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E-Books: Lahme Konkurrenz für Amazons Kindle

In den Vereinigten Staaten ist es ausverkauft, in Europa noch nicht zu haben: Amazons Lesegerät Kindle macht sich rar. Es gibt einige Konkurrenzgeräte mit elektronischem Papier als Display. Erfolg hatte bislang keines. Ein Überblick über die neuen, alten E-Books.

Mit einem Regal voller Bücher in der Tasche in den Urlaub, zur Universität oder zur Arbeit - diese Vision bringt seit Jahren immer wieder neue Lesegeräte für elektronische Bücher hervor, konnte sich am Markt aber bisher nicht durchsetzen. Eine neue Generation solcher E-Book-Reader könnte das nun ändern. Sogenanntes "elektronisches Papier" bringt hier als Display Vorteile gegenüber anderen Geräten. Und das Online-Versandhaus Amazon wirft mit dem "Kindle" eine Eigenentwicklung mit besonderen Fähigkeiten ins Rennen.

"Bislang gab es auf diesem Markt ein Henne-Ei-Problem", sagt E-Book-Experte Jürgen Rink von der Zeitschrift "c't". "Entweder gab es die passenden Geräte, aber zu wenig Inhalte. Oder es gab die Inhalte, aber keine Geräte." Und manchmal gab es sogar keins von beidem. Selbst namhaften Herstellern wie Sony blieb ein durchschlagender Erfolg verwehrt.

Einen ersten Höhenflug hatte die Idee bereits Ende der 90er Jahre mit dem sogenannten Rocket eBook erlebt. Das Gerät wurde viel diskutiert. Der Hersteller hatte erkannt, dass Hardware und Inhalt gleichzeitig angepackt werden mussten und stellte elektronische Bücher zum Kauf bereit. Ähnlich wie beim Thema Musik waren auch hier die Dateien mit einem Kopierschutz versehen. Ein Erfolg wurde es aber nicht. Zu wenige Leser waren bereit, mehrere hundert Euro für ein Gerät auszugeben, das nur Texte anzeigen kann.

Mobipocket bringt Bücher aufs Handy

Einen weiteren Anlauf nahm das Thema E-Book, als die Displays von Handys und den Handheld-Computern immer größer und besser wurden. Die Software Mobipocket bringt bis heute Bücher und andere Textinhalte aufs mobile Gerät und wahlweise auch auf PC oder Laptop. Das Unternehmen ist eine Tochter des Internet-Händlers Amazon. Kaufen kann man die Inhalte in einem eigenen Onlineshop - wiederum kopiergeschützt. Die Lese-Software gibt es für mehrere Plattformen und funktioniert somit auf vielen aktuellen Handys und PDAs. Eine Alternative ist die Software TomeRaider.

Der teils restriktive Kopierschutz könnte eine Rolle dabei spielen, dass der Durchbruch bislang ausblieb. Man mache sich als Käufer vom Händler abhängig, sagt Rink. Als die Server von Mobipocket im Sommer 2007 über Tage nicht erreichbar waren, konnten Besitzer geschützter Dateien bei einem Handywechsel das neue Gerät beispielsweise nicht freischalten.

E-Books sind zu teuer

Ein anderer Dämpfer sind die Preise der E-Books. Da Druck, Lagerung und Transport der papiernen Bücher nur einen Teil der Herstellungskosten ausmachen, sind elektronische Bücher für den Verlag nicht deutlich billiger. Daher sähen Verlage digitale Inhalte bislang kaum als Einnahmequelle, sagt Rink. Eine Schlüsselrolle für den möglichen Erfolg sieht er vor allem bei der Hardware.

Eine besonders wichtige Eigenschaft der Geräte ist neben handlicher Form und möglichst geringem Gewicht die Lesbarkeit und Augenfreundlichkeit des Displays. Hier gilt das "elektronische Papier" als Technologie mit Potential. Es wirkt auf den Nutzer ähnlich wie Papier, kann aber computergesteuert Inhalte anzeigen.

Zu sehen gibt es diese Technik aktuell beispielsweise beim Reader iLiad der zum Philips-Konzern gehörenden Firma iRex. Mit rund 650 Euro ist er für ein reines Lesegerät allerdings nicht gerade billig. Dafür wirke die Darstellung tatsächlich wie auf einem leicht grauen Papier, sagt Rink. Das Display wird nicht beleuchtet, bei schummriger Umgebung braucht man also ganz klassisch eine Leselampe.

"Überall, wo Sie ein gedrucktes Buch lesen können, können Sie auch mit dem iLiad lesen", sagt Rink. Ein ähnliches Display bringen auch der Sony Reader, der Hanlin von der Firma Jinke und der neue Reader Kindle von Amazon mit, der in den USA seit kurzem für 399 US-Dollar angeboten wird. Nach Ansicht des Experten von "c't" könnte Amazon den Markt durchaus neu beleben. Hier treffe eine interessante Hardware auf Marktmacht und Marketingpotenzial.

Eine Besonderheit des Readers von Amazon ist seine Fähigkeit, neue Inhalte per Mobilfunk zu laden und damit unabhängig von einem Computer zu sein. Die Kosten für die Netzverbindung sind im jeweiligen Kauf- oder Abopreis bereits enthalten. Auf diesem Weg kommen nicht nur Bücher auf den Kindle, sondern auch Tageszeitungen und Zeitschriften sowie Inhalte ausgewählter Internetseiten. Auf jeden Fall müsse die Hardware billiger werden, sagt Rink. Ein Gerät für 400 Dollar sei da schon ein Riesenschritt nach vorn.

Jan Tißler, ddp

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