich so auf 12, 24 oder gar 48 Sekunden strecken. Crashtests der Automobilindustrie werden so gefilmt, aber natürlich auch einige Werbefilme und Sequenzen in Kinofilmen. Wissenschaftler verschiedener Richtungen benötigen extreme Zeitlupen, um Bewegungsabläufe studieren zu können, die zu schnell für das menschliche Auge stattfinden.

Siegbert Laakmann, Produktmanager bei Casio in Deutschland sieht die Zielgruppe der neuen Kamera daher sowohl bei Amateuren, die eine universell nutzbare Kamera haben wollen als auch bei professionell arbeitenden Anwendern. "Neben den Amateuren, die einfach Spaß an Hochgeschwindigkeitsaufnahmen haben, werden viele Wissenschaftler, Sporttrainer, Sportfotografen und Videodienstleister sich für die Exilim EX F1 interessieren", ist sich Laakmann sicher.

Das Interesse dürfte auch einiges mit dem Preis der Kamera zu tun haben. Zwar will Laakmann noch nichts über den Kaufpreis der ab März erhältlichen Kamera verraten, aber seine Kollegen in den USA zeigen sich offener: 999 US-Dollar wird die Kamera wohl jenseits des Atlantiks kosten. In Deutschland dürfen wir somit einen Preis von deutlich unter 1000 Euro erwarten. Das ist ein Bruchteil von dem, was professionelle Hochgeschwindigkeitskameras für die Fotografie oder für Video normalerweise kosten.

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