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Earth Hour: Mensch, mach das Licht aus!

Eineinhalb Jahre nach der ersten Earth Hour versucht es der WWF erneut und fordert die Menschen in aller Welt auf, am Samstag per Lichtschalter ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon unterstützt die Aktion, Kritiker halten sie für kontraproduktiv.

Die Idee der Earth Hour ist bestechend einfach und erntete bei ihrer ersten Erprobung im Jahr 2007 ein erhebliches mediales Echo, wenn auch wenig Erfolg: Für eine Stunde, forderte der World Wild Fund for Nature (WWF), sollten die Menschen in aller Welt, sollten Städte und Unternehmen einfach mal das Licht ausmachen, um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. In Deutschland machte sich die "Bild" damals zum Vorsprecher der hiesigen " Aktion Licht aus!" und erntete damit nicht nur Beifall.

www.lichtaus.info: Symbolische Aktion für den Klimaschutz

www.lichtaus.info: Symbolische Aktion für den Klimaschutz

Denn mindestens ebenso stark beachtet wurde die " Aktion Licht an!", die der publikumsträchtigen WWF-Aktion vorhielt, auf Symbole statt Taten zu setzen. Für die Kritiker der Earth Hour ist diese nichts als eine Wohlfühlaktion, bei der sich alle ein bisschen tätig fühlen können - statt wirklich etwas zu tun. Eine Art klimapolitischer Ablasshandel zur Entlastung des eigenen Gewissens. Zahlreiche Umweltverbände und Bürgerorganisationen vom Nabu über Robin Wood bis zu attac und zur "taz" forderten darum "Licht an! - Aber richtig": Statt nur für eine Stunde die Birnen zu löschen, solle man lieber eine davon gegen eine Energiesparlampe austauschen.

Der zweite Versuch: Bewegung braucht Symbole

Es stritten also zwei Parteien, die eigentlich dasselbe wollten, und genauso sieht das auch in diesem Jahr aus: Am Samstag, dem 28. März sollen, wenn es nach den Organisatoren der Earth Hour geht, ab 19.30 Uhr wieder weltweit die Lichter in den Städten verlöschen. Auch die Kritik, hier vorgebracht von "Wir Klimaretter", ist gleichlautend: "Sinnvoller als das Licht auszuschalten finden die Klimaretter, das Hirn einzuschalten. Statt sich an der Aktion zu beteiligen, sollte jeder Hamburger eine Energiesparlampe kaufen und gegen eine Glühbirne austauschen."

Anmeldungen zur Earth Hour, Stand 24.3.2009, 13 Uhr: Im angeblichen Öko-Vorreiterland Deutschland findet die Aktion kaum Interesse. Während die anderen gedankenlos Zeichen setzen, läuft hier die Grundsatzdiskussion, die aber auch kaum einer bemerkt

Anmeldungen zur Earth Hour, Stand 24.3.2009, 13 Uhr: Im angeblichen Öko-Vorreiterland Deutschland findet die Aktion kaum Interesse. Während die anderen gedankenlos Zeichen setzen, läuft hier die Grundsatzdiskussion, die aber auch kaum einer bemerkt

Hamburg ist eine der wenigen Städte in Deutschland, die durch eine so weit wie möglich umgesetzte Verdunkelung ihr Zeichen setzen wollen. Weltweit, sagt der WWF, hätten bisher 2398 Städte in 83 Ländern signalisiert, dass sie dabei sein wollten. Strom sparen wollen am Samstagabend auch 5481 Organisationen und 18.783 Firmen.

Eine feine Sache ist das, die nichts kostet, ein bisschen was spart und - da haben die Kritiker natürlich recht - weder etwas bewirkt noch jemandem wehtut: Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass besonders viele Beamte und Angestellte am Samstagabend um 19.30 Uhr wegen Dunkelheit im Büro ihre Arbeit werden unterbrechen müssen. Insofern ist die Earth Hour nicht mehr als ein Symbol, aber so etwas brauche man mitunter eben auch, argumentierte WWF-Chef Eberhard Brandes im Vorfeld: Man brauche eine weltweite Bewegung für das Klima, um der Politik adäquat Druck machen zu können.

Da hat er recht, und Bewegungen brauchen Rituale: Da bietet sich der Griff zum Lichtschalter durchaus an. Wer der Erde dann noch mehr als eine Stunde gönnen will, tauscht die Birne - auf handwarme Temperatur erkaltet - um 20.30 Uhr gleich gegen eine LED-Leuchte oder Energiesparlampe aus. Tut auch nicht weh und bringt mehr.

pat

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