DSL-Preiskampf Durchmarsch der Flatrate

Vom günstigen Pauschalpreis fürs Internet träumt jeder Surfer, während die Telekommunikationsunternehmen lange gern darauf verzichteten. Jetzt aber wird die Flatrate zum Werbeargument Nummer Eins. Die Preise purzeln, und der als teuer verschriene rosa Riese gerät unter Druck: 1+1 = weniger T-Online?


Angebots-Wust: Der Preiskampf ist eröffnet
GMS

Angebots-Wust: Der Preiskampf ist eröffnet

Das Breitband-Internet wird in diesem Jahr wohl endgültig zum Massenmedium. Der IT-Branchenverband Bitkom rechnet bis Silvester mit neun Millionen DSL-Anschlüssen, eine Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ende 2004 hatten die Deutschen Telekom, Arcor und Konkurrenten sechs Millionen Zugänge freigeschaltet.

Auf der Türschwelle zum Massenmarkt geht der Wettstreit um Neukunden und Wechsler in die nächste Runde. Nachdem einige Anbieter bereits seit dem vergangenen Jahr Datenübertragungsvolumen verschenken und den Kunden den Anschlusspreis von knapp 100 Euro erstatten, den die Telekom verlangt, heißt die nächste Runde im Preisboxen: Flatrate.

Flatrates - also Pauschalpreise für die Webnutzung unabhängig von der tatsächlichen Online-Zeit und dem versurften Datenvolumen - sind seit jeher eines der größten Aufregerthemen im Internet. Zu Zeiten analoger und digitaler Wählverbindungen erst erträumt, dann angeboten und wegen Unrentabilität wieder vom Markt genommen, gibt es die Sorglostarife seit DSL ganz regulär. Nur für Otto Normalnutzer waren sie bisher mit meist 25 bis 50 Euro noch relativ teuer.

Die United-Internet-Tochter 1&1 hat das jetzt geändert - und damit den Kampf um Neukunden deutlich verschärft. Für knapp sieben Euro liefert der Webhoster und Provider seinen Kunden Online-Zeit und Datenübertragung so viel sie wollen. Dabei macht 1&1 - im Gegensatz zu anderen Anbietern - keinen Unterschied mehr zwischen der gewählten Geschwindigkeit des DSL-Anschlusses. Egal ob man mit einem, zwei oder drei Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Netz unterwegs ist, am Preis der Flatrate ändert das nichts.

Wachsendes Imageproblem: "T" wie "teuer

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Die Telekom-Tochter T-Online verlangt im Vergleich dazu 30 Euro für die Flatrate bei einem ein Mbit-Anschluss und satte 50 Euro bei der drei Mbit-Leitung. Selbst die konzerneigene Billigmarke Congster nimmt noch 26 Euro für unlimitiertes Surfen bei einem Mbit/s Verbindungsgeschwindigkeit. Und auch bei der schnellsten Zugangsvariante mit drei Mbit/s ist die Zweitmarke mit 46 Euro kaum billiger als T-Online selbst.

Auch das freenet-Angebot zu Preisen von 28,90 Euro bis 48,90 Euro erscheint im Licht der 1&1-Offerte kaum mehr konkurrenzfähig. Immerhin bietet freenet eine flexible Flatrate an, bei der der Nutzer einer ein Mbit-Leitung nur 12,90 Euro zahlt, wenn er weniger als fünf GB Daten im Monat versurft. Für die meisten Privatanwender ist das weit mehr als genug.

Konkurrenzfähig ist dagegen der ebenfalls zu United Internet gehörende E-Mail-Anbieter GMX. Surfen ohne Limit gibt es bei dem Münchner Unternehmen bereits zum Komplettpreis von 30 Euro. Die Flatrate kostet somit rechnerisch 13 Euro. Strato bietet zwar eine FlatratePlus für 9,90 Euro, schränkt bei bestimmten Internetanwendungen wie Datei-Tauschbörsen die Geschwindigkeit ein. Wer seinen Anschluss komplett wechselt, erhält bei Arcor eine Flatrate für knapp zehn Euro.

Für Breitbandkunden und Einsteiger in die schnelle Internetzugangstechnik sind die neuen Flatrates dennoch nicht automatisch ein Grund zu wechseln oder sich zwingend für einen der Anbieter zu entscheiden. Hilfreich bei der Auswahl des individuell günstigsten Tarifs ist es auch beim schnellen Internetzugang, das eigene Nutzungsverhalten zu kennen.

Wer nur abends ein paar E-Mails schreibt und aktuelle Nachrichten liest oder im Internet einkauft, dem reicht vermutlich ein ein Mbit-Anschluss mit einem Datenfreivolumen von einem GB im Monat. Größere Datenmengen fallen in der Regel erst an, wenn man auch über das Internet telefoniert, regelmäßig Musik oder Software herunter lädt, Radio hört oder fernsieht.

Außerdem kann es sich lohnen, die Zusatzleistungen der Provider zu vergleichen. Die Angebote unterscheiden sich nämlich deutlich in der Ausstattung mit E-Mail-Adressen, Webspace und Internet-Telefonie sowie den Subventionen für Hardware und die Anschlussgebühr der Telekom.

Björn Sievers



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