Digitalkunst Photoshop-Künstler malt mit Bytes und Bleistift

Erst Bleistift, dann Pinsel und Airbrush, schließlich die Werkzeuge in Photoshop und das Grafiktablett - der Berliner Künstler Jörg Warda malt digitale Gemälde mit Stift und Software.

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Am Anfang standen die Bilder anderer und der Wunsch, so etwas auch selbst zu Papier zu bringen. Angeregt haben Jörg Warda damals die Bildwelten von Fantasy und Science Fiction, Pin-up-Illustrationen oder der Playboy-Grafiker Patrick Nagel mit seinen monochromen Flächen und eleganten Konturlinien.


Will man Jörg Warda besuchen, so steigt man am Schloss Charlottenburg aus dem Bus, wendet sich dann allerdings nicht der feudalen Fassade zu, sondern der nicht weniger beeindruckenden Allee gegenüber. Dort, passenderweise gleich hinter den Sälen der Berliner Gipsabguss-Sammlung, liegt sein kleines Atelier: ein Mac in der Zimmerecke, davor Tastatur und Grafiktablett und eine schmale, aufgeräumte Arbeitsfläche.

Entdeckt hatte ich die Werke von Jörg Warda in einer Ausgabe der amerikanischen Spectrum-Jahresbände. Einen Deutschen, dem die Ehre widerfährt, hier abgedruckt zu werden, sollte man doch einmal kennenlernen.

Vielleicht hatte ich andere seiner Grafiken bereits gesehen, etwa in der Werbung von Samsung, Hitachi oder Sony – alles Klienten, für die er bereits gearbeitet hat, ebenso wie für das Fraunhofer-Institut.

Fantasy und düster-verlockende Ladys waren da weniger gefragt, eher Brotjobs wie Corporate Design, Logo-Entwicklung, Anzeigengestaltung oder Webdesign.

Zeit für freie Projekte blieb damals nur nebenbei. Wie wichtig der vertraute Umgang mit den traditionellen Werkzeugen ist, sieht man den Arbeiten von Jörg Warda auf den ersten Blick an. Um einen Rückenakt wie den rechts mit Photoshop und Grafiktablett zu zeichnen, ist der Erfahrungshintergrund von Bleistift und Kohle fast unverzichtbar.

Übliche Digital-Pinselstriche sehen auch nicht so aus wie hier; damit sie diese haptische Qualität bekommen, muss man sehr genau wissen, wie sich echtes Graphit auf realem Papier verhält. Für andere Projekte wiederum ist der vertraute Umgang mit dem Airbrush eine gute Basis, und auch den bringt das Gründungsmitglied des 1986 ins Leben gerufenen Berliner Airbrush-Clubs mit.

Für jedes seiner Bilder arrangiert Jörg Warda zunächst eine große Menge von fotografischem Material in vertrauter Montage-Manier. Das Nachzeichnen der Konturen auf überlagernden Ebenen ist eine inzwischen kaum mehr wegzudenkende Arbeitshilfe, ähnlich wie die Erfindung der Fotografie den Malern – und Modellen – des 19. Jahrhunderts endlose Sitzungen in schmerzhaft-eingefrorener Haltung ersparte.

Neue Möglichkeiten, von denen die Kollegen damals nicht einmal träumen konnten, haben 3D-Programme mit sich gebracht. Sie erlauben nicht nur die Vorgabe von Körperhaltungen, die ein Modell kaum einnehmen könnte, sondern auch das Generieren ungewöhnlicher Objekte, korrekte Beleuchtung und Schattenwurf inklusive.

Malen mit dem Tablett ist bei Warda aber fast so traditionell und handwerklich wie beim Umgang mit Tubenfarben und Pinseln. Automatikfunktionen kommen kaum zum Einsatz. Obwohl hier keine Pigmente mit Marderhaarpinseln aufgetragen werden, sondern Pixel – das Gemälde entsteht Strich für Strich, wenn auch auf korrigierbaren Ebenen. Ein weiterer Luxus, auf den frühere Maler verzichten mussten.

Für seine Arbeiten wurde Warda mehrfach ausgezeichnet: Mit dem CG Gallery Trophy Award und dem Excellence Award von Ballistic Publishing; außerdem war er "Artist of the Month" bei Infinitee Designs.

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