Domainhandel Fernsehsender lieben Tuvalu

Die ersten größeren Fernsehsender richten ihre Angebote unter der attraktiven Endung ".tv" ein. Doch die Einführung neuer Domains könnte dem Geschäft den Wind aus den Segeln nehmen.


Seit dem Geschäftsstart im Mai haben habe es bereits "hunderttausende" Registrierungen von .tv -Domains gegeben, berichtet die Firma dotTV, die die Adressen verkauft. Zu den Abnehmern gehören prestigeträchtige Organisationen wie die amerikanische Academy of Television Arts & Sciences, die ihre Fernsehpreis-Verleihung im Internet erstmals unter "emmys.tv" präsentierte. Nach Angaben von dotTV springen auch die ganz großen der Branche auf den Zug auf und lassen sich .tv - Domains registrieren: unter anderem Columbia TriStar oder Fernsehketten wie NBC oder ABC seien schon aktiv geworden. Doch viele der großen Firmen haben noch keine Angebote unter ihren .tv - Namen hinterlegt. Wer zum Beispiel zu "nbc.tv" surft, landet wieder auf einer Seite von dotTV, die darauf hinweist, dass die entsprechende Domain bereits vergeben ist.

Staatswappen von Tuvalu: Der Inselstaat nimmt duch den Handel mit den Domains mindestens 40 Millionen Dollar ein

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Etwas mehr zu bieten haben die beiden größeren deutschen Fernsehsender, die unter .tv -Domains erreichbar sind: die Musikkanäle Onyx und Viva. Die beiden haben ihr komplettes Webangebot auf den einprägsamen ".tv"-Namen umgestellt.

Die .tv-Adressen sind schon ab 50 Dollar im Jahr auf der dotTV-Homepage zu haben. Für diesen Betrag wechselte zum Beispiel jüngst die Domain "new-business.tv" den Besitzer. Doch besonders attraktive Adressen erzielen wesentlich höhere Preise: So bezahlten die neuen Eigentümer der Domains "free.tv" und "net.tv" jeweils 100.000 Dollar. Doch die Einführung neuer Top-Level-Domains durch die Icann, für die jetzt 45 Bewerber feststehen, könnte diesen Geschäften den Wind aus den Segeln nehmen.

Dann könnten nämlich in Zukunft Unternehmen auch Domains mit Endungen wie "music" oder "news" kaufen und bräuchten nicht mehr auf Länderdomains auszuweichen, die dafür im eigentlichen Sinne gar nicht gedacht waren. Wann die neuen Domains allerdings tatsächlich kommen, ist immer noch nicht klar.

Der Inselstaat Tuvalu hatte Ende 1999 das Geschäft mit der Länderkennung "tv" an die amerikanische Firma dotTV übertragen. Das Land wird dafür reichlich entschädigt: Tuvalu bekommt über zehn Jahre verteilt mindestens 40 Millionen Dollar. Etwa 18 Millionen davon wurden nach Angaben von dotTV bereits ausbezahlt. Das relativ arme Tuvalu, dessen Inseln bereits unter den Folgen der Erderwärmung zu leiden haben, nutzt den Geldregen nach eigenem Bekunden zur Verbesserung der Infrastruktur. So seien Straßen repariert worden, Generatoren für eine stabile Stromversorgung angeschafft und das medizinische Personal aufgestockt worden. Und auch für Internetzugänge habe man das Geld ausgegeben.

Außerdem wurde Tuvalu beim Uno-Millenniumsgipfel vor knapp einem Monat in New York als 189. Mitglied in die Vollversammlung aufgenommen. Die Bewerbung dafür kostete 30 000 Dollar, und auch dieser Betrag wurde aus dem Erlös für die .tv-Domains bezahlt. Neben Tuvalu versuchen auch noch andere Länder, ihre Internetkennungen gewinnbringend zu verkaufen, unter anderem Tonga mit der Domain .to.



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