Drahtloses Internet Billigkonkurrenz für UMTS

In München geht in diesen Tagen das erste öffentliche W-Lan-Netz in Betrieb - lizenzfrei. Das ruft die Inhaber der UMTS-Lizenzen auf den Plan. Die großen Mobilfunkunternehmen fürchten die billigere Konkurrenz und fordern die Bundesregierung auf, den fairen Wettbewerb sicherzustellen.

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Drahtloser Internetempfänger: Gefahr durch die Billigkonkurrenz

Drahtloser Internetempfänger: Gefahr durch die Billigkonkurrenz

Berlin - So schnell war Richard Appelbaum noch nie im Internet. "Sie drücken auf die Taste und schon ist das Bild da", schwärmt der stellvertretende Direktor des Münchner Nobelhotels "Kempinski".

Seit ein paar Tagen bietet das Haus in der Maximilianstraße seinen Gästen einen Zugang zum Internet, der nicht nur besonders schnell ist, sondern auch drahtlos. "Wireless Local Area Network" heißt das kabellose Funknetz, kurz "W-Lan".

Über tausend solcher Funknetze werden bereits in Deutschland betrieben, bisher allerdings ausschließlich nicht-öffentlich, meistens in Großraumbüros von Unternehmen. Mit dem Start im Münchner Kempinski-Hotel ist nun das erste öffentliche W-Lan in Betrieb genommen.

Angebot für Geschäftsreisende

Den Schlüssel zum drahtlosen Internet erhält der Hotelgast an der Rezeption. 150 Mark kostet die Zugangskarte für 24 Stunden. Den Service stellt die Firma Iobox, Tochter des spanischen Kommunikationskonzerns Telefónica und einer der größten Anbieter von mobilen Handydiensten in Europa. Vor allem auf Geschäftsreisende ziele das Angebot ab, erklärt Hotelier Appelbaum.

Elf Megabit pro Sekunde: Fünfmal schneller als UMTS

Elf Megabit pro Sekunde: Fünfmal schneller als UMTS

Alles, was der Nutzer mitbringen muss, ist ein Laptop oder ein so genannter Personal Digital Assistant (PDA), ein Gerät mit einem Bildschirm von der Größe einer Brieftasche. Bei Milchkaffee und Klaviermusik kann sich der Hotelgast damit einfach in die Lobby setzen und seine neuesten E-Mails lesen.

Oder im Fernsehen die Nachrichten sehen - ohne Ruckelbilder und verzerrte Töne. Denn W-Lan transportiert die Daten mit einer Geschwindigkeit von elf Megabit pro Sekunde, fünfmal schneller als der geplante UMTS-Mobilfunk. Und während die W-Lans reihenweise in Betrieb gehen, startet der UMTS-Betrieb frühestens Ende 2002. "Wir sind uns bewusst, dass die W-Lan-Technik mit UMTS konkurriert", sagt Max Grauert von Iobox. "Aber es ist uns natürlich lieber, dass die Leute diese Dienstleistung von uns kaufen als von der Konkurrenz." Einen Wettbewerbsvorteil haben die kabellosen Lokalnetze vor allem wegen der geringeren Kosten, denn im Gegensatz zu den UMTS-Frequenzen ist der Betreib eines W-Lan-Netzes lizenzfrei.

Die CDU sieht die Bundesregierung in der Verantwortung

Das treibt nun jene Unternehmen auf den Plan, die für zweistellige Milliarden-Beträge UMTS-Lizenzen ersteigert haben. "Es kann nicht sein, dass W-Lan kostenfrei zur Verfügung steht und UMTS teures Geld kostet", kritisiert Philipp Schindera von T-Mobil. Da sei ganz klar die Regulierungsbehörde gefordert.

Mit einem Brief an den Präsidenten der Regulierungsbehörde hat T-Mobil-Chef René Obermann den Druck auf die Regulierungsbehörde erhöht. Obermann äußert darin seine Sorge über eine Beeinträchtigung der Erlöse aus dem UMTS-Betrieb, berichtete die Telebörse. Die Regulierungsbehörde müsse darauf achten, dass nicht ein sehr ungleiches Spielfeld entstehe, mahnte der Mobilfunkunternehmer.

Bei der Regulierungsbehörde steht das Thema nicht auf der Tagesordnung, sagt Sprecher Harald Dörr. Es gebe keinen Grund, gegen W-Lans vorzugehen, schließlich stufe die Dachorganisation ITU diese Frequenzen als frei zugänglich ein. Dörr sagte aber, dass bereits mehrere UMTS-Lizenzunternehmen das Thema angesprochen haben.

Die CDU-Fraktion im Bundestag sieht die Bundesregierung in der Verantwortung. "Die Inhaber der UMTS-Lizenzen in Deutschland geraten durch die finanz- und ordnungspolitische Kurzsichtigkeit der Bundesregierung unter Druck", heißt es in einer Kleinen Anfrage der Abgeordneten Martina Krogmann. Die CDU-Expertin für Telekommunikation will wissen, seit wann der Regierung das Problem bekannt ist. Zudem solle die Regierung erklären, wie sie einen fairen Wettbewerb der Übertragungswege gewährleisten will.

Zwar sehen die Mobilfunkunternehmen ihre UMTS-Pläne in keiner direkten Konkurrenz zu den alternativen W-Lan-Netzen. Das liegt vor allem an einem Nachteil des lokalen Funksystems: Es ist noch nicht möglich, von einer Funkzelle in die nächste zu wechseln, ohne dass die Internetverbindung unterbrochen wird. Die Mobilität ist mit W-Lan also noch eingeschränkt.

Gefahr durch die billigere Konkurrenz

Aber an stark frequentierten Stellen wie Flughäfen oder öffentlichen Plätzen bestehe schon Gefahr durch die billigere Konkurrenz, so T-Mobil-Sprecher Schindera. Denn der technische Aufbau des UMTS-Netzes ist kompliziert. Während die Antennen erst noch entwickelt und errichtet werden müssen, sind die W-Lan-Basisstationen bereits im Handel zu kaufen, für gerade einmal 700 Mark. Die dazugehörige Steckkarte kostet den Kunden nur 350 Mark.

Allein mit dem Geld, das die Mobilfunk-Anbieter für die UMTS-Lizenzen ausgegeben haben, könnte man Deutschland flächendeckend mit W-Lan-Boxen pflastern. Das hat Hannu Kari von der technischen Universität Helsinki unlängst vorgerechnet. W-Lans sind auf dem Vormarsch, konstatierten übereinstimmend die Teilnehmer der Mobile Communication Conference 2001 im April in Finnland.

Rückendeckung erhalten die W-Lan-Anbieter von einer kürzlich veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Danach steigt der Umsatz auf dem W-Lan-Sektor von 2,2 Milliarden Mark im Jahr 2000 auf 10,6 Milliarden Mark im Jahr 2005.

In den USA sind bereits mehrere Flughäfen mit W-Lans ausgestattet. In der Bundesrepublik machen sich vor allem die Universitäten die drahtlose Technik zueigen. Ob in Rostock, Mannheim oder Berlin - die Studenten können es sich bei Sommerwetter mit ihren Laptops auf dem Campus-Rasen bequem machen und für die Hausarbeit im Internet forschen.

Auch öffentliche W-Lans wird es in Zukunft immer mehr geben. Dessen ist sich Richard Appelbaum vom Hotel Kempinski bereits sicher: "Das Interesse der Kollegen aus den anderen Hotels ist groß."

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